Blick über Neapel (Foto: SR/Sven Rech)

"Bleiben Sie zuhause" - Teil 15

Phase 2

Sven Rech   04.05.2020 | 17:45 Uhr

SR-Reporter Sven Rech hat seit 2010 Neapel zu seiner zweiten Heimat erkoren. Das macht ihn jetzt zum Korrespondenten aus einem Krisengebiet. Doch die Italiener machen sich gegenseitig Hoffnung.

Heute ist ein besonderer Tag. Heute beginnt die Phase 2. Nach dem Lockdown wegen Corona kehrt Italien langsam wieder zur Normalität zurück. Wir dürfen jetzt wieder… – ja, was eigentlich?

Im Moment scheint das niemand so genau zu wissen. In Kalabrien haben sie schon Ende letzter Woche wieder in den Bars gesessen; in Sizilien darf man ab heute seine Zweitwohnung wieder aufsuchen – vorausgesetzt, man hat eine; in der Toscana hingegen ist selbst ein Spaziergang am Meer weiterhin verboten.

Wildschweine hinter Gitter!

Bei uns in Neapel mussten sich die Freizeitsportler eine Strafpredigt des Regionalpräsidenten anhören: „Wie die Wildschweine“, so schäumte der Sheriff von Kampanien in seinem täglichen Facebook-Communiqué, wie die Wildschweine liefen derzeit Joggerinnen in fortgeschrittenem Alter und von wenig trainierter Statur, zwischen harmlosen Spaziergängern umher – schnaubend und spuckend und ohne Maske. Solche Leute werde er in Zukunft einsperren, poltert der Präsident.

Schon am nächsten Tag las man allerdings in der Zeitung, dass das Joggen jetzt auch ohne Mundschutz erlaubt sei. Von Verhaftungswellen hat man bisher nichts gehört.

Von A - Z

Und heute nun dürfen, sollen, müssen Teile der Bevölkerung wieder an ihre Arbeit gehen. Aber – halt! Nicht alle auf einmal! Zur Arbeit gehen die Neapolitaner ab heute in alphabetischer Reihenfolge. Und zwar von A – D zwischen 7.30 und 8.30 Uhr, von E – O zwischen 8.30 – und 9.30 Uhr und dann von halb zehn und halb elf alle von P bis Z. Verstöße werden mit Bußgeldern zwischen 400 und 3000 Euro geahndet. Immerhin kommt man nicht in den Knast, wie die joggenden Omis.

Italien macht es vor!

Meinem Biorythmus käme eine solche Regelung ja sehr gelegen, ich gehöre alphabetisch zur letzten Schicht – leider muss ich die Wohnung gar nicht verlassen, um ins Büro zu kommen. Wie oft habe ich mir eine solche Regelung gewünscht, vor Corona, als ich noch mit Fernsehteams in der Weltgeschichte herumfuhr und der Kameramann B. uns, den Tonmann S. und den Autor R., vor der Zeit aus dem Bett warf, um Sonnenaufgänge zu drehen oder Frühnebel über herbstlich-kühlen Flusstälern…

Tut mir leid, werde ich in Zukunft sagen, aber mit meinem Nachnamen darf ich leider erst um halb elf zur Arbeit kommen. Fang doch schon mal ohne mich an.

Ich sage es ja immer wieder an dieser Stelle: Es gibt so vieles, was wir von Italien lernen können.



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