Geburtshaus von Cusanus (Foto: SR)

Tour de Kultur: Auf den Spuren von Cusanus in Bernkastel-Kues

Die Mosel ist auf deutscher Seite vor allem dafür bekannt, dass es dort gute Weinlagen gibt. Für Wein hatte auch Nikolaus von Kues oder Cusanus einiges übrig. In seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues wandeln wir auf den Spuren des Gelehrten aus dem Mittelalter.

Tour de Kultur-Reporterin Anna Becker sitzt mit Blick auf den Fluss auf der Bank vor einem Haus an der Durchgangsstraße von Bernkastel-Kues:

„In diesem Haus direkt an der Mosel, da ist er geboren: Der berühmteste Sohn der Stadt, Nikolaus von Kues oder Cusanus, wie wir ihn heute nennen. Er hat seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues eine Menge hinterlassen. Und was genau, das schauen wir jetzt.“

Video [Wir im Saarland - Grenzenlos extra, 26.03.2018, Länge: 4:39 Min.]
Auf den Spuren von Cusanus in Bernkastel-Kues

Der ursprüngliche Familienname von Nikolaus von Cues war „Cryfftz“, moselfränkisch für Krebs. Daran erinnert sein Wappen. Es ziert bis heute den Eingang des Cusanus-Stifts. Ein Altenheim, das Nikolaus von Kues 1457 gegründet hat.

Architektur nach philosophischen Prinzipien

Marco Brösch gibt seit vielen Jahren Führungen durch das Stift. Bis heute werden im Sankt-Nikolaus-Hospital rund 60 alte Menschen versorgt. Als Cusanus das Stift gründete, war er bereits Kardinal. Seine Lehren spiegeln sich auch in der Architektur wider, erklärt Marco Brösch:

„Eine Besonderheit ist, dass jeder Kreuzgangs-Flügel unterschiedlich gestaltet ist. Also von der Deckenstruktur her, von der Ornamentik her ist jeder einzelne Gang ganz unterschiedlich geformt worden.“

„War das Absicht?“, will Reporterin Anna Becker wissen. Marco Brösch nickt:

„Ich glaube schon, denn es geht ein bisschen auf die Idee von der Einheit in der Vielheit zurück, die sich auch hier in der Architektur widerspiegelt. Also in verschiedenen Formen in den Fenstern, in der Anzahl der Fenster, in den Formen der Fenster und auch in den verschiedenen Maßwerken, die wir hier haben.“

Wertvolle Privatbibliothek

Schon als knapp 15-Jähriger ging Nikolaus von Kues zum Studieren nach Heidelberg, ein Jahr später weiter nach Padua in Italien. Dort studierte er kanonisches Recht, also Kirchenrecht. Er liebte Bücher und sammelte sie. In seinem Testament vermachte er seine Privatbibliothek dem Sankt-Nikolaus-Hospital: rund 300 Handschriften vom 9. bis zum 15. Jahrhundert. Die meisten sind in lateinischer Sprache verfasst. Das war damals die Sprache der Gelehrten. In manchen finden sich an der Seite Kommentare und Anmerkungen von Cusanus zum Text. Auch mehrere Bücher aus der Feder von Cusanus selbst stehen in den Regalen. Marco Brösch nimmt eines heraus und legt es vorsichtig auf einen Tisch. Es stammt aus dem Jahr 1423. Es enthält Predigten von Cusanus und Mitschriften, die er von seinen Vorlesungen in Padua gemacht hat, erklärt Marco Brösch:

„Das ist ein Autograph. Das heißt, er hat persönlich diese Handschriften angefertigt. Was für einen mittelalterlichen Denker eigentlich so gut wie selten ist, dass wir wirklich die original Handschrift von ihm dort noch erhalten haben.“

„Und was ist an dieser Seite so besonders?“,fragt die Reporterin. Marco Brösch deutet mit dem Finger auf eine kleine Skizze neben der Schrift am Seitenrand:

„Das ist eben diese Zeichnung dieses Mädchens, was Sie dort sehen.“

Reporterin: „Weiß man denn, wer das ist?“

Marco Brösch: „Leider nicht. Also es stammt aus den Padua-Mitschriften seines Studiums des Kirchenrechtes. Aber wir wissen eben nicht genau, wen er damit porträtiert hat. Vielleicht ein Schwarm, irgendjemand, den er näher kannte. Aber es ist völlig offen.“

Universalgelehrter mit vielen Interessen

Den Wissenschaftler Cusanus faszinierten neben Kirchenrecht und Theologie auch Philosophie, Mathematik und Astronomie. Von der Bibliothek aus kann man durch ein kleines Fenster in die Kapelle des Stifts schauen. Unsere Reporterin wirft einen Blick hindurch:

„Cusanus hat aber nicht nur astronomische Messinstrumente hinterlassen und natürlich eine Menge Bücher, sondern auch einen Teil von sich selbst. Und der, liegt da unten in der Kapelle.“

Cusanus starb in Italien und auf eigenen Wunsch wurde er in Rom beerdigt. Sein Herz aber brachte man den beschwerlichen Weg über die Alpen in seinen Geburtsort Bernkastel-Kues. Es liegt noch heute unter einer Grabplatte aus Messing.

Toleranz gegenüber dem Islam

In der Kapelle erinnert auch das Altarbild an ihn, in dem er als Stifter deutlich erkennbar ist. Seine großen Ideen leben bis heute weiter, findet Marco Brösch:

„Zum Beispiel eben die Überlegung von der Einheit in der Vielheit, was ein zentraler Satz bei Nikolaus von Kues ist. Und der heute noch im Zusammenleben der Religionen oder Völker von Bedeutung ist. Und das macht ihn eben immer noch sehr aktuell.“

Reporterin: „Cusanus hat sich ja auch mit dem Islam auseinandergesetzt, was können wir denn heute davon noch lernen?“

Marco Brösch: „Ja also er ist ein Vertreter, der sagt, dass man sich nicht auf kriegerischem Weg mit dem Islam auseinandersetzen soll, sondern eher auf friedlichem Wege, in Diskussionen, in Gesprächen und in philosophischen Abhandlungen.“

Abschluss mit Weinprobe

Wer einen Ausflug an die Mosel macht, der kommt natürlich nicht um den Wein herum. Auch zum Cusanus-Stift gehören seit der Gründung acht Hektar Weinberge. In der Vinothek des Stifts kann man rund 140 Weine von Winzern an Saar, Mosel und Ruwer probieren und auch kaufen.

Reporterin Anna Becker: „Welchen Wein hat denn Cusanus besonders gerne getrunken?“

Marco Rösch: „Cusanus mochte sehr die lieblichen, die süßen Weine. Und er hatte einen speziellen Wein, den Malvasia aus Italien, den er sehr getrunken hat.“

Reporterin: „Nichts desto trotz trinken wir heute einen Wein ganz original hier von der Mosel, vom Cusanusstift. In diesem Sinne. Zum Wohl.“


Adressen:

Cusanus-Geburtshaus Bernkastel-Kues
Nikolausufer 49
54470 Bernkastel-Kues
Telefon: 0 65 31 / 28 31
E-Mail: geburtshaus@bernkastel-kues.de
Internet: www.nikolaus-von-kues.de/geburtshaus

Öffnungszeiten:  
dienstags bis samstags: 11 Uhr bis 17 Uhr
sonntags: 11 Uhr bis 14 Uhr


Sankt-Nikolaus-Hospital  / Cusanusstift
Cusanusstr. 2
54470 Bernkastel-Kues
Telefon: 06531-2260
E-Mail: info@cusanus.de
Internet: www.cusanus.de

Besichtigung:

Kapelle
Sonntag – Freitag: 9.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 9.00 – 15.00 Uhr
Eintritt frei

Bibliothek
Besichtigung nur im Rahmen der Führungen
Führungen:
April – Oktober: Dienstag 10.30 Uhr und Freitag 15.00 Uhr
Preis: 7,00 Euro / Person
Gruppenführungen ganzjährig nach Voranmeldung.


Mosel Vinothek
Cusanusstr. 2
54470 Bernkastel Kues
Telefon: +49(0)6531-4141
Fax: +49(0)6531-4155
Internet: www.moselvinothek.de

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