Wir im Saarland - Kultur (10.10.2018)

Wir im Saarland - Kultur

 

Eine Sendung mit viel Musik und Geschichte(n). Am Staatstheater ist die Oper „Die tote Stadt“ zu entdecken, die Blues Band „Stompin Heat“ ist auf Erfolgskurs und der Bühnenmeister Rolf Hausknecht wird verabschiedet.

Sendung: Mittwoch 10.10.2018 18:50 Uhr


Die Themen der Sendung


Stompin Heat und der Erfolg ihres „Rough Blues“

Ihre Musik nennen sie „Rough Blues“ und meinen damit einen unverstellten, ursprünglichen Blues. Damit ist „Stompin Heat“ auf Erfolgskurs. Ihre aktuelle CD hat es in die Top 10 der Amazon Music Bestseller-Alben „Blues“ geschafft. .

Ihre Konzerte sind so authentisch, dass man glaubt, sich auf einer amerikanischen Veranda zu befinden, wo der Blues zum Leben gehört wie der Whiskey zum Feierabend. Stompin Heat sind in diesem Jahr auf dem Weg nach oben ein gutes Stück weiter gekommen: Sie spielten als Opener beim Jubiläumsfestival des Blues Express in Differdange und traten bei der Luxemburger Jazz’n’Blues Rallye auf. Ende dieses Jahres steht eine CD-Produktion, für die einige der besten Bluestexter Songs für sie geschrieben haben. Finanziert werden soll das durch eine Crowdfunding-Aktion. Darüber und über ihre Musik reden Florian „Blind Dog“ Meyer und Martin „Magman“ Müller, die Köpfe von Stompin Heat, im Studiogespräch.


Abschied von Bühnenmeister Rolf Hausknecht

Rein optisch wirkt er wie eine Mischung aus Hipster und verwegenem Kerl. Tätowiert, muskulös und durch und durch eine gute Seele, betreute Rolf Hausknecht viele Jahre lang die Bühnentechnik am Staatstheater. Nun nimmt er Abschied.

Es ist seine letzte Produktion: Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ am Großen Haus des Saarländischen Staatstheaters. Wie immer hat Rolf Hausknecht dafür gesorgt, dass sich während der Aufführung alle Bühnenteile so bewegen, wie sie sollen. Und dafür, dass sie überhaupt so gebaut sind, wie sie müssen, damit alle Einfälle des Bühnenbildners technisch umsetzbar sind. Rolf Hausknecht ist Bühnenmeister, aber auch vielen Freund geworden. 2013 hat Susanne Kirchhofer ihn während der Restaurierung des Staatstheaters ein Jahr lang mit der Kamera begleitet. Jetzt sprach sie mit ihm über den Abschied vom Theater – und über seine Pläne.


Geigenbau con amore

Er ist verliebt in Instrumente, die im Italienischen „Viola d’amore“ oder „Gamba d’amore“ heißen. „Amore“ bedeutet Liebe. Das passt, denn ohne Leidenschaft geht beim Geigenbauer Martin Krause gar nichts.

Sein erstes Instrument hat er noch vor seiner Lehrzeit gebaut: Eine Gambe, also den Nachbau eines Cellos, wie es vor rund 500 Jahren gespielt wurde. Die Faszination für den Bau von Streichinstrumenten hat Martin Krause in der Werkstatt seiner Eltern entdeckt, die seit den 70er Jahren eine angesehene Geigenbauwerkstatt in Saarbrücken aufgebaut haben. Mittlerweile hat Martin Krause die Werkstatt übernommen, bietet Service und baut nach verschiedenen Modellen auch eigene Instrumente. Die können sich nicht nur sehen sondern auch hören lassen.


Der langsamste Fotograf der Welt – Große Jeff Wall-Schau in Luxemburg

Zu Zeiten von Instagram und Selfiewahn stehen seine Bilder diametral entgegen: Der kanadische Fotokünstler Jeff Wall nimmt sich viel Zeit für seine inszenierten Monumentalbilder. Rund 30 Werke sind jetzt im MUDAM in Luxemburg zu  sehen.

Er gilt als langsamster Fotograf der Welt: Bis Jeff Wall ein Bild fertig hat, können schon mal zwei Jahre ins Land gehen. Was wie ein Schnappschuss wirkt, ist minutiös geplant und inszeniert. Mit seinen Lightboxes wurde der Künstler Ende der Siebzigerjahre bekannt – großformatige Fotografien, die wie Werbeflächen von hinten angestrahlt werden. Im Luxemburger Musée d’Art Moderne MUDAM sind jetzt neben diesen Ikonen der Fotografie auch jüngere Werke des Altmeisters zu sehen. Harriet Weber-Schäfer hat den Mann, der als Künstler und Kritiker zugleich auch die Fotografie erforscht, zu einem hochinteressanten Gespräch getroffen.

Bild:
Jeff Wall
Tattoos and Shadows, 2000
Transparency in lightbox
195,5 x 255 cm
Courtesy l’artiste
© Jeff Wall


Soghafte Oper mit Klangrausch

„Die tote Stadt“ wurde bei der Uraufführung 1920 gefeiert, als neoklassisches Meisterstück. Doch der Erfolg hielt für den Komponisten Erich Wolfgang Korngold, einen Juden, nicht lange an. Er musste vor den Nazis fliehen und die Oper geriet in Vergessenheit. Erst mal.

Für seine Filmmusik erhielt Korngold, der in die USA emigriert war, zwei Oscars. Seine frühen Opern erfahren erst langsam wieder eine Renaissance. Gerade mal 20 Jahre war der Komponist alt, als er seine wohl bedeutendste Oper schrieb: „Die tote Stadt.“ In einer ebenso romantischen wie geheimnisvollen Geschichte erzählt Korngold von Paul, der um seine geliebte Frau Marie trauert. Beim Erscheinen der geheimnisvollen Marietta glaubt er, Marie wiederzusehen und ist hin- und hergerissen. Erst die offene Konfrontation mit seinem Trauma bringt Pauls verschüttete Sehnsüchte zum Vorschein. Sonderbare Vorgänge verwischen die Konturen zwischen Sein und Schein. Paul beginnt wieder zu lieben - aber wen? Soghaft ist die Musik, die Erich Wolfgang Korngold für sein zwischen Wahn und Wirklichkeit taumelndes Nachtstück gefunden hat: Mit einem riesigen Orchesterapparat entfesselt er einen wahren Klangrausch.


Kulturtipps

Die Kulturtipps vom 10. Oktober 2018.


Moderation: Marcel Lütz-Binder

Die Moderatoren des neuen Vorabends: Jochen Erdmenger, Susanne Gebhardt und Marcel Lütz-Binder. (Foto: SR)

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