veganer Käse (Foto: SR Fernsehen)

Von der Cashewnuss zum „Camembert“: Eine vegane Alternative zu Käse aus Sarralbe

Anne Guth und Yannick Fosse haben sich im vergangenen Herbst mit einer kleinen Manufaktur selbstständig gemacht. Das Besondere: ihre vier Sorten der „Petits Veganne“ bestehen nicht aus Milch, sondern aus Cashewkernen. Damit ist es das erste Unternehmen in der Region, das eine solche vegane Alternative herstellt. Die kommt nicht nur bei Menschen mit Unverträglichkeiten gut an, sondern auch bei Restaurantchefs und einem kleinen Laden in Saarbrücken.

Was in den Kühlschränken von Anne Guth heranreift, sieht aus wie ganz normaler Käse. Aber er besteht nicht aus Milch, sondern fast nur aus Cashewkernen und Wasser. Die geschälten Nüsse werden eingeweicht und gemixt und durchlaufen dann ganz ähnliche Etappen wie herkömmlicher Käse. Über ein Jahr lang hat Anne Guth verschiedene Rezepte ausprobiert und verfeinert. Jetzt hat sie den Dreh raus, wie aus den Nüssen zum Beispiel ein Blauschimmel wird: „Die Bakterienkulturen, die wir nutzen, um dem Käse den typischen Geschmack, Geruch und das Aussehen zu geben, sind schon in der Cashew-Masse drin. Hier wird sie in die Form gebracht. In ein paar Tagen ist die Masse fester. Dann wird der Käse von allen Seiten gesalzen. Während der folgenden Wochen reift er. Dabei verändert sich auch seine Farbe.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos, 09.04.2018, Länge: 5:14 Min.]
Von der Cashewnuss zum „Camembert“: Eine vegane Alternative zu Käse aus Sarralbe

Aus Überzeugung ohne tierische Produkte

Anne Guth ernährt sich selbst aus Überzeugung vegan. Was ihr oft fehlte, war eine Alternative zu Käse. Auch wenn man Käseersatz im Internet bestellen kann, wollte sie ihn lieber selbst machen. Heute führt sie eine eigene kleine Manufaktur: „Ich mache das hier wirklich aus Leidenschaft. Am Anfang war es nur für mich, für den Eigenbedarf. Doch als mir klar wurde, was man mit den Nüssen alles machen kann, wollte ich, dass alle Veganer und Vegetarier das kennenlernen. Also sagten wir uns, warum nicht gleich mehr produzieren? Und so haben wir unser kleines Unternehmen gegründet. Es ist zwar viel Arbeit von früh bis spät, sieben Tage die Woche, aber es ist auch ein tolles Abenteuer.“

Große Nachfrage bei Kunden

Seit Oktober betreibt Anne Guth zusammen mit ihrem Mann die kleine Manufaktur in dem Raum, der eigentlich ihre Garage werden sollte. Mittlerweile haben sie sechs Mitarbeiterinnen. Denn ihr veganer Käse fand sofort Liebhaber. Wegen der großen Nachfrage haben sie ihre Produktion von anfangs 1200 Stück pro Monat bereits verdreifacht. Ehemann Yannick Fosse war schon vorher im Handel tätig. Er kümmert sich vor allem um die Belieferung der Kunden. Etwa 30 sind es zurzeit. Weitere 100 stehen auf der Warteliste. Darunter auch viele Küchenchefs, erzählt Yannick stolz: „Wir arbeiten mit Restaurants zusammen, die den veganen Käse zum Beispiel auf dem Salat servieren. Sie nehmen unsere verschiedenen Sorten auch, um vegane Pizza zu kreieren. Den Blauschimmel verwenden sie für eine Roquefort-Sauce zu Pasta oder servieren ihn einfach zu Brot. Genau wie bei echtem Käse gibt es verschiedenste Möglichkeiten.“

Verkauf auch in Saarbrücken

Nicht nur Restaurants bestellen den Petits Veganne. Unter den Kunden sind auch Feinkostläden und Online-Händler in Frankreich, Deutschland und sogar Italien. Heute steht eine Lieferung nach Saarbrücken an die „Tante Emmas Veganeria“. Das übernimmt Yannick gern persönlich. Über Freunde, die in Frankreich leben, ist der Saarbrücker Ladenbesitzer Sven Zimmer auf Anne und Yannick aufmerksam geworden. Er ist selbst Veganer und freut sich über die Neuentdeckung aus der Region: „Ich lege eigentlich Wert auf den persönlichen Kontakt, auf kleine Manufakturen. Das Regionale kann ich hier im Laden einfach nicht sehr groß halten. Das geht nicht. Dafür haben wir hier zu wenig Hersteller. Ich hab schon Ware aus England, aus Griechenland, aus Italien. Aber Yannick, und darauf bin ich auch echt stolz, ist halt wirklich der Regionalste.“

Überzeugte Kunden zahlen gerne mehr

Die vegane Käse-Alternative hat ihren Preis. Sie ist handgemacht und besteht aus Bio-Cashews. Sven Zimmer nimmt zwischen zehn und zwölf Euro pro Stück: „Wir haben halt Käse, der ziemlich hochpreisig ist. Das ist einfach mal so. Ein gutes Produkt darf Geld kosten. Und die Leute müssen es probieren. Dazu bin ich immer bereit. Wir öffnen die Käse. Wir lassen die Leute probieren. Und spätestens nach der ersten Kostprobe sind die Leute so angefixt, dass sie nicht nur einen kaufen, sondern meistens zwei oder drei mitnehmen.“ Die neue Lieferung von Yannick ist quasi schon verkauft. Denn die Kunden von Sven Zimmer lassen mittlerweile vorbestellen. Kostproben gibt’s aber immer. Zwar dürfen die Produkte von Anne und Yannick nach EU-Gesetz nicht offiziell Käse genannt werden, aber ein Kunde stellt beim Probieren fest: „Schmeckt wie Original-Camembert. Wahnsinn!“ In Saarbrücken und andernorts treffen die „Petits Veganne“ aus Sarralbe trotzdem den Nerv der Zeit.

Adresse:

Petits Veganne
22 Rue père Arthur Bohn
57430 Sarralbe
Telefon: 0033 (0)6 47 41 00 52
E-Mail: contact@petits-veganne.fr
Internet: www.petits-veganne.fr

Tante Emmas Veganeria
Rotenbergstrasse 28
66111 Saarbrücken
Telefon: 0681/93585434
Internet: www.veganeria-sb.de

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