Saatkrähen in der Stadt (Foto: SR)

Dreckig und laut: Kolonien von Saatkrähen mitten in der Stadt

In Landau sind Bewohner genervt von Saatkrähen, die an mehreren Stellen in der Stadt nisten. Als störend werden vor allem der Kot und der Lärm empfunden. Die Saatkrähen aber sind streng geschützt und dürfen nicht einfach vertrieben oder getötet werden. Eine kurzfristige Lösung wäre die Umsiedlung der Kolonien. Die eigentliche Ursache des Problems: der ursprüngliche Lebensraum der Saatkrähen auf dem Land ist weitgehend zerstört und so flüchten die Vögel in die Städte.

Die Krähen sind los. Als lärmende Trupps stören sie in Landau die Stadtbewohner. Besonders betroffen ist das Otto-Hahn Gymnasium. Hier nervt nicht nur ihr Gekrächze. „Wenn ich mit meinem Essen übern Schulhof laufe, dann muss ich den Deckel draufmachen, weil ich Angst habe, dass mir diese Viecher reinkacken“, sagt Schülerin Sarah-Michelle Dobler. „Das ist echt ekelhaft, und in meiner Klasse wurden, glaube ich, schon drei Leute angekackt“. Schulleiter Andreas Doll stellt fest, dass sich das Problem sogar verschärft habe: „Wir hatten vor drei, vier Jahren vielleicht 30 Nester, jetzt sind wir bei 70 Nestern. Und es muss was passieren, weil so kann es nicht weitergehen.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Dreckig und laut: Kolonien von Saatkrähen mitten in der Stadt

Zerstörter Lebensraum - Flucht in die Stadt

Saatkrähen bilden im Winter große Schwärme für die Nahrungssuche. Dabei auch Tiere aus Osteuropa, die bei uns überwintern. Jetzt, im Frühjahr, brüten sie in Kolonien. Saatkrähen sind eigentlich nicht sehr häufig, aber sie fallen auf. Krähen in der Stadt. Warum ziehen sie nicht einfach in den Wald? Das geht nicht. Denn das ist nicht ihr Ding, sie brauchen freie Sicht und eine offene Landschaft. Die Felder, ihr ursprünglicher Lebensraum, sind aber steril und aufgeräumt. Hier finden sie zwar noch Nahrung, nisten aber kann hier keine Krähe. Für Olaf Strub vom Nabu ist vor allem die Flurbereinigung schuld daran, dass die Saatkrähe zum Stadtvogel wird: „Ja, die brauchen Büsche, Bäume, Gehölze um zu brüten. Und das finden sie in so einer ausgeräumten Landschaft nicht. Und dann drängt es sich dann eben, wo es sowas noch gibt, und das ist dann halt im Siedlungsbereich.“

Das Stadtleben: Futter, Bäume, wenig Feinde. Im Winter etwas wärmer als das Umland. Ein Ersatz-Paradies für Saatkrähen. 

Saatkrähen sind streng geschützt

Der Lärm ist nur ein Problem, das am Landauer Otto-Hahn Gymnasium stört. Dazu kommt der Dreck: Chaotisch sind sie, die Saatkrähen, lassen Kot und Nistmaterial achtlos auf den Boden fallen. Teile des Schulhofs sind unbenutzbar. Hier wäre man die Tiere gern los. Die Saatkrähen sind aber streng geschützt, dürfen nicht einfach vertrieben oder gar getötet werden. Einfache Lösungen gebe es nicht, so Olaf Strub: „Das Problem ist tatsächlich, wenn man so eine Kolonie vergrämt, also auflöst, weil es da zu Konflikten kommt: Die braucht ja irgendeinen Platz, und wenn die sich auflöst, dann wird sie nicht komplett umziehen, sondern es bilden sich dann an drei, vier anderen Stellen – je nachdem, wie groß die Kolonie war – wieder kleinere Kolonien, das heißt, man verlagert den Ärger nur, aber man beseitigt ihn nicht.“

Umsiedlung als Lösung?

In Landau gibt es bereits mehrere Kolonien. Einige Anwohner sind genervt. Und haben sich bei der Stadt beschwert. Jetzt ist ein runder Tisch geplant, um Lösungen zu finden. Zum Beispiel: Eine Umsiedelungsaktion. Rudi Klemm, Umweltdezernent der Stadt Landau, meint: „Man kann Nester auch aus den Bäumen rausnehmen, mit Genehmigung, und kann sie an andere Standorte, an Wunschstandorte, die wir gerne hätten, umsiedeln, aber auch da ist er zweifelhaft, der Erfolg.“ Wunschstandorte? An der A 61 bei Worms haben die Krähen selbst den Kompromiss gefunden. Um eine Raststätte herum befindet sich eine der größten Kolonien im Land. Hier stören die Krähen nicht.

Umweltschützer plädieren für Landschaftsveränderungen

Die nachhaltigste Lösung wäre für Umweltschützer allerdings eine Veränderung der offenen Landschaft, zurück zu mehr Ursprünglichkeit. „Mit mehr Strukturelementen: Mit Hecken, mit Feldgehölzen, mit Bäumen, mit Randstrukturen an den Äckern – eben einfach wesentlich strukturreicher“, meint Olaf Strub vom NABU Rheinland-Pfalz. An dem Landauer Gymnasium sollen Greifvögel-Rufe vom Band die Krähen stören. Nur ein Provisorium. Für ein paar saatkrähenfreie Momente auf dem Schulhof.

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