Berufsinformationszentrum Saarbrücken (Foto: BiZ Saarbrücken)

Vom Berufskärtchen zum Online-Quiz

Melina Miller   09.10.2020 | 12:08 Uhr

Das Berufsinformationszentrum Saarbrücken feiert sein 40-jähriges Jubiläum. Ziel war und ist die Beratung junger Menschen beim Übergang zwischen Schule und Beruf. Im Laufe der Jahre haben sich vor allem die technischen Voraussetzungen verändert.

Als erstes von mittlerweile drei Berufsinformationszentren im Saarland hat das Saarbrücker Berufsinformationszentrum (BIZ) am 09. Oktober 1980 seine Pforten geöffnet. Damals waren Dia-Serien und Filmkärtchen noch die neuesten Methoden, um jungen Menschen mögliche Berufe vorzustellen.

Technische Fortschritte

"Damals war das Highlight, dass wir für die einzelnen Berufe Filmkärtchen hatten. Wenn man sich die Nummer aufgeschrieben hat, konnte man sich später einen kurzen berufskundlichen Film anschauen", erzählt die Geschäftsführerin der saarländischen Berufsinformationzentren Christina Arend. Auch hunderte Informationsmappen in verschiedenen Farben, je nach Zugehörigkeit zu Ausbildung oder Studium, hätten das Bild des damaligen BIZ geprägt.

Mit der Einführung der Computer in den Neunzigerjahren feierte das BIZ seinen ersten technischen Meilenstein. Als in den 2000ern das Internet dazu kam, habe sich die Arbeitsweise im BIZ revolutioniert, so Arend. Heute gibt es beispielsweise die Möglichkeit, in einem Onlinetest seine berufliche Eignung zu prüfen.

Auch in der persönlichen Berufsberatung habe es im Laufe der Zeit einige Veränderungen gegeben. So seien im Zuge der Weiterentwicklung die Gesprächsinhalte an moderne Kommunikationsregeln angepasst worden, erklärt Dorothee Merziger, Beauftragte für Chancengleichheit der Agentur für Arbeit im Saarland.

Berufsberatung in Schulen

Außerdem hat sich die Struktur der klassischen Berufsberatung verändert: In den Anfangsjahren des BIZ habe die persönliche Beratung hauptsächlich in der Agentur vor Ort stattgefunden. Mittlerweile seien die Berufsberater deutlich mehr in den Schulen unterwegs, um dort nach Bedarf junge Menschen bei der Auswahl einer geeigneten Ausbildung oder eines Studiums zu begleiten. Dabei gebe es eine feste Zuteilung der Berater pro Schule.

Im BIZ selbst stehen seit jeher Informationsmaterialien zur Verfügung. So kann man sich nach wie vor über Broschüren oder Bücher informieren oder im hauseigenen Netzwerk nach Informationen suchen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, vor Ort Bewerbungen zu erstellen. So könnten Menschen, die zuhause nicht über die nötigen technischen Ressourcen verfügen, professionelle Bewerbungen abgeben und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.

Erweiterung der Zielgruppe

Zu Beginn des Berufsinformationszentrums lag der Fokus der Beratungs- und Informationsangebote laut Arend vor allem auf jungen Menschen in Abschluss- und Vorabschlussklassen, die sich in Richtung Erstausbildung oder Studium orientierten, sowie Eltern und Lehrern. Im Laufe der Zeit seien dann mehr Angebote für Erwachsene hinzugekommen, da Um- und Neuorientierung im Erwachsenenalter populärer geworden sind. "Da haben sich die Zeiten schon geändert. Früher hat man oft einen Beruf gelernt, den man dann sein ganzes Leben ausgeübt hat", sagt Arend.

Mit fortschreitender Digitalisierung hat sich auch die Monopolstellung des BIZ verändert. Früher habe es viele der Berufsinformationen nur im Zentrum gegeben, so Arend. "Heute können sich Jugendliche auch über das Smartphone informieren", erklärt die BIZ-Geschäftsführerin. Die Flut an unbegrenzten Informationen könne aber auch verwirren. Für solche Fälle sei ein persönliches Gespräch mit einem Berufsberater hilfreich.

Die beliebtesten Berufe

Bei den populärsten Ausbildungsberufen hat sich nach Angaben des BIZ in den letzten Jahrzehnten wenig geändert. Historisch gesehen war der Friseurinnenberuf bei jungen Frauen stets sehr beliebt, ebenso wie die Verkäuferin oder die Arzthelferin. Auch wenn sich die Berufsbezeichnungen im Laufe der Jahre verändert haben, waren sie auch laut aktuellem Bericht für 2019/2020 unter den Top 10 der beliebtesten Ausbildungsberufe.

Bis heute beliebt bei den Männern ist der Beruf des Kfz-Mechatronikers. In den letzten Jahren hat auch hier der Beruf des Kaufmanns an Popularität zugelegt.

Einschränkungen durch Pandemie

Das BIZ in Saarbrücken hat coronabedingt seit Mitte März für den Publikumsverkehr geschlossen. Im Moment können also zum Beispiel keine Schulklassen empfangen werden. Stattdessen habe das BIZ seine Onlineangebote ausgeweitet und Beratungen digital oder telefonisch durchgeführt.

Noch bis mindestens Ende des Jahres bleibt das Zentrum laut Arend zu. Die Orientierungsveranstaltungen an den Schulen würden seit Beginn des neuen Schuljahres zwar wieder stattfinden, man wisse allerdings nicht, wie lange dies aufgrund des aktuellen Infektionsgeschehens noch möglich sei.

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