Wir im Saarland - Grenzenlos (16.04.2018)

Wir im Saarland - Grenzenlos

 

Wir im Saarland - Grenzenlos hat in dieser Woche den lothringischen Modedesigner Davy Dao besucht, der eine regionale und nachhaltige Bio-Jeans entwickelt hat. Außerdem ging es um störende Krähen-Kolonien in der Stadt, traditionelles Salz aus Lothringen und um das Schiffshebewerk auf dem Rhein-Marne-Kanal.

Sendung: Montag 16.04.2018 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Interview: Keine Klage gegen Cattenom

Die Entscheidung ist gefallen: Die Bundesländer Saarland und Rheinland-Pfalz werden keine Klage gegen das Atomkraftwerk in Cattenom einreichen. Das Werk wurde 1986 in Betrieb genommen und steht nahe der Grenze zu Deutschland und Luxemburg. Die beiden Länder hatten ein Sicherheitstechnisches Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse am 16.04.2018 veröffentlich wurden. Aus Wiesbaden ist Dieter Majer zugeschaltet. Er war bis 2011 Technischer Leiter der Deutschen Atomaufsicht.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Interview: Keine Klage gegen Cattenom


Bio-Jeans aus Nancy (Foto: SR)

Regional und nachhaltig: Eine Jeans aus Nancy

Mit einer Reise nach Vietnam fing alles an: Dort sah der lothringische Modedesigner Davy Dao mit eigenen Augen, wie Mensch und Umwelt unter den Produktionsbedingungen von Jeanshosen leiden. Deshalb hat er eine Jeans entwickelt, die aus Leinen statt aus Baumwolle gemacht wird. Der dazu nötige Rohstoff Flachs wächst in der Großregion und wird in Lothringen zu Stoff und dann zu den Jeans verarbeitet. [mehr]


Saatkrähen in der Stadt (Foto: SR)

Dreckig und laut: Kolonien von Saatkrähen mitten in der Stadt

In Landau sind Bewohner genervt von Saatkrähen, die an mehreren Stellen in der Stadt nisten. Als störend werden vor allem der Kot und der Lärm empfunden. Die Saatkrähen aber sind streng geschützt und dürfen nicht einfach vertrieben oder getötet werden. Eine kurzfristige Lösung wäre die Umsiedlung der Kolonien. Die eigentliche Ursache des Problems: der ursprüngliche Lebensraum der Saatkrähen auf dem Land ist weitgehend zerstört und so flüchten die Vögel in die Städte. [mehr]


Salz nach traditioneller Art aus Lothringen (Foto: SR)

Weiß und wertvoll: Salz nach traditioneller Art aus Lothringen

In Lothringen wird seit mehreren tausend Jahren Salz gewonnen. Schon früh entwickelten die Menschen im sogenannten Salzgau (Saulnois) eine Methode, um das Salz als Sole aus dem Boden zu fördern und wieder in Kristalle zu verwandeln. Dadurch erlangte die Region wirtschaftliche Bedeutung. Denn das „weiße Gold“ war nicht nur zum Haltbarmachen von Lebensmitteln wichtig, sondern auch ein kostbarer Tauschwert. In Einville-au-Jard gibt es eine Saline, die noch heute nach den Prinzipien dieser alten Methode Salz herstellt. Darunter auch besonders von Gourmets geschätzte Salzflocken – die „Pétales du sel“. [mehr]


WimS - KURZ & GUT (Foto: SR)

Kurz und gut

Tipps und Trends aus der Großregion [mehr]


Schiffshebewerk (Foto: SR)

Imposant und praktisch: Eine „Tour de Kultur“ zum Schiffshebewerk in Arzviller

Ein riesiger Fahrstuhl für Schiffe – und einzigartig in Frankreich. Durch das Schiffshebewerk  spart man auf dem Rhein-Marne-Kanal von Straßburg nach Paris 17 Schleusen und damit einen ganzen Tag Fahrzeit. Unsere Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker ist in den Schrägaufzug gestiegen und hat sich genau erklären lassen, wie dieses „Wunderwerk der Technik“ funktioniert. [mehr]


Moderation: Isabel Sonnabend

Isabel Sonnabend (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Bio-Jeans aus Nancy (Foto: SR)

Regional und nachhaltig: Eine Jeans aus Nancy

Mit einer Reise nach Vietnam fing alles an: Dort sah der lothringische Modedesigner Davy Dao mit eigenen Augen, wie Mensch und Umwelt unter den Produktionsbedingungen von Jeanshosen leiden. Deshalb hat er eine Jeans entwickelt, die aus Leinen statt aus Baumwolle gemacht wird. Der dazu nötige Rohstoff Flachs wächst in der Großregion und wird in Lothringen zu Stoff und dann zu den Jeans verarbeitet.

Wenn Davy Dao zur Schere greift oder an der Nähmaschine sitzt, sieht das mittlerweile sehr professionell aus. Dabei hat er sich alles selbst beigebracht. Bereits als Jugendlicher wollte er Modedesigner werden: „Das fing bei mir schon mit 11,12 Jahren an. Ich hatte 8 Geschwister. Für meine älteren Brüder haben meine Eltern neue Sachen gekauft. Dann musste ich sie tragen. Da waren sie schon etwas kaputt, und ich musste sie umnähen.“

Schockierende Produktionsbedingungen in Asien

Vor ein paar Jahren ist Davy Dao nach Vietnam gereist, die Heimat seiner Eltern. Er war erschüttert über die Umweltschäden, die die Jeans-Produktion dort anrichtet – und über die Arbeitsbedingungen: „Das Wasser, mit dem die Jeans ausgewaschen werden, fließt ungefiltert in die Weiher. Das ist kein Trinkwasser mehr, sondern eine blaue Brühe. Außerdem gibt es in den Firmen dort viel Kinderarbeit. Bis zu 30 Prozent der Arbeiter sind zwischen elf und sechzehn Jahre alt. Die arbeiten neun, zehn Stunden pro Tag, auf dem Boden sitzend, manchmal ohne Klimatisierung.“ Davy Dao trifft damals zwei Entschlüsse: Er möchte Jeans herstellen, die möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und umweltschonend hergestellt werden. Und er möchte, dass die Hosen so weit wie möglich vor Ort produziert werden.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Regional und nachhaltig: Eine Jeans aus Nancy

Zwei Jahre Entwicklungszeit

Vor vier Jahren hat er seine eigene Firma gegründet: Dao. Firmensitz ist seine Geburtsstadt: Nancy. Bislang hat der 30-Jährige Baumwoll-Jeans verkauft. Produziert werden sie in einer Art offenem Atelier im Zentrum, ganz in der Nähe des Place Stanislas. Wer möchte, kann zuschauen. Produziert werden sie in einer Art offenem Atelier im Zentrum, ganz in der Nähe des Place Stanislas. Wer möchte, kann zuschauen. Jetzt, nach über zwei Jahren Herumexperimentieren hat der Designer eine Lösung für seine ersehnte Öko-Jeans gefunden: Der Rohstoff ist nicht Baumwolle, sondern Flachs, aus dem Leinen gewebt wird. Flachs wächst massenhaft in Frankreich und der Großregion. Und er hat einen weitere Vorteil, erklärt David: „Für den Anbau von einem Kilo Baumwolle werden 5.000 bis 10.000 Liter Wasser verbraucht. Flachs dagegen muss man nicht bewässern.“

Mischung aus Leinen und Elastan

Denimlin nennt der umweltbewusste Designer seine Kreation – denn lin ist das französische Wort für Leinen. Ganz ohne Synthetik ist die Hose allerdings nicht. Denn der Stoff besteht zu drei Prozent aus Elastan. Das Zugeständnis muss sein, meint der Jeans-Fan: „Ganz einfach weil Leinen an sich ziemlich steif ist. Und die Jeans soll ja angenehm zu tragen sein. Gerade Frauen mögen Hosen, die sich eng an die Haut schmiegen. Also mussten wir Elastan hinzufügen. Zunächst ist der Stoff beim Waschen in der Maschine stark eingelaufen. Aber wir haben es jetzt geschafft, das Material so zu stabilisieren, dass die Hose nicht mehr einläuft.“

Neue Arbeitsplätze in der Großregion

Die Öko-Jeans von Davy Dao wird fast komplett in Frankreich hergestellt werden. 80 Prozent des Materials, das für die Hosen benötigt wird, kommen aus Nancy und Umgebung, die restlichen 20 Prozent aus den benachbarten Benelux-Ländern. Durch die Jeans ‚Made in France‘ entstehen Arbeitsplätze in der Region. Der Nachteil ist natürlich, dass die Herstellung dadurch teurer ist. Die Denimlin-Modelle werden 160 Euro kosten - rund 30 Euro mehr als die ‚klassischen‘ Jeans von Daos Firma. „Mir gefällt das Material. Andere Jeans sind härter, diese hier ist geschmeidiger. Man fühlt sich wohl darin“, meint einer der Kunden nach dem Anprobieren im Laden. Die Kundin in der Nachbarkabine dagegen sagt: „Mir ist die Hose zu teuer. Ich kaufe sonst Jeans von Levi’s oder Lucky Brand, die kriege ich für 60, 70 Euro. 130 wäre noch okay, aber 160 ist mir zu viel.“ Eine junge Frau, die ebenfalls die Leinen-Jeans anprobiert hat, meint: „Für mich ist der Preis nicht zu hoch, es ist ja eine Jeans Made in France. Und man darf nicht vergessen, dass man die Hose mehrere Jahre lang trägt. Deswegen finde ich: sie ist nicht überteuert.“

Verkauf vor allem über das Internet

Im Internet hat David Dao vor ein paar Wochen einen Aufruf zu einem Crowdfunding veröffentlicht, um Startkapital für die Produktion der neuen Jeans zu bekommen. Das lief überraschend gut, sagt er. Schon nach zwei Tagen hatte er die notwendigen Vorbestellungen zusammen. Und in den folgenden Tagen kamen noch viel mehr, berichtet David: „Dadurch konnten wir die Produktion starten. Wir haben 3.000 Meter Stoff bestellt, daraus werden 1.000 bis 1.500 Hosen. Erst arbeiten wir die Vorbestellungen ab, dann wird weiter verkauft, hoffentlich auch nach Deutschland.“ Ende April soll die Produktion im großen Stil anlaufen. Bislang gibt es die Öko-Jeans außer in Nancy auch in Lille und Toulouse zu kaufen. In Paris soll ebenfalls eine Verkaufsstelle entstehen. Die meisten Hosen, so hofft er aber, wird er übers Internet an den Mann und an die Frau bringen.

Adresse:

Dao Atelier
5 rue Saint Nicolas
54000 Nancy
Telefon: 0033 (0)3 55 20 75 41
Internet: https://daodavy.com

Saatkrähen in der Stadt (Foto: SR)

Dreckig und laut: Kolonien von Saatkrähen mitten in der Stadt

In Landau sind Bewohner genervt von Saatkrähen, die an mehreren Stellen in der Stadt nisten. Als störend werden vor allem der Kot und der Lärm empfunden. Die Saatkrähen aber sind streng geschützt und dürfen nicht einfach vertrieben oder getötet werden. Eine kurzfristige Lösung wäre die Umsiedlung der Kolonien. Die eigentliche Ursache des Problems: der ursprüngliche Lebensraum der Saatkrähen auf dem Land ist weitgehend zerstört und so flüchten die Vögel in die Städte.

Die Krähen sind los. Als lärmende Trupps stören sie in Landau die Stadtbewohner. Besonders betroffen ist das Otto-Hahn Gymnasium. Hier nervt nicht nur ihr Gekrächze. „Wenn ich mit meinem Essen übern Schulhof laufe, dann muss ich den Deckel draufmachen, weil ich Angst habe, dass mir diese Viecher reinkacken“, sagt Schülerin Sarah-Michelle Dobler. „Das ist echt ekelhaft, und in meiner Klasse wurden, glaube ich, schon drei Leute angekackt“. Schulleiter Andreas Doll stellt fest, dass sich das Problem sogar verschärft habe: „Wir hatten vor drei, vier Jahren vielleicht 30 Nester, jetzt sind wir bei 70 Nestern. Und es muss was passieren, weil so kann es nicht weitergehen.“

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Dreckig und laut: Kolonien von Saatkrähen mitten in der Stadt

Zerstörter Lebensraum - Flucht in die Stadt

Saatkrähen bilden im Winter große Schwärme für die Nahrungssuche. Dabei auch Tiere aus Osteuropa, die bei uns überwintern. Jetzt, im Frühjahr, brüten sie in Kolonien. Saatkrähen sind eigentlich nicht sehr häufig, aber sie fallen auf. Krähen in der Stadt. Warum ziehen sie nicht einfach in den Wald? Das geht nicht. Denn das ist nicht ihr Ding, sie brauchen freie Sicht und eine offene Landschaft. Die Felder, ihr ursprünglicher Lebensraum, sind aber steril und aufgeräumt. Hier finden sie zwar noch Nahrung, nisten aber kann hier keine Krähe. Für Olaf Strub vom Nabu ist vor allem die Flurbereinigung schuld daran, dass die Saatkrähe zum Stadtvogel wird: „Ja, die brauchen Büsche, Bäume, Gehölze um zu brüten. Und das finden sie in so einer ausgeräumten Landschaft nicht. Und dann drängt es sich dann eben, wo es sowas noch gibt, und das ist dann halt im Siedlungsbereich.“

Das Stadtleben: Futter, Bäume, wenig Feinde. Im Winter etwas wärmer als das Umland. Ein Ersatz-Paradies für Saatkrähen. 

Saatkrähen sind streng geschützt

Der Lärm ist nur ein Problem, das am Landauer Otto-Hahn Gymnasium stört. Dazu kommt der Dreck: Chaotisch sind sie, die Saatkrähen, lassen Kot und Nistmaterial achtlos auf den Boden fallen. Teile des Schulhofs sind unbenutzbar. Hier wäre man die Tiere gern los. Die Saatkrähen sind aber streng geschützt, dürfen nicht einfach vertrieben oder gar getötet werden. Einfache Lösungen gebe es nicht, so Olaf Strub: „Das Problem ist tatsächlich, wenn man so eine Kolonie vergrämt, also auflöst, weil es da zu Konflikten kommt: Die braucht ja irgendeinen Platz, und wenn die sich auflöst, dann wird sie nicht komplett umziehen, sondern es bilden sich dann an drei, vier anderen Stellen – je nachdem, wie groß die Kolonie war – wieder kleinere Kolonien, das heißt, man verlagert den Ärger nur, aber man beseitigt ihn nicht.“

Umsiedlung als Lösung?

In Landau gibt es bereits mehrere Kolonien. Einige Anwohner sind genervt. Und haben sich bei der Stadt beschwert. Jetzt ist ein runder Tisch geplant, um Lösungen zu finden. Zum Beispiel: Eine Umsiedelungsaktion. Rudi Klemm, Umweltdezernent der Stadt Landau, meint: „Man kann Nester auch aus den Bäumen rausnehmen, mit Genehmigung, und kann sie an andere Standorte, an Wunschstandorte, die wir gerne hätten, umsiedeln, aber auch da ist er zweifelhaft, der Erfolg.“ Wunschstandorte? An der A 61 bei Worms haben die Krähen selbst den Kompromiss gefunden. Um eine Raststätte herum befindet sich eine der größten Kolonien im Land. Hier stören die Krähen nicht.

Umweltschützer plädieren für Landschaftsveränderungen

Die nachhaltigste Lösung wäre für Umweltschützer allerdings eine Veränderung der offenen Landschaft, zurück zu mehr Ursprünglichkeit. „Mit mehr Strukturelementen: Mit Hecken, mit Feldgehölzen, mit Bäumen, mit Randstrukturen an den Äckern – eben einfach wesentlich strukturreicher“, meint Olaf Strub vom NABU Rheinland-Pfalz. An dem Landauer Gymnasium sollen Greifvögel-Rufe vom Band die Krähen stören. Nur ein Provisorium. Für ein paar saatkrähenfreie Momente auf dem Schulhof.

Salz nach traditioneller Art aus Lothringen (Foto: SR)

Weiß und wertvoll: Salz nach traditioneller Art aus Lothringen

In Lothringen wird seit mehreren tausend Jahren Salz gewonnen. Schon früh entwickelten die Menschen im sogenannten Salzgau (Saulnois) eine Methode, um das Salz als Sole aus dem Boden zu fördern und wieder in Kristalle zu verwandeln. Dadurch erlangte die Region wirtschaftliche Bedeutung. Denn das „weiße Gold“ war nicht nur zum Haltbarmachen von Lebensmitteln wichtig, sondern auch ein kostbarer Tauschwert. In Einville-au-Jard gibt es eine Saline, die noch heute nach den Prinzipien dieser alten Methode Salz herstellt. Darunter auch besonders von Gourmets geschätzte Salzflocken – die „Pétales du sel“.

Der Stolz der Saline erinnert an ein Thermalbad. Denn in diesem Becken befindet sich heiße Sole. Das salzige Wasser kommt direkt aus der Erde, wo in hundert Metern Tiefe große Mengen Steinsalz lagern. Geschäftsführer Grégory Bott erklärt, wie die Sole so lange erhitzt wird, bis fast nur noch Salzkristalle übrig bleiben.

„In diesem Becken, wir nennen es Pfanne, produzieren wir grobes Salz nach traditioneller Methode. Wenn das Salz vollständig kristallisiert ist, können wir aus diesem Becken zwischen zwölf und 14 Tonnen ernten. Bis es so weit ist, vergehen zwei bis vier Wochen. Das ist abhängig vom Wetter und von der Menge der Sole.“

Während es beim groben Salz Wochen braucht, bis man „ernten“ kann, sind die Kristalle im Becken nebenan schon nach ein paar Stunden „reif“. Hier geht es um die sogenannten „Pétales de sel“, die ersten zarten Kristalle, die sich an der Oberfläche bilden. Um den richtigen Moment nicht zu verpassen, bleibt der Salzmeister immer dabei und reguliert die Temperatur.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Weiß und wertvoll: Salz nach traditioneller Art aus Lothringen

Die lothringische Salzindustrie entstand schon vor hunderten von Jahren

Die Salzvorkommen in Lothringen wurden schon 500 Jahre vor Christus genutzt. Auf ganz ähnliche Weise wie heute - nur mit Hilfe von Holzfeuer und Tongefäßen. Véronique Bouras vom Musée départemental du sel in Marsal berichtet, wie alles anfing:

„Die Menschen hatten das Glück, hier salzige Quellen zu finden. Daraus Salzwasser konnte man Salz gewinnen, dafür musste man aber das Wasser verdunsten lassen. Also haben die Menschen damals Methoden entwickelt, um genau das zu tun.“

Vier Millionen Kubikmeter Schutt zeugen noch heute von dieser Produktionsweise. Viele Dörfer im Salzland stehen auf Hügeln aus Tonscherben. Bei Ausgrabungen fand man auch kostbaren Schmuck. Ein Zeichen für den Reichtum, den der Handel mit dem Salz einbrachte. Später entstanden Kirchen und Schlösser, weiß Véronique Bouras.

„Es gibt unzählige Gebäude, die dank der Salzgewinnung entstanden sind. Und viele Orte haben ihren Namen dem Salz zu verdanken. Da ist erst einmal die Region, das Saulnois, also das „Land des Salzes“. Und Städte wie Château-Salins, Salonnes und Salival.“

Zerbrechliche Kristalle in Pyramidenform

In Einville ist der Moment der Ernte gekommen. Ganz vorsichtig zieht der Salzmeister die Kristalle mit einer Kelle an den Beckenrand. Dort sollen sie abtropfen. Auf zu großen Haufen würden sie zerdrückt. Dann bliebe nur eine Art Schneematsch übrig, erklärt Grégory Bott.

„Die ersten Salzkristalle, die entstehen, schwimmen an der Wasseroberfläche. Nach und nach setzen sich dann andere Kristalle daran fest und formen solch eine Pyramide. Im Wasser schwimmen sie mit der Spitze nach unten. Deshalb nennen wir sie Trichter. “

Nach dem Umschichten auf luftdurchlässige Rahmen heißt es wieder warten. Manchmal dauert es sogar Monate bis die Flocken richtig trocken sind.

Edles Salz führte zum einzigen Streik in der Geschichte der Saline

Die Pétales waren schon immer etwas Besonderes und früher der Chefetage der Saline vorbehalten. Das führte 1954 auch zum einzigen Streik in Einville. Die Arbeiter forderten nicht mehr Lohn, sondern einen Anteil „Pétales de sel“ für den Eigenbedarf.

Seit 1871 gibt es die Saline. In den 1940er Jahren produzierten 130 Mitarbeiter dort 7000 Tonnen pro Jahr. Wegen des hohen Energiebedarfs musste die Salzgewinnung jedoch in den 70ern eingestellt werden. Ein weiterer Rückschlag kam mit den elektrischen Haushaltsgeräten, erklärt Grégory Bott:

„Mit dem Einzug der Kühlschränke in die Haushalte brauchte man nicht mehr so viel Salz um Lebensmittel haltbar zu machen. Die Nachfrage sank, der Salzpreis fiel ins Bodenlose. Heute ist Salz ein Grundnahrungsmittel, das man für wenig Geld kaufen kann.“

Effizienz und erweiterte Produktpalette haben die Saline gerettet

Dank eines energiesparenden Verfahrens und neuen Produkten konnte man in den 90er Jahren die Salzgewinnung wieder aufnehmen. Um auch wieder Pétales de sel anbieten zu können, mussten die Salzmeister erst alte Bücher studieren. Seit dem Jahr 2000 gibt es das Gourmet-Salz aus Lothringen wieder. Geschäftsführer Grégory Bott beschreibt ihren Geschmack so:

„Das Besondere an den Pétales de sel ist, dass diese feinen Salzflocken sehr schnell schmelzen. Im Gegensatz zum Fleur de Sel von der Küste sind sie im Mund nicht cross, sondern zergehen direkt auf der Zunge.“

Und genauso genießt man die sogenannten Blütenblätter des Salzes am besten. Sie sind das „weiße Gold“ von heute und stehen für das über Jahrhunderte gewachsene Savoir-Faire rund um das Salz aus Lothringen.

Adresse:

Saline d’Einville
Route de Maixe
54370 Einville Au Jard
Telefon: +33 (0) 3.83.72.90.03
Fax: +33 (0) 3.83.72.91.19
E-Mail: saline@saline-einville.com
Internet: www.saline-einville.com

WimS - KURZ & GUT (Foto: SR)

Kurz und gut

Tipps und Trends aus der Großregion

Neue Shopping-Mall in Lothringen

In Farébersviller, kurz hinter Forbach, hat vergangenen Mittwoch das Einkaufszentrum B’Est eröffnet – ein Wortspiel mit Französisch „Est“ für Osten. Mit 55.000 Quadratmetern Fläche ist die Shopping-Mall mehr als doppelt so groß wie die Europagalerie in Saarbrücken. B’Est umfasst über 70 Geschäfte, einen Supermarkt, außerdem eine Indoor- und Outdoor-Freizeitanlage mit Bowling-Bahnen, Kletterwänden und einem Abenteuerspielplatz. Dadurch möchte das Einkaufszentrum auch für Familien attraktiv sein. Insgesamt 750 Arbeitsplätze sind entstanden. Der saarländische Einzelhandel rechnet vorerst nicht mit Einbußen.

Weitere Informationen: www.centre-best.com

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Kurz & Gut

Test israelischer Straßenbarrieren

In Hagondange – nördlich von Metz - werden neue Straßenbarrieren getestet. Seit bei Straßenfesten – wie in Nizza und Berlin - Lastwagen in Menschenmengen gesteuert wurden, werden auch in kleineren Städten Betonklötze als Schutz aufgestellt. Tests legen allerdings nahe, dass diese nur bedingt taugen. Hagondange hat nun Barrieren gekauft, die in Israel hergestellt und erfolgreich getestet wurden. Die Vorteile: die Elemente sind leichter und können schnell zusammengebaut werden. Das senkt auch die Kosten für die Schutzmaßnahmen.

Chanson-Abend in Echternach

Die deutsche Chanson-Sängerin Ute Lemper tritt am Samstag im luxemburgischen Echternach auf. Im Trifolion präsentiert sie ihr Programm „Last Tango in Berlin“. Es ist eine Art „Best of“ ihres Repertoires und umfasst zum Beispiel Stücke von Brecht und Weill, von Brel, Piaf und Ferré. Ute Lemper wird auch eigene Lieder singen und aus ihrem Leben plaudern. Die Tickets kosten zwischen 25 und 55 Euro.

Weitere Informationen: www.trifolion.lu

Festival „Perspectives“

Ebenfalls am Samstag startet der Vorverkauf für die 41. Ausgabe von Perspectives. Das deutsch-französische Festival geht vom 17. bis zum 26. Mai. In Saarbrücken, Saarlouis, Forbach und Saargemünd werden insgesamt elf Produktionen aus den Bereichen Zirkus, Tanz, Musik und Theater aufgeführt. Unter anderem „Speakeasy“: beeindruckende Akrobatik von sechs französischen Zirkuskünstlern. Und „Vies de papier“ von zwei Belgiern, die auf einem Trödelmarkt ein Fotoalbum gefunden haben und die Identität der Besitzerin erforschen. Karten für Perspectives kosten pro Aufführung 22 Euro.

Weitere Informationen: www.festival-perspectives.de

Schiffshebewerk (Foto: SR)

Imposant und praktisch: Eine „Tour de Kultur“ zum Schiffshebewerk in Arzviller

Ein riesiger Fahrstuhl für Schiffe – und einzigartig in Frankreich. Durch das Schiffshebewerk  spart man auf dem Rhein-Marne-Kanal von Straßburg nach Paris 17 Schleusen und damit einen ganzen Tag Fahrzeit. Unsere Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker ist in den Schrägaufzug gestiegen und hat sich genau erklären lassen, wie dieses „Wunderwerk der Technik“ funktioniert.

Jetzt im April hat das Schiffshebewerk seine Winterpause beendet - die Ausflugsschiffe tuckern wieder auf dem Kanal. Und unsere Tour de Kultur-Reporterin Julia Leiendecker darf sogar ans Steuerrad. „Immer den Kurs halten“, gibt Kapitän und Fremdenführer Michel Carabin zu bedenken. Dann nickt er zufrieden und meint zur Reporterin: „So, aber ich kann Urlaub nehmen…“ Seine Kapitäns-Schülerin grinst und erklärt: „Michel ist in der Sommersaison fast täglich auf dem Rhein-Marne Kanal mit seinem Schiff unterwegs und bringt Touristen zum Schiffshebewerk. Und ich muss sagen, wenn man so wie wir aus dem „Valée de la Zorn“ kommt und sich annähert, das ist wirklich total imposant, denn das geht jetzt gleich 45 Meter in die Höhe.“

Mit dem Aufzug in die Höhe

Die Einfahrt ins Schiffshebewerk erfordert exaktes Manövrieren. Wenn die Ampel grünes Licht zeigt und die Tore oben sind, darf Michel in den mit Wasser gefüllten Trog einfahren. Julia Leiendecker beobachtet interessiert Michels Lenkbewegungen:

„Ist das jetzt eigentlich schwieriger, als wenn man in eine normale Schleuse einfährt, muss man auf etwas Besonders achten jetzt hier mit dem Kahn?“ Der Kapitän schüttelt den Kopf: „Also schwieriger nicht, die ganzen Schleusen auf dem Kanal haben exakt die gleichen Maße. 5,50 m breit und 41,50 m lang. Das Boot ist also so breit wie ein Frachtschiff, also passt ganz knapp rein.“ Kanaltor und Dichtungsrahmen vom Trog schließen sich - die Bergfahrt kann beginnen.

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 16.04.2018, Länge: Min.]
Imposant und praktisch: Eine „Tour de Kultur“ zum Schiffshebewerk in Arzviller

Energiesparend und effizient

Das Ganze basiert auf dem Prinzip Gewicht und Gegengewicht und braucht fast keine Energie. „Michel, wenn man das jetzt so zum ersten Mal sieht – ich find das total beeindruckend, aber Du siehst das ja eigentlich jeden Tag, ist das für Dich noch was Besonderes oder ist das so ganz normal wie Schleuse durchfahren?“,fragt Julia Leiendecker. „Nein, also diesen Beruf kann man nicht machen, wenn man in eine Routine fällt“, findet Michel Carabin. „Man spricht mit Leuten, man sieht etwas, was ganz speziell ist. Dieses Werk ist heute noch sehr eindrucksvoll, dann kann ich nicht herkommen und wie ein Automat. Das ist ganz eindrucksvoll, für mich auch noch, jeden Tag.“ Der mit Wasser gefüllte Trog wiegt etwa 900 Tonnen. Bergauf lässt man etwas Wasser ab, damit er leichter ist als die Gegengewichte. Bergab muss er etwas schwerer sein.

Der Aufzug spart 17 Schleusen

Oben angekommen, öffnen sich abermals Kanaltor und Dichtungsrahmen und das nach einer Bergfahrt, die gerade mal 4 Minuten gedauert hat. Zuvor ließ sich der enorme Höhenunterschied vom Zorntal zum höchstgelegenen Teil des Kanals in den Vogesen nur mit Hilfe einer Schleusentreppe bewältigen. 17 Schleusen musste man dafür passieren – das dauerte einen ganzen Tag. Mit dem Bau des Schiffshebewerks konnte man die Fahrtzeit immens verkürzen und zudem Personal einsparen. „Warum war denn das Schiffshebewerk damals, 1969, so was Besonderes“, möchte unsere Reporterin wissen. „Gab’s so was vorher noch nicht?“ „Also das Werk war einmalig und ist immer noch einmalig“, erklärt ihr Fremdenführer Michel. „Und gerade hier hinter uns sind die Motoren, die das Werk funktionieren machen. Das sind zwei Gleichstrommotoren, die also jeder eine Stärke hat von 125 PS, das sind also ganz kleine Motoren. Die geben die Impuls, dass wir natürlich zusammen langsam losfahren und dann die Bremsen, die regulieren die Geschwindigkeit – mehr nicht.“

Wiedereröffnung 2015

Ursprünglich war sogar ein zweiter Trog vorgesehen, um bis zu 40 Frachtkähne am Tag befördern zu können. Doch schon bald verlagerte sich der Transport von Gütern zunehmend auf Straßen und Schienen, so dass eine Vergrößerung der Anlage nicht mehr rentabel war. Heute sind auf dem Rhein-Marne-Kanal hauptsächlich Freizeitschiffer unterwegs. Für sie ist das Schiffshebewerk vor allem eine willkommene Abwechslung auf der Strecke. „Und hat das immer einwandfrei so funktioniert oder gab’s auch mal Pannen?“, ist Reporterin Julia interessiert. Michel stellt deutlich fest: „Es ist eine Maschine, eine Maschine kann niemals so 50 Jahre funktionieren, also wir hatten eine Panne vor 4 Jahren jetzt.“

Damals setzte der Trog zur Talfahrt an, als die Schleusentore noch offen waren. Das Ausflugsschiff Paris verkeilte sich und gut 70 000 Kubikmeter Wasser strömten ungebremst ins Tal. Fast 2 Jahre lang blieb das Schiffshebewerk geschlossen. Man tauschte zahlreiche Teile aus und erneuerte den Antrieb. Seit 2015 läuft der Betrieb wieder rund.

Rundwanderweg durchs Tal der Schleuser

Den Weg von oben zurück zum Ausgangspunkt legt Julia Leiendecker zu Fuß zurück: „Zum Abschluss haben wir noch einen echten Geheimtipp für sie. Die 17 Schleusen, die durch das Schiffshebewerk ersetzt wurden, die sind zwar inzwischen stillgelegt, aber es gibt einen wunderschönen Wanderweg, der führt direkt durch das „Vallée des éclusiers“ – durch das Tal der Schleusenwärter und da geht es immer am Kanal entlang zu den ehemaligen Schleusenhäuschen, die inzwischen Cafés sind oder Gites und das alles durch eine wunderschöne Landschaft.“ Wer mit dem Schiff hochgefahren ist, kann auf diesem Weg zum Ausgangspunkt zurücklaufen – ganz bequem immer bergab.

Adresse:

Société Touristique de la Vallée de la Zorn et du Teigelbach
Route du Plan Incliné
57820 Saint-Louis-Arzviller
Telefon: +33.3.87.25.30.69
Fax: +33.3.87.25.41.82
Internet: www.plan-incline.com/de

Ab ersten April täglich geöffnet von 10-17 Uhr.