Bio-Jeans aus Nancy (Foto: SR)

Regional und nachhaltig: Eine Jeans aus Nancy

Mit einer Reise nach Vietnam fing alles an: Dort sah der lothringische Modedesigner Davy Dao mit eigenen Augen, wie Mensch und Umwelt unter den Produktionsbedingungen von Jeanshosen leiden. Deshalb hat er eine Jeans entwickelt, die aus Leinen statt aus Baumwolle gemacht wird. Der dazu nötige Rohstoff Flachs wächst in der Großregion und wird in Lothringen zu Stoff und dann zu den Jeans verarbeitet.

Wenn Davy Dao zur Schere greift oder an der Nähmaschine sitzt, sieht das mittlerweile sehr professionell aus. Dabei hat er sich alles selbst beigebracht. Bereits als Jugendlicher wollte er Modedesigner werden: „Das fing bei mir schon mit 11,12 Jahren an. Ich hatte 8 Geschwister. Für meine älteren Brüder haben meine Eltern neue Sachen gekauft. Dann musste ich sie tragen. Da waren sie schon etwas kaputt, und ich musste sie umnähen.“

Schockierende Produktionsbedingungen in Asien

Vor ein paar Jahren ist Davy Dao nach Vietnam gereist, die Heimat seiner Eltern. Er war erschüttert über die Umweltschäden, die die Jeans-Produktion dort anrichtet – und über die Arbeitsbedingungen: „Das Wasser, mit dem die Jeans ausgewaschen werden, fließt ungefiltert in die Weiher. Das ist kein Trinkwasser mehr, sondern eine blaue Brühe. Außerdem gibt es in den Firmen dort viel Kinderarbeit. Bis zu 30 Prozent der Arbeiter sind zwischen elf und sechzehn Jahre alt. Die arbeiten neun, zehn Stunden pro Tag, auf dem Boden sitzend, manchmal ohne Klimatisierung.“ Davy Dao trifft damals zwei Entschlüsse: Er möchte Jeans herstellen, die möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und umweltschonend hergestellt werden. Und er möchte, dass die Hosen so weit wie möglich vor Ort produziert werden.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Regional und nachhaltig: Eine Jeans aus Nancy

Zwei Jahre Entwicklungszeit

Vor vier Jahren hat er seine eigene Firma gegründet: Dao. Firmensitz ist seine Geburtsstadt: Nancy. Bislang hat der 30-Jährige Baumwoll-Jeans verkauft. Produziert werden sie in einer Art offenem Atelier im Zentrum, ganz in der Nähe des Place Stanislas. Wer möchte, kann zuschauen. Produziert werden sie in einer Art offenem Atelier im Zentrum, ganz in der Nähe des Place Stanislas. Wer möchte, kann zuschauen. Jetzt, nach über zwei Jahren Herumexperimentieren hat der Designer eine Lösung für seine ersehnte Öko-Jeans gefunden: Der Rohstoff ist nicht Baumwolle, sondern Flachs, aus dem Leinen gewebt wird. Flachs wächst massenhaft in Frankreich und der Großregion. Und er hat einen weitere Vorteil, erklärt David: „Für den Anbau von einem Kilo Baumwolle werden 5.000 bis 10.000 Liter Wasser verbraucht. Flachs dagegen muss man nicht bewässern.“

Mischung aus Leinen und Elastan

Denimlin nennt der umweltbewusste Designer seine Kreation – denn lin ist das französische Wort für Leinen. Ganz ohne Synthetik ist die Hose allerdings nicht. Denn der Stoff besteht zu drei Prozent aus Elastan. Das Zugeständnis muss sein, meint der Jeans-Fan: „Ganz einfach weil Leinen an sich ziemlich steif ist. Und die Jeans soll ja angenehm zu tragen sein. Gerade Frauen mögen Hosen, die sich eng an die Haut schmiegen. Also mussten wir Elastan hinzufügen. Zunächst ist der Stoff beim Waschen in der Maschine stark eingelaufen. Aber wir haben es jetzt geschafft, das Material so zu stabilisieren, dass die Hose nicht mehr einläuft.“

Neue Arbeitsplätze in der Großregion

Die Öko-Jeans von Davy Dao wird fast komplett in Frankreich hergestellt werden. 80 Prozent des Materials, das für die Hosen benötigt wird, kommen aus Nancy und Umgebung, die restlichen 20 Prozent aus den benachbarten Benelux-Ländern. Durch die Jeans ‚Made in France‘ entstehen Arbeitsplätze in der Region. Der Nachteil ist natürlich, dass die Herstellung dadurch teurer ist. Die Denimlin-Modelle werden 160 Euro kosten - rund 30 Euro mehr als die ‚klassischen‘ Jeans von Daos Firma. „Mir gefällt das Material. Andere Jeans sind härter, diese hier ist geschmeidiger. Man fühlt sich wohl darin“, meint einer der Kunden nach dem Anprobieren im Laden. Die Kundin in der Nachbarkabine dagegen sagt: „Mir ist die Hose zu teuer. Ich kaufe sonst Jeans von Levi’s oder Lucky Brand, die kriege ich für 60, 70 Euro. 130 wäre noch okay, aber 160 ist mir zu viel.“ Eine junge Frau, die ebenfalls die Leinen-Jeans anprobiert hat, meint: „Für mich ist der Preis nicht zu hoch, es ist ja eine Jeans Made in France. Und man darf nicht vergessen, dass man die Hose mehrere Jahre lang trägt. Deswegen finde ich: sie ist nicht überteuert.“

Verkauf vor allem über das Internet

Im Internet hat David Dao vor ein paar Wochen einen Aufruf zu einem Crowdfunding veröffentlicht, um Startkapital für die Produktion der neuen Jeans zu bekommen. Das lief überraschend gut, sagt er. Schon nach zwei Tagen hatte er die notwendigen Vorbestellungen zusammen. Und in den folgenden Tagen kamen noch viel mehr, berichtet David: „Dadurch konnten wir die Produktion starten. Wir haben 3.000 Meter Stoff bestellt, daraus werden 1.000 bis 1.500 Hosen. Erst arbeiten wir die Vorbestellungen ab, dann wird weiter verkauft, hoffentlich auch nach Deutschland.“ Ende April soll die Produktion im großen Stil anlaufen. Bislang gibt es die Öko-Jeans außer in Nancy auch in Lille und Toulouse zu kaufen. In Paris soll ebenfalls eine Verkaufsstelle entstehen. Die meisten Hosen, so hofft er aber, wird er übers Internet an den Mann und an die Frau bringen.

Adresse:

Dao Atelier
5 rue Saint Nicolas
54000 Nancy
Telefon: 0033 (0)3 55 20 75 41
Internet: https://daodavy.com

Artikel mit anderen teilen