Blick auf das Meer (Foto: SR/Sven Rech)

"Bleiben Sie zuhause" - Teil 14

Bella Ciao

Sven Rech   27.04.2020 | 13:25 Uhr

SR-Reporter Sven Rech hat seit 2010 Neapel zu seiner zweiten Heimat erkoren. Das macht ihn jetzt zum Korrespondenten aus einem Krisengebiet. Doch die Italiener machen sich gegenseitig Hoffnung.

Am Samstagnachmittag um drei lief ein zunehmend verwirrt dreinblickender Mann durch unser Viertel auf verzweifelter Suche nach einem geöffneten Lebensmittelgeschäft. Alles war geschlossen. Der Mann war zudem der einzige Passant in den leergefegten Gassen. Von irgendwo tönte leise und melancholisch das alte Partisanenlied „Bella Ciao“…

Um es kurz zu machen: der Mann war ich. In all der üblichen Corona-Nachrichtenflut hatte ich übersehen, dass in ganz Italien der Lockdown noch einmal um eine Stufe heruntergefahren wurde: der 25. April ist nationaler Feiertag, der Tag der Befreiung vom Faschismus – daher das Partisanenlied. Bisher war das allerdings nie Anlass, auch nur ein Schuhgeschäft zu schließen. Aber in Corona-Zeiten ist eben alles anders.

Überall Verwirrung

Ab heute aber dürfen wir wieder raus. Zumindest ein bisschen. Oder erst ab nächsten Montag? Auch hier – Verwirrung: Italiens Premierminister Conte hat eine vorsichtige Lockerung ab 4. Mai angekündigt. In der Region Campanien – bisher die strengste in Italien - dürfen alle, die zusammen wohnen, offenbar schon heute wieder paarweise auf die Straße. Aber nur zwischen 6.30 und 8.30 morgens und 19 und 22 Uhr abends. Gassi gehen, sozusagen. So hat es unser Regionalpräsident beschlossen, Vincenzo de Luca, der ein bisschen wie der vierschrötige Schauspieler Lino Ventura aussieht und von seinem Schreibtisch in Salerno aus seine Landeskinder beinah täglich per Videobotschaft zur Schnecke macht.

Es ist mitnichten so, dass wir zum Zustand von vor drei Monaten zurückkehren. Jemand hat mir geschrieben: „Heißt das, dass wir jetzt abends wieder durch die Bars ziehen können?“

Lino Ventura alias Vincenzo de Luca spannt seinen Boxernacken noch ein bisschen fester an, holt tief Luft und blafft in die Kamera:

Bist du bescheuert oder geht’s dir noch gut? Manche Leute haben sich offenbar das Hirn weggesoffen.

Soweit die Regierungserklärung des Präsidenten der Region Kampanien.

Ich weiß nicht, ob mich heute, am Montag, wieder auf die Straße trauen darf oder nicht oder nur zwischen halb sieben und halb neun - aber unser Kühlschrank ist so leer wie Neapel am Nationalfeiertag. Bella Ciao!



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