Strand (Foto: Sven Rech)

"Bleiben Sie zuhause" - Teil 17

Alles auf Anfang?

Sven Rech   11.05.2020 | 17:45 Uhr

SR-Reporter Sven Rech hat seit 2010 Neapel zu seiner zweiten Heimat erkoren. Das macht ihn jetzt zum Korrespondenten aus einem Krisengebiet. Er berichtet von der Phase 2 der italienischen Corona-Politik, in der das Leben langsam wieder beginnen soll, doch die Hygiene-Regeln eingehalten werden müssen.

IN ZEHNERREIHEN ZUM STRAND

Italiens Küsten haben eine Gesamtlänge von exakt 7600 Kilometern. Etwa 5000 davon eignen sich zum Badengehen, das sind 5 Millionen Meter Ufersaum. Gingen alle 60 Millionen Italiener zugleich an den Strand, müssten sie, wenn jeder einen Meter Platz haben soll, in 10 bis 12 Reihen hintereinander aufs Meer schauen. Das ist die Stituation am 15. August, einem Feiertag, an dem schon bei den alten Römern sogar die Sklaven Urlaub hatten. Ähnliche Ballungen erlebt man sonst nur am vermeintlichen Ende von Pandemien.

Also zum Beispiel gestern. Das Wetter war schön bis perfekt, und seit einer knappen Woche gilt „Phase 2“. Das bedeutet, dass etwa die Pizzerien an der Uferpromenade von Neapel zwar Pizza verkaufen, aber ihre Gäste nicht an Tischen bedienen dürfen, damit sie nicht so dicht nebeneinander sitzen. Stattdessen nehmen die Leute ihre Pizza mit an die Kaimauer, wo der Mindestabstand von 2 Metern erst recht nicht einzuhalten ist. Zwischen Mauer und Meer gibt es einen Streifen voller Felsen zum Wellenbrechen und hier und da auch ein paar Meter Sandstrand. Auch hier tummelen sich die Freigelassenen, nur hin und wieder von Polizisten mit wedelnden Armen auseinander getrieben.

MENSCH-ÄRGERE-DICH-NICHT AUF CAPRI

Auf der Insel Ischia wurde aus diesem Grund an Aussichtspunkten und an Hafenmolen das Hinsetzen verboten. Auf Capri, wo man sonst die Tagestouristen in Tausenderschritten zählt, hat man vorsorglich rote, gelbe und grüne Punkte aufs Pflaster gemalt. Auf ihnen dürfen künftige Besucher vorrücken wie bei Mensch-ärgere-dich-nicht. Ob auch gewürfelt wird und man eine gegnerische Figur vom Spielfeld werfen darf, wird sicher noch der Stadtrat entscheiden.

Aber zunächst müssen sie ja mal überhaupt hinkommen, die Besucher. Zur Zeit ist das nur mit öffentlichen Fähren gestattet. Natürlich dürfen nur Gesunde an Bord, wer eine Körpertemperatur von mehr als 37,5 Grad hat, wird gar nicht erst mitgenommen. Sollte jemand unterwegs Fieber bekommen, darf er die Insel nicht betreten. Dort wird nämlich erneut gemessen. Eigentlich dürfte er dann ja auch nicht zurück aufs Schiff. Vermutlich werden in einem solchen Fall – nach altem Mafia-Brauch – die sogenannten Betonschuhe zum Einsatz kommen, mit denen so mancher Störenfried im Hafenbecken entsorgt wurde.

DER ANTI-COVID-AUTOMAT

 (Foto: Sven Rech)

Fortschrittlicher geht es an den Stränden von Venedig zu. Dort wurden jetzt die ersten Covid-Detektoren installiert: „SprayforLife“ heißt die Erfindung eines venezianischen Start-Up-Unternehmens. Eine schmale, mannshohe Säule misst in Sekundenbruchteilen aus einem Meter Entfernung die Körpertemperatur, erkennt, ob die Gesichtsmaske richtig sitzt, desinfiziert Hände und Füße des Neuankömmlings und schlägt Alarm, wenn irgendwas mit dem nicht stimmt. Was dann geschieht? Das sollten wir vielleicht alle gemeinsam entscheiden. Bevor noch jemand automatische Betonschuhe auf den Markt bringt.



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