Wir im Saarland - Kultur (31.10.2018)

Wir im Saarland - Kultur

 

In dieser Woche gibt es emotionale Erinnerungen und Lieder des Lebens. Eine Sendung voller tiefer Emotionen: In Völklingen wird das Mahnmal für die Zwangsarbeiter der Hütte eingeweiht, am Staatstheater vertanzt das Ballettensemble herzzerreißende Liebesgeschichten und eine neue Serie stellt Lieder des Lebens vor.

Sendung: Mittwoch 31.10.2018 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Neue Serie über "Lieder des Lebens“

Ein Gefühl, das jeder kennt: Man hört einen Song, eine klassische Melodie, ein Chanson, und fühlt sich automatisch in eine bestimmte Situation, in eine andere Lebensphase versetzt. Erinnerungen steigen an die Oberfläche. Die Filmemacherin Sarah Moll hat für "Wir im Saarland – Kultur“ fünf Menschen im Saarland nach ihrem Song gefragt – und die Geschichten dazu ins Bild gesetzt. Zum Auftakt der Serie stellt Sarah Moll den Song des Liedermachers Franz-Josef-Degenhardt "P.T. aus Arizona“ in den Mittelpunkt.

Er erzählt die Geschichte des in Kaiserslautern stationierten Indianers und US-Soldaten P.T., der nach Vietnam in den Krieg eingezogen werden soll. In ganz Deutschland, auch in Saarbrücken, bildeten sich in den 60er Jahren Gruppen, die amerikanische GIs unterstützten, die dem Einsatz entgehen wollten. Klaus Trenz war einer derjenigen, die nach Kaiserslautern zur amerikanischen Kaserne fuhren und Flugblätter mit dem Slogan "Make Love in Paris, not War in Vietnam“ über den Zaun warfen. Ein Aufruf, zu desertieren, und gleichzeitig eine regelrechte Gebrauchsanweisung. Und so kam es, dass GIs an Saarbrücker Haustüren klingeln kamen, wo man ihnen half, über die grüne Grenze nach Frankreich zu fliehen; denn dort drohte ihnen – anders als in Deutschland – nicht die Auslieferung.


Mahnmal für Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte

Lange wurde ein Denkmal für die Zwangsarbeiter in der Völklinger Hütte gefordert. Nun wird es eingeweiht. Der französische Weltkünstler Christian Boltanski will den Zwangsarbeitern ihre Namen und Würde zurückgeben.

Ein Haufen Mäntel, unzählige gestapelte Keksdosen und eine Stimme flüstert Namen von ehemaligen Zwangsarbeitern. Mehr als 10000 davon hat es in der Völklinger Hütte während der NS-Zeit gegeben, 250 von ihnen starben. Ihnen hat Christian Boltanski ein emotionales Denkmal gesetzt. Sein Erinnerungsort setzt sich zusammen aus einer Installation und einer temporären Multimediaarbeit. Im Vorfeld der Boltanski-Arbeit hatte es Diskussionen gegeben.

Verschiedene Verbände kritisierten, dass es bei einer so bedeutenden Arbeit ein Mitspracherecht oder einen öffentlichen Wettbewerb hätte geben müssen. Dem widersprach Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig. Filmemacher Felix von Böhm stellt das Erinnerungsmahnmal vor, und Meinrad Maria Grewenig erläutert im Studiogespräch mit Christine Alt den Umgang des Weltkulturerbes mit der Geschichte der Zwangsarbeiter.

Interview mit Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig
Interview mit Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig


Spiegelungen – Zwei Ballette am Staatstheater

Um Liebe, Tod und Verletzlichkeit geht es im Ballettabend "Spiegelungen“. Zwei Produktionen schlagen den Bogen vom jüdischen Osteuropa in den fernen Osten. Das Publikum feierte die Premiere enthusiastisch.

Für das erste Stück des Abends, „Verweile doch …“, greift der renommierte dänische Choreograph Kim Brandstrup auf eine jüdische Legende zurück: In ihr wird die Geschichte eines Totengeists beschworen, der Besitz von einer Frau ergreift – der Frau, die er als junger Mann nicht heiraten durfte. Leonard Bernstein hat das Stück vertont. Für die zweite Choreographie des Abends, „Shunkin“, hat sich Ballettdirektor Stijn Celis von einer Erzählung des japanischen Autors Junichirō Tanizaki inspirieren lassen: Die Erzählung handelt von einer bildhübschen Frau (Shunkin), die einer hervorragende Shamisenspielerin geworden ist – allerdings erblindete sie im Kindesalter.


Neu im Kino – "Der Trafikant"

Der neue Kinofilm "Der Trafikant" spielt in der Zeit des Nationalsozialismus. Er handelt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem 17-jährigen Franz und dem 82-jährigen Psychoanalytiker Sigmund Freud - gespielt von Bruno Ganz.


Kulturtipps

Die Kulturtipps der Woche vom 31. Oktober 2018.


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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