Wir im Saarland - Grenzenlos extra

Wir im Saarland - Grenzenlos extra

Tour de Kultur - Ungewöhnliche Museen in der Großregion

 

"Wir im Saarland - Grenzenlos" stellt Ihnen in einer Extra-Ausgabe handverlesene Ziele aus der Reihe "Tour de Kultur" vor. Mit einem Leoparden um die Wette laufen, die allererste Barbie-Puppe bestaunen oder dem Knattern einer 70 Jahre alten Motorsäge lauschen - das alles ist in Museen der Region möglich.

Sendung: Montag 26.03.2018 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung am 26. März


 (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Nibelungenmuseum in Worms

Kaum eine Region in Deutschland ist so eng verknüpft mit mittelalterlicher Geschichte wie die Rheinebene. Zwischen Xanten und Speyer spielen sich die großen Sagen der Deutschen ab. Diejenige, die quasi zum Nationalepos der Deutschen geworden ist, das Nibelungenlied, stammt aus Worms und die Stadt hat ihr ein eigenes Museum gewidmet. [mehr]


Sonderausstellung 'Effekthascherei' im Technikmuseum Dynamikum in Pirmasens (Foto: SR 1 / Simin Sadeghi)

Tour de Kultur: Das „Dynamikum“ in Pirmasens

Im „Dynamikum“ oder Science Center Pirmasens dreht sich alles ums Thema Bewegung. Genau der richtige Ort, um die Kinder mal richtig schön müde zu kriegen oder einen verregneten Tag ebenso spaß- wie lehrreich zu verbringen, indem man naturwissenschaftliche Phänomene selbst erkundet – dafür muss man sich allerdings manchmal ganz schön anstrengen. [mehr]


Technikmuseum in Speyer (Foto: SR)

Tour de Kultur: das Technikmuseum in Speyer

Im Auto- und Technikmuseum in Speyer befindet sich die größte Raumfahrtausstellung Europas. Man kann ein Raumschiff besteigen, das schon im Weltall unterwegs war und in einem Mondfahrzeug sitzen. Sogar ein Stück Mond ist dort zu bestaunen. [mehr]


Mus-e des Jouets (Spielzeugmuseum) in Colmar (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Spielzeugmuseum in Colmar

Noch einmal Kind sein – das wünscht sich doch jeder Erwachsene irgendwann. In Colmar gibt es einen Ort, an dem man diesem Traum näherkommen kann. Mitten in der Stadt bildet ein alter Kinosaal heute die Kulisse für das Musée du Jouet. In dem Spielzeugmuseum können Besucher ganz in die Welt der Spiele eintauchen. [mehr]


Motorsägenmuseum in Lauterecken (Foto: Fam. Lukas)

Tour de Kultur: Das Motorsägenmuseum in Lauterecken

Der gutsortierte Hausmann hat gern immer das richtige Werkzeug zur Hand. Wer Bäume, Hecken oder Brennholz bearbeiten muss, der hat sicher auch eine Säge im Keller. Mathias Lukas besitzt nicht eine, sondern gleich 500. Viele von ihnen hat der gelernte Werkzeugmacher selbst wieder zum Laufen gebracht und führt sie Besuchern gern vor. [mehr]


Geburtshaus von Cusanus (Foto: SR)

Tour de Kultur: Auf den Spuren von Cusanus in Bernkastel-Kues

Die Mosel ist auf deutscher Seite vor allem dafür bekannt, dass es dort gute Weinlagen gibt. Für Wein hatte auch Nikolaus von Kues oder Cusanus einiges übrig. In seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues wandeln wir auf den Spuren des Gelehrten aus dem Mittelalter. [mehr]

Wims Grenzenlos: Nibelungenmuseum Worms. (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Nibelungenmuseum in Worms

Kaum eine Region in Deutschland ist so eng verknüpft mit mittelalterlicher Geschichte wie die Rheinebene. Zwischen Xanten und Speyer spielen sich die großen Sagen der Deutschen ab. Diejenige, die quasi zum Nationalepos der Deutschen geworden ist, das Nibelungenlied, stammt aus Worms und die Stadt hat ihr ein eigenes Museum gewidmet.

Reporter Michael Schneider ist in Worms unterwegs: „Alte Kaiserstadt und Schauplatz von so vielen blutigen Legenden und Sagen. Die berühmteste davon ist wahrscheinlich das Nibelungenlied. Das ist ja sowas ähnliches wie das Nationalepos der Deutschen. Und diesem Mythos möchte ich heute ein bisschen nachspüren.“

Das Rütelin – Herzstück des Seh-Turms

Dem Nibelungenlied widmet sich seit gut 15 Jahren ein eigenes Museum, untergebracht in der alten Stadtmauer. Die erste Station ist hier der sogenannte Sehturm. Dominiert wird er von einer riesigen Skulptur, die die Kulturgeschichte des Mythos nacherzählt. Von Wagner bis zum Siegfried als Comic-Helden – das Nibelungenlied hat viele Facetten. Und manche Teile der Sage sind in der Populärkultur verschütt gegangen – auch das soll die Skulptur erzählen. „Das ist das Rütelin“, erklärt Dr. Olaf Mückain, der Museumsleiter des Nibelungenmuseums. „Das Rütelin ist eine Art Szepter und gehört zum Nibelungenschatz. Es ist nicht ganz so bekannt, wie beispielsweise der Ring oder die Tarnkappe. Aber gerade darum war es eine Art Signal hier für das Nibelungenmuseum – etwas Besonderes.“

Museum fast ohne Exponate

Der Mythos Nibelungenlied wird hier auch als solcher inszeniert. Greifbare Exponate gibt es kaum zu sehen. Der Museumsleiter erklärt, warum: „Jede gute Ausstellung erzählt eine Geschichte. Hier ist eben der Anteil der Geschichte und des Spannungsmoments in den Vordergrund getreten. Eben dadurch, dass es keine Realien gibt, die man zu den Nibelungen gesichert ausstellen könnte. Aus dieser Not kann man auch die Tugend der Freiheit gewinnen. Und wir hoffen, dass das hier im Nibelungenmuseum gelungen ist.“

Hinsetzen und Lauschen – Der Hör-Turm

Über den alten Wehrgang der Stadtmauer geht es zu Station 2, dem Hör-Turm. Drinnen taucht der Besucher ein in die unzähligen Kapitel der Sage. Reporter Michael Schneider nimmt mit einem Audio-Guide Platz auf einem der herrschaftlichen Holz-Throne: „Viele Ausschnitte des Nibelungenlieds nochmal ganz in Ruhe zum Nachhören. Und weil mein Mittelhochdeutsch ehrlich gesagt ziemlich mies ist, ist es auch ganz gut, dass es das ganze hier in einer hochdeutschen Übersetzung gibt.“

Workshops für Kinder

Wie ist die Sage entstanden? Wer hat sie niedergeschrieben und wie viel Arbeit war das eigentlich? Das will das Museum auch erfahrbar machen. In Workshops begeben sich Schüler auf die Spuren des unbekannten Dichters und üben sich in mittelalterlicher Schreibkunst - klassisch mit Feder und Tusche. Für die Schüler schon eine Herzausforderung:

  • „Wir sind es jetzt komplett anders gewöhnt, wir schreiben mit Füller, können wegkillern. Wir können aber auch mit Kuli schreiben, was ja auch angenehmer ist. Und so ist es schon ein bisschen schwer.“
  • „Manchmal können so Tropfen aufs Blatt kommen. Dann sieht es nicht so schön aus, und deswegen muss man da aufpassen.“

  • „Für mich ist es jetzt eher so ein Malen der Buchstaben. Und für die war es ja mehr wie halt unsere Schreibweise einfach.“
  • „Es ist schwierig. Man versteht vielleicht ein paar Wörter. Aber nicht alles.“

Im Keller – Das Mythenlabor

Sehen, Hören, Ausprobieren – das ist das Konzept, mit dem das Museum den Mythos zum Leben erwecken will. Am Ende des Rundganges geht es hinunter in die Katakomben. Hier, im Mythenlabor, darf der Besucher selbst aktiv werden und der Legende auf den Zahn fühlen. Zusammen mit Museumsvermittlerin Ulrike Standke klickt und wischt sich Michael Schneider durch die Geschichte des Nibelungenlieds. So kann man sich in Aspekte vertiefen, die einen besonders interessieren. „Hier im Mythenlabor können Sie einfach nochmal ein bisschen spielerischer mit dem Thema umgehen“, sagtMuseumsvermittlerin Ulrike Standke. „Es ist sicherlich nochmal ein Raum, wo der Besucher auch ein bisschen zur Ruhe kommt.“

Das Fazit unseres Reporters Michael Schneider: „Für mich geht es zurück in die Oberwelt. Und ich nehme jede Menge neue Erkenntnisse mit über den Mythos Nibelungenlied. Und wenn ich jetzt gleich zurücklaufe durch die Wormser Altstadt, dann sehe ich natürlich an jeder Ecke die originalen Schauplätze aus der Sage. Das heißt, die Stadt erscheint dann wahrscheinlich in einem ganz neuen Licht.“

Adresse:

Nibelungenmuseum Worms

Fischerpförtchen 10
67547 Worms
Telefon: (0 62 41) 8 53 - 41 20
Fax: (0 62 41) 8 53 - 41 29
E-Mail: nibelungenmuseum@worms.de
Internet: www.nibelungenmuseum.de

Sonderausstellung 'Effekthascherei' im Technikmuseum Dynamikum in Pirmasens (Foto: SR 1 / Simin Sadeghi)

Tour de Kultur: Das „Dynamikum“ in Pirmasens

Im „Dynamikum“ oder Science Center Pirmasens, dreht sich alles ums Thema Bewegung. Genau der richtige Ort, um die Kinder mal richtig schön müde zu kriegen oder einen verregneten Tag ebenso spaß- wie lehrreich zu verbringen, in dem man  naturwissenschaftliche Phänomene selbst erkundet – dafür muss man sich allerdings manchmal ganz schön anstrengen, im wahrsten Sinne des Wortes.

Von der Schuh- zur Wissensfabrik - in den letzten Jahren hat das traditionsreiche Gebäude im Stadtzentrum von Pirmasens eine ganz schöne Verwandlung mitgemacht. Wo früher der Reichtum der Stadt begründet lag, strampeln heute große und kleine Besucher um die Wette. Das Luftkissenfahrrad gehört zu den beliebtesten Exponaten im Dynamikum. Reporterin Julia Leiendecker hat ihre beiden Jüngsten mitgenommen und erkundet mit ihnen zusammen das Museum. Beim Luftkissenfahrrad muss man ordentlich in die Pedale treten, denn ganz von alleine lässt sich Reibung nicht überwinden. „Also wenn Sie ihre Kinder mal so richtig schön müde kriegen wollen, dann ist das Dynamikum in Pirmasens genau der richtige Ort dafür“, stellt Julia Leiendecker mit einem Schmunzeln fest. „Hier geht es darum naturwissenschaftliche Phänomene zu erkunden und dafür muss man sich manchmal ganz schön anstrengen.“

„Hier darf man laut sein und rumrennen“

Im ersten Stock geht es vor allem darum, Dinge zu bewegen. Was bedeutet Antritt, wie verhält sich Masse in Bewegung, wie überträgt sich Energie? Fragen über Fragen, denen die Besucher selbst auf die Spur kommen sollen. Bei 160 Exponaten hat man einiges zu tun. Julia Leiendecker trifft den Geschäftsführer des Museums: „Herr Schlicher, was unterscheidet denn jetzt das Dynamikum von anderen Museen?“

„Ja, vor allem, wir sind kein klassisches Museum, bei uns darf man eben alles anfassen und ausprobieren“, antwortet Rolf Schlicher. „Das macht den großen Unterschied – man darf laufen, man darf rennen, man darf auch laut sein und das ist eben das, was sie im klassischen Museum nicht dürfen und das macht den großen Unterschied.“

Manchmal braucht es Geduld

Warum etwas wie funktioniert, kann man auf Tafeln neben den Exponaten nachlesen. Auch wenn es natürlich viel mehr Spaß macht, selbst Hand anzulegen. Zum Beispiel beim Kugel bergauf bewegen. Auch beim 5. Versuch will es der Reporterin nicht glücken. Dennoch probiert sie es weiter. Auch andere Besucher sind angetan: „Ich bin wirklich fasziniert, wie man die Dinge hier begreifen kann, find ich ganz toll gemacht.“ Ein Kind meint: „Also ich mach’s eigentlich so, ich probier‘ die Sachen aus und wenn ich nicht so richtig weiß, wie das geht oder wie das funktioniert, dann lese ich mir’s meistens durch.“

Eine weitere Besonderheit ist das drehende Haus. Eine optische Täuschung, die Kribbeln im Bauch verursacht.

Wettrennen gegen einen Leoparden

Im zweiten Stock geht es vor allem darum sich selbst zu bewegen. Wie machen das Tiere in freier Wildbahn? Hier kann man in ihre Fußstapfen treten, indem man sich die Füße eines Hundes oder eines Pferdes unter die eigenen Füße schnallt. Fahrradfahren mal anders: Im Dynamikum kann man sehen, wie sich die Knochen im Körper bewegen, während man Fahrrad fährt. Und man kann die Wirkung seiner eigenen Körperkraft messen. Zum Beispiel beim Fußballschließen. Auf der Anzeige daneben sieht man, welcher Geschwindigkeit der Ball der Ball fliegt. Oder man erzeugt durch Treten auf einem Fahrrad Energie, die dann eine Glühbirne zum Leuchten bringt oder einen Mixer zum Drehen.

Und die Lieblingsexponate? Zuerst antwortet der Geschäftsführer des Museums, Rolf Schlicher: „Ich hab mehrere Lieblingsexponate, es gehört zum Beispiel das Luftkissenfahrrad dazu, das ist auch ein Exponat, was es nur bei uns in dieser Art weltweit gibt, der Wettlauftunnel ist sehr schön und unser drehendes Haus ist natürlich vom Effekt eine ganz besondere Erfahrung.“

„Also ich find am Coolsten das, wo man gegen die Tiere rennen muss, das ist glaube ich im 2. Stock“, meint ein Junge und macht noch einmal ein Wettrennen gegen die Einblendung eines Leoparden an der Wand neben ihm. Ein etwas älteres Mädchen dagegen hat einen anderen Favoriten: „Also am besten hat mir bis jetzt gefallen das Fahrrad, wo man dann halt selber Sachen mit Antreiben kann.“

Auch draußen Exponate

Damit es im Dynamikum nicht langweilig wird, finden regelmäßig wechselnde Ausstellungen und Workshops statt und man kann im angrenzenden Strecktal auf Entdeckungsreise gehen. Familie Leiendecker hat es vor allem ein Ornithopter angetan, ein riesiger Vogel aus Stahl, dessen Flügel man bewegen kann. Das außergewöhnliche Flugobjekt beruht auf einer Idee von Leonardo da Vinci. Neben weiteren Exponaten gibt es im Park auch eine Disc Golf Anlage mit insgesamt 15 Bahnen. Ähnlich wie beim Golfen muss man einen Parcours mit möglichst wenig Würfen absolvieren und den Frisbee am Ende einputten, allerdings nicht in ein Loch, sondern in einen Fangkorb aus Metall. Mit etwas Übung macht das richtig Spaß, findet Julia Leiendecker. „Das Fazit nach gut 5 Stunden Science Center in Pirmasens – das Dynamikum ist genau der richtige Ort für einen verregneten Sonntag mit der Familie. Wenn sich die Sonne aber trotzdem zeigt, kann ich Ihnen den Abstecher ins Strecktal nur empfehlen – es lohnt sich auf jeden Fall.“

Adresse:

Dynamikum
Im Rheinberger
Fröhnstraße 8
66954 Pirmasens

Telefon: +49 (0) 63 31 / 23943-0
Telefax: +49 (0) 63 31 / 23943-29

E-Mail: info@dynamikum.de

Internet: www.dynamikum.de

TdK Technikmuseum Speyer (Foto: SR Fernsehen)

Tour de Kultur: das Technikmuseum in Speyer

Im Auto- und Technikmuseum in Speyer befindet sich die größte Raumfahrtausstellung Europas. Man kann ein Raumschiff besteigen, das schon im Weltall unterwegs war, und in einem Mondfahrzeug sitzen. Sogar ein Stück Mond ist dort zu bestaunen.

Die meisten kennen das Technik Museum genau so… Jedoch gibt es seit einiger Zeit einen neuen Bereich mit eigener Halle und spektakulären Exponaten – wie diesem Raumgleiter BURAN.

Reporterin: „Also so aus nächster Nähe habe ich ein Space Shuttle wirklich noch nie gesehen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass genau diese Maschine auch schon in der Luft war und ich gleich selber rein darf – total spannend.“

Ihr Begleiter heute ist Gerhard Daum – Ausstellungsleiter und Raumfahrtexperte. Er selbst hat schon 55 Starts von Space Shuttles in den USA erlebt. Den Innenraum des Raumgleiters kann man als Besucher von einer Aussichtsplattform betrachten. Unsere Reporterin will zusammen mit Gerhard Daum aber dort hinein.

Reporterin: „Sieht echt abenteuerlich aus. Das ist schon gleich die erste Hürde hier, überhaupt reinzukommen. Wo sind wir denn jetzt hier gelandet mit den ganzen Kabeln – was ist das denn?“

Gerhard Daum: „Hier sind wir in dem Mitteldeck der sowjetischen Raumfähre BURAN.

Reporterin: „Was ist denn da jetzt der Unterschied zum Space Shuttle so wie wir es kennen?“

Gerhard Daum: „Die Amerikaner haben in der zweiten Hälfte der 70er Jahre die US-Raumfähre entwickelt und sind dann 1981 zum ersten Mal bemannt geflogen. Und Anfang der 80er Jahre hat die Sowjetunion auch eine Raumfähre entwickelt, die sieht genauso aus wie die US-Raumfähre und ist dann im November 1988 das erste Mal unbemannt geflogen.“

Ein hundert Tonnen schweres Segelflugzeug

Die BURAN in Speyer diente zur Erprobung von Gleitflug und Landung nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre – war aber selbst nie im All. 2008 kam der Raumgleiter von Rotterdam rheinaufwärts nach Speyer, nachdem er schon in Sydney und Bahrain zu sehen war.

Reporterin: „Ganz schöne Kraxelei, hier.“

Gerhard Daum: „Im All ist das einfacher, da schwebt man nur rein…“

Reporterin: „Wie hat man denn jetzt das Space Shuttle gestartet und gelandet?“

Gerhard Daum: „Also die Raumfähre, speziell die amerikanische – da haben wir ja 135 Missionen – ist vertikal als Rakete gestartet, aber gelandet als Segelflugzeug, als 100 Tonnen schweres Segelflugzeug. Und der Kommandant hat praktisch im Endanflug ist die Raumfähre gekommen mit 20 Grad Neigungswinkel, dann hat er sie 15 Sekunden vor dem Aufsetzen in dieses so genannte „Brief Flair“ genommen, das ist so ein bisschen horizontal. Dann kam das Fahrwerk raus, 3mal schneller wie bei einem Verkehrsflugzeug, dann hat er die Raumfähre in das „Full Flair“ genommen, wo die Nase dann angehoben war und dann hat er sie aufgesetzt.“

Wissenschaftliche Tests im All führte man an Bord der amerikanischen Space Shuttles in einem speziellen Modul durch – dem europäischen Spacelab. Dessen Weiterentwicklung – das Labor Columbus – kommt heute auf der Internationalen Raumstation – ISS –  zum Einsatz. Das Faszinierende dabei ist: die jeweiligen Nationen docken einfach nur an unterschiedlichen

Knotenpunkten an – die Module, in denen sie dann arbeiten, sind aber alle miteinander verbunden. Zumindest im All funktioniert das Miteinander.

Reise in die Vergangenheit zur ersten Mondlandung

Reporterin: „So spannend die Raumfahrtgeschichten heute auch sind, es lohnt sich auf jeden Fall auch noch mal einen Blick zurück in die Geschichte zu werfen, z.B. zurück zu den Apollo Missionen und den ersten Mondlandungen, denn das sind eigentlich die Ereignisse des 20. Jh.“

Die Apollo 11 Mission und Neil Armstrong als erster Mensch auf dem Mond waren Meilensteine in der Geschichte der Raumfahrt. Darum ist der jüngste Teil der Ausstellung auch dem Themenbereich Mond gewidmet. Mit originalgetreuen Repliken und einem echten Mondstein, der 3,4 Milliarden Jahre alt ist. Um so ein seltenes Stück zu bekommen, müssen strenge Kriterien der NASA erfüllt werden.

Ein echtes Stück Mond in Speyer

Reporterin: „Was war das jetzt für ein Gefühl, als sie wussten, sie bekommen den Stein und den dann auch wirklich in Händen gehalten haben?“

Gerhard Daum: „Also ich bin ja bei Apollo aufgewachsen, als Jugendlicher habe ich die Mondlandungen erlebt und hätte mir damals jemand erzählt, dass ich mit einem originalen Mondstein mal von Houston nach Frankfurt fliege, den hätte ich einfach für verrückt erklärt. Und wie ich am 6. Mai 2013 zum Flughafen nach Houston bin, da ging die Sache schon ganz spannend los, weil der musste durch nen Sicherheitscheck, aber handkontrolliert werden und die Leute waren da ganz fasziniert von dem Mondstein. Das hat die gar nicht interessiert, wer ich bin, sondern die haben sich nur um den Stein gekümmert.“

Wer einen umfassenden Einblick in die Geschichte der Raumfahrt möchte, der ist im Technikmuseum Speyer goldrichtig. Regelmäßig kommen auch Astronauten und Kosmonauten zu Besuch, die dann von ihren Erlebnissen berichten. Und wer vielleicht doch lieber auf dem Boden bleiben möchte, für den gibt es in Speyer auch viele andere schöne Dinge zu entdecken.“

Weitere Informationen:

Internetseite: speyer.technik-museum.de

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 9 bis 18 Uhr
Samstag und Sonntag: 9 bis 19 Uhr

Eintritt: 
Erwachsene: 16 Euro
Kinder bis 14 Jahre: 13 Euro
Kinder bis 4 Jahre: kostenfrei

Mus-e des Jouets (Spielzeugmuseum) in Colmar (Foto: SR)

Tour de Kultur: Das Spielzeugmuseum in Colmar

Einmal noch Kind sein – das wünscht sich doch jeder Erwachsene irgendwann einmal. In Colmar gibt es einen Ort, an dem man diesem Traum näher kommen kann. Mitten in der Stadt bildet ein alter Kinosaal heute die Kulisse für das Musée du Jouet. In dem Spielzeugmuseum können Besucher ganz in die Welt der Spiele eintauchen.

Unser Reporter Michael Schneider ist ins Elsass gefahren:

„Um schnell mal zwischendurch was zu spielen braucht man heute ja eigentlich nicht mehr als ein Handy und eine Internetverbindung. Aber mal ehrlich: So ganz das Wahre ist das ja eigentlich nicht. Denn es gibt so viel schönes, handgemachtes und liebevoll gestaltetes Spielzeug. Und ein bisschen davon wollen wir uns heute mal anschauen.“

Das Musée du Jouet – das Spielzeugmuseum, residiert mitten in Colmar. Schon die Kulisse ist beeindruckend. Ein altes Kinogebäude mit Leinwand und Rängen. Heute darf im Vorführraum nach Herzenslust gespielt werden. Aber im Musée du Jouet gibt es viel mehr zu bestaunen, als nur Bauklötze.

Die allererste Barbie

Auf drei Etagen führt die Ausstellung durch zweihundert Jahre Spielzeuggeschichte. Und zeigt: gespielt wurde schon immer – und überall auf der Welt. Das Museum besitzt viele kostbare alte Einzelstücke, die irgendwann einmal durch Kinderhände zum Leben erweckt wurden. Darunter so einige Raritäten. Zum Beispiel: Die allererste Barbie aus dem Jahre 1959. Ein Lieblingsstück von Ausstellungs-Kuratorin Camille Steinbruck:

„Das war wirklich ein Meilenstein in der Welt der Puppen. Bis dahin haben kleine Mädchen mit Kinderpuppen gespielt, die sie bemuttern konnten. Und nun haben wir hier eine jugendliche, fast erwachsene Puppe mit üppigen Formen. Die für die Frau steht, zu der das Mädchen heranwächst.“

Barbie – das war schon damals das Idealbild für Millionen junger Mädchen.

Zinnsoldaten und Supperhelden

Für die Jungs gab’s stattdessen: Superhelden und harte Abenteurer. Auch beim Spielzeug kommt Gleichberechtigung oft zu kurz. Camille Steinbruck deutet auf eine Vitrine mit Zinnfiguren:

„Kleine Jungen haben immer schon gerne mit Soldatenfiguren gespielt, fühlten sich eher von Kriegern angezogen. Sie sollten selbst zu Soldaten erzogen werden, die ihr Land verteidigen. Vor allem in den Siebziger, Achtziger Jahren gab es dann die Idee, gemischtes Spielzeug herzustellen. Aber das hat sich nicht ganz durchgesetzt, viele finden es wohl immer noch merkwürdig.“

Trotzdem – einiges hat sich schon geändert. Was so alles in ein ordentliches Kinderzimmer gehört – da gibt es schon einen ziemlichen Unterschied zwischen damals und heute.

Gleise und ratternde Züge

Das oberste Stockwerk des Museums ist komplett der Miniatureisenbahn gewidmet. Mit einem großen Schalter setzt Reporter Michael Schneider die Bahnen in Bewegung:

„Spielzeug war natürlich nie nur etwas für Kinder. Und deswegen darf das Erwachsenenspielzeug schlechthin hier natürlich nicht fehlen. Das älteste Ausstellungsstück und quasi das Herzstück dieses Museums.“

Miniaturbahnen in jeder erdenklichen Bauart dürfen hier ihre Runden drehen. Sie schlängeln sich durch typisch elsässische Landschaften. Pressesprecherin Elsa Simon zeigt unserem Reporter die Schmuckstücke, die hier Tag für Tag durch ihre Modellwelt rattern. Hier steckt viel Liebe drin, erklärt Elsa Simon:

„Freunde und Förderer des Museums haben das alles aufgebaut. Und kümmern sich auch um den Betrieb. Natürlich müssen die Bahnen gewartet werden, aber da ist ja auch noch die ganze Modellwelt drumherum. Also, hier arbeiten Sammler und Hobbybastler zusammen.“

Die Bahnen selbst gehören allerdings dem Museum. Für echte Sammlerstücke wäre die tägliche Beanspruchung einfach zu groß.

Spielen mit dem eigenen Abbild

Das Beste kommt zum Schluss. In einem kleinen Nebenraum dreht sich alles um „Figurines“ – Figürchen. Überall Spielzeugmännchen und –weibchen. Hier darf sich jede Figur in jeder Rolle ausprobieren – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. „Figuren als Spielzeug - warum sind die eigentlich so beliebt - und das in allen Epochen?“, fragt unser Reporter Elsa Simon vom Musée du Jouet:

„Ja, Spielzeugfiguren gab es tatsächlich schon in der Antike, im alten Ägypten. Kinder versetzen sich beim Spielen gerne in die Alltagswelt. Sie denken sich Geschichten aus, fantastische Welten. Und man kann die Welten sogar mischen: Cowboys, Indianer - und Astronauten. Es befreit die Fantasie!“

In Erinnerungen schwelgen

In Colmar dürfen leidenschaftliche Sammler mit Hand anlegen. Privatleute bestücken das Museum mit immer neuen, quietschbunten Miniwelten. Der Wert der Figürchen und Steine geht dabei schnell in die Zehntausende. Und so manches hat Wiedererkennungswert. Auch Michael Schneider bleibt lange vor einer Vitrine stehen:

„Das hatte ich als Kind auch und habe damit stundenlang gespielt und immer neue Sachen gebastelt. Das ist das Schöne hier im Spielzeugmuseum in Colmar: Man findet an jeder Ecke Dinge, die Erinnerungen wachrufen. Und man stellt fest, man ist noch gar nicht zu alt zum Spielen.“

Adresse:

Musée du Jouet de Colmar

40 rue Vauban
68000 Colmar
Frankreich
Telefon: 0033 (0)389 41 93 10

E-Mail: info@museejouet.com

Internet: www.museejouet.com

Motorsägenmuseum in Lauterecken (Foto: Fam. Lukas)

Tour de Kultur: Das Motorsägenmuseum in Lauterecken

Der gut sortierte Hausmann hat gern immer das richtige Werkzeug zur Hand. Wer Bäume, Hecken oder Brennholz bearbeiten muss, der hat sicher auch eine Säge im Keller. Mathias Lukas besitzt nicht eine, sondern gleich 500. Viele von ihnen hat der gelernte Werkzeugmacher selbst wieder zum Laufen gebracht und führt sie Besuchern gern vor.

Unsere Reporterin Anna Becker ist zu Besuch bei Mathias Lukas in Lauterecken, der begeistert eine seiner Motorsägen startet. Der Sound des knatternden Motors erinnert ihn noch immer an seine geliebte Harley Davidson. Motorräder und Motorsägen - beide verbindet dieser ganz besondere Sound. „War das auch der Grund, warum Sie angefangen haben, diese Motorsägen zu sammeln?“, möchte Anna Becker von Mathias Lukas wissen.

„Ja, der Sound der Harley ist ja unübertrefflich. Und ich hab ja einige Jahre später, nachdem ich aufgehört habe zu fahren, das war im Jahr 2002, habe ich von einem Freund eine Motorsäge geschenkt bekommen. Eine alte Stilmotorsäge, die dem Ganzen entsprochen hat. Und durch diesen Zufall hab ich dann auch inseriert und bekam weiterhin sehr viele alte, schwere Motorsägen.“

Sie stehen mittlerweile in seinem eigenen Museum. Am Eingang noch immer die Harley – als Erinnerung daran, wie seine Sammelleidenschaft begann.

Die ersten Motorsägen wogen 100 Kilogramm

Das Herzstück seiner Ausstellung ist eine Motorsäge der Firma Sector. Gebaut 1917 oder 1918 und nach Aussage von Mathias Lukas bewiesenermaßen die älteste, noch existierende Heeressäge der Welt:

„Das ist eine Viermannsäge. Ein Mann, der hat hier am Motor gestanden, hat den Motor bedient. Die anderen, die konnten dann hier den Sägebogen halten: Zwei Mann haben gehalten und der dritte Mann hat den Sägebogen dann in den Baum hinein geschoben und hat dann gesägt. Und der Mann hier am Motor, der konnte dann mittels dem Hebel, da konnte der den Gashebel, sag ich mal, betätigen.“

Vier Mann braucht man auch, um die Säge zum nächsten Baum zu tragen, denn sie wiegt etwa 100 Kilogramm.

Bedienung nur mit Motorsägenführerschein

Deshalb führt Mathias Lukas lieber eine etwas leichtere Zwei-Mann-Kettensäge vor - gemeinsam mit seiner Frau Christine. Sie hat ihrem Gatten zuliebe den Motorsägenführerschein gemacht.

Reporterin:„Ihr Mann hat mir erzählt, dass er die Motorsägen am Angang sogar im Schlafzimmer gelagert hat. Wie war das?“

Christine Baldauf-Lukas: „Schlafzimmer, Wohnzimmer, auf dem Balkon, sie waren überall die Sägen. Und er hat auch mitten im Wohnzimmer hat er gesessen und dran rum geschraubt. Ich hatte kaum noch Platz, um in die Küche zu gehen. Und das war nicht so gut.“

Viele Stunden Bastelarbeit

Mathias Lukas wirft eine Bogensäge aus den USA an, 70er Jahre, ein Zylinder, 6 PS. Um solche alten Maschinen wieder zum Laufen zu bringen, bastelt der gelernte Werkzeugmacher oft mehrere Wochen.

Reporterin: „Ist das für Sie auch dieser Reiz oder das was Spaß macht: Das Tüfteln an den Maschinen?“

Mathias Lukas: „Ja, der Reiz daran ist ja, so eine alte Maschine wieder zum Leben zu erwecken. Das reizt mich unwahrscheinlich. Gerade wenn sie sehr runtergekommen ist und dann nochmal so eine richtige, funktionsfähige Maschine daraus herauszuarbeiten.“

Über 500 Motorsägen in der Sammlung

Die Ausstellung von Mathias Lukas ist auf zwei Stockwerke verteilt. Anna Becker macht sich auf Erkundungstour durch den Wald aus Motorsägen:

„Hier drin lässt Herr Lukas natürlich keine Motorsägen laufen. Aber die funktionieren ja fast alle noch und deshalb riecht es hier trotzdem überall nach den Maschinen, nach diesem Öl. Der Raum da, der hat mich schwer beeindruckt. Aber das ist noch lange nicht alles, denn Herr Lukas besitzt über 500 von diesen Motorsägen.“

Er kauft sie im Internet oder auf Urlaubsreisen, tauscht mit anderen Sammlern. Darunter sind Sägen mit Elektroantrieb, mit Benzin- und mit Dieselmotor. Seine neueste Errungenschaft funktioniert mit Hydraulik.

Trotz seiner Begeisterung für die Kettensäge sieht Mathias Lukas auch die negativen Folgen ihrer Erfindung: Die schnellere Abholzung der Wälder. „Tun Sie irgendetwas aktiv dafür, damit wieder Wald nachwächst.“, fragt Anna Becker nach. Mathias Lukas nickt:

„Ja, also ich habe mir zur Aufgabe gestellt, dass ich den Wald so wie ich kann, aufforste. Ich bekomme von meinem Förster Jungbäume, die ich dann im Frühjahr setze, damit auch die nächsten Generationen was vom Wald haben.“

Sammler aus Leidenschaft

Und dann schlägt auch für unsere Reporterin die Stunde der … Säge. Da sie weder Schutzkleidung noch Motorsägenführerschein besitzt, muss sie von Hand ran. Während Anna Becker sich mit einer ganz gewöhnlichen Säge abmüht einige Zentimeter tief mit dem Sägeblatt in den Baumstamm vorzudringen, sägt Mathias Lukas mit Leichtigkeit eine Baumscheibe nach der anderen ab. Nach dreißig Sekunden Säge-Wettbewerb steht der Sieger fest.

Reporterin: „Also hier sieht man ganz genau: Vielleicht vier fünf Zentimeter hab ich geschafft, aber die Motorsäge, die hat mich ganz klar geschlagen. Und zum Abschluss, sägen wir jetzt noch zusammen. Mit was für einer Säge?“

Mathias Lukas: „Das ist eine alte Drumsäge. Das ist eigentlich das Vorgängermodell, der modernen Zwei-Mann-Kettensäge.“

Mit der ist das Von-Hand-Sägen einfacher und zu zweit macht es auch mehr Spaß. Die Begeisterung und Energie, mit der Mathias Lukas seit Jahren sein Museum betreibt, davon möchte man sich gerne eine Scheibe abschneiden.

Adresse:

Motorsägenmuseum

Christine Baldauf-Lukas & Mathias Lukas

Saarbrücker Straße 10
67742 Lauterecken
Telefon: 06382 – 63 55
E-Mail: mcbl@acor.de
Internet: www.motorsaegenmuseum-lauterecken.de

Besichtigungstermine nach Vereinbarung

Geburtshaus von Cusanus (Foto: SR)

Tour de Kultur: Auf den Spuren von Cusanus in Bernkastel-Kues

Die Mosel ist auf deutscher Seite vor allem dafür bekannt, dass es dort gute Weinlagen gibt. Für Wein hatte auch Nikolaus von Kues oder Cusanus einiges übrig. In seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues wandeln wir auf den Spuren des Gelehrten aus dem Mittelalter.

Tour de Kultur-Reporterin Anna Becker sitzt mit Blick auf den Fluss auf der Bank vor einem Haus an der Durchgangsstraße von Bernkastel-Kues:

„In diesem Haus direkt an der Mosel, da ist er geboren: Der berühmteste Sohn der Stadt, Nikolaus von Kues oder Cusanus, wie wir ihn heute nennen. Er hat seiner Heimatstadt Bernkastel-Kues eine Menge hinterlassen. Und was genau, das schauen wir jetzt.“

Der ursprüngliche Familienname von Nikolaus von Cues war „Cryfftz“, moselfränkisch für Krebs. Daran erinnert sein Wappen. Es ziert bis heute den Eingang des Cusanus-Stifts. Ein Altenheim, das Nikolaus von Kues 1457 gegründet hat.

Architektur nach philosophischen Prinzipien

Marco Brösch gibt seit vielen Jahren Führungen durch das Stift. Bis heute werden im Sankt-Nikolaus-Hospital rund 60 alte Menschen versorgt. Als Cusanus das Stift gründete, war er bereits Kardinal. Seine Lehren spiegeln sich auch in der Architektur wider, erklärt Marco Brösch:

„Eine Besonderheit ist, dass jeder Kreuzgangs-Flügel unterschiedlich gestaltet ist. Also von der Deckenstruktur her, von der Ornamentik her ist jeder einzelne Gang ganz unterschiedlich geformt worden.“

„War das Absicht?“, will Reporterin Anna Becker wissen. Marco Brösch nickt:

„Ich glaube schon, denn es geht ein bisschen auf die Idee von der Einheit in der Vielheit zurück, die sich auch hier in der Architektur widerspiegelt. Also in verschiedenen Formen in den Fenstern, in der Anzahl der Fenster, in den Formen der Fenster und auch in den verschiedenen Maßwerken, die wir hier haben.“

Wertvolle Privatbibliothek

Schon als knapp 15-Jähriger ging Nikolaus von Kues zum Studieren nach Heidelberg, ein Jahr später weiter nach Padua in Italien. Dort studierte er kanonisches Recht, also Kirchenrecht. Er liebte Bücher und sammelte sie. In seinem Testament vermachte er seine Privatbibliothek dem Sankt-Nikolaus-Hospital: rund 300 Handschriften vom 9. bis zum 15. Jahrhundert. Die meisten sind in lateinischer Sprache verfasst. Das war damals die Sprache der Gelehrten. In manchen finden sich an der Seite Kommentare und Anmerkungen von Cusanus zum Text. Auch mehrere Bücher aus der Feder von Cusanus selbst stehen in den Regalen. Marco Brösch nimmt eines heraus und legt es vorsichtig auf einen Tisch. Es stammt aus dem Jahr 1423. Es enthält Predigten von Cusanus und Mitschriften, die er von seinen Vorlesungen in Padua gemacht hat, erklärt Marco Brösch:

„Das ist ein Autograph. Das heißt, er hat persönlich diese Handschriften angefertigt. Was für einen mittelalterlichen Denker eigentlich so gut wie selten ist, dass wir wirklich die original Handschrift von ihm dort noch erhalten haben.“

„Und was ist an dieser Seite so besonders?“,fragt die Reporterin. Marco Brösch deutet mit dem Finger auf eine kleine Skizze neben der Schrift am Seitenrand:

„Das ist eben diese Zeichnung dieses Mädchens, was Sie dort sehen.“

Reporterin: „Weiß man denn, wer das ist?“

Marco Brösch: „Leider nicht. Also es stammt aus den Padua-Mitschriften seines Studiums des Kirchenrechtes. Aber wir wissen eben nicht genau, wen er damit porträtiert hat. Vielleicht ein Schwarm, irgendjemand, den er näher kannte. Aber es ist völlig offen.“

Universalgelehrter mit vielen Interessen

Den Wissenschaftler Cusanus faszinierten neben Kirchenrecht und Theologie auch Philosophie, Mathematik und Astronomie. Von der Bibliothek aus kann man durch ein kleines Fenster in die Kapelle des Stifts schauen. Unsere Reporterin wirft einen Blick hindurch:

„Cusanus hat aber nicht nur astronomische Messinstrumente hinterlassen und natürlich eine Menge Bücher, sondern auch einen Teil von sich selbst. Und der, liegt da unten in der Kapelle.“

Cusanus starb in Italien und auf eigenen Wunsch wurde er in Rom beerdigt. Sein Herz aber brachte man den beschwerlichen Weg über die Alpen in seinen Geburtsort Bernkastel-Kues. Es liegt noch heute unter einer Grabplatte aus Messing.

Toleranz gegenüber dem Islam

In der Kapelle erinnert auch das Altarbild an ihn, in dem er als Stifter deutlich erkennbar ist. Seine großen Ideen leben bis heute weiter, findet Marco Brösch:

„Zum Beispiel eben die Überlegung von der Einheit in der Vielheit, was ein zentraler Satz bei Nikolaus von Kues ist. Und der heute noch im Zusammenleben der Religionen oder Völker von Bedeutung ist. Und das macht ihn eben immer noch sehr aktuell.“

Reporterin: „Cusanus hat sich ja auch mit dem Islam auseinandergesetzt, was können wir denn heute davon noch lernen?“

Marco Brösch: „Ja also er ist ein Vertreter, der sagt, dass man sich nicht auf kriegerischem Weg mit dem Islam auseinandersetzen soll, sondern eher auf friedlichem Wege, in Diskussionen, in Gesprächen und in philosophischen Abhandlungen.“

Abschluss mit Weinprobe

Wer einen Ausflug an die Mosel macht, der kommt natürlich nicht um den Wein herum. Auch zum Cusanus-Stift gehören seit der Gründung acht Hektar Weinberge. In der Vinothek des Stifts kann man rund 140 Weine von Winzern an Saar, Mosel und Ruwer probieren und auch kaufen.

Reporterin Anna Becker: „Welchen Wein hat denn Cusanus besonders gerne getrunken?“

Marco Rösch: „Cusanus mochte sehr die lieblichen, die süßen Weine. Und er hatte einen speziellen Wein, den Malvasia aus Italien, den er sehr getrunken hat.“

Reporterin: „Nichts desto trotz trinken wir heute einen Wein ganz original hier von der Mosel, vom Cusanusstift. In diesem Sinne. Zum Wohl.“


Adressen:

Cusanus-Geburtshaus Bernkastel-Kues
Nikolausufer 49
54470 Bernkastel-Kues
Telefon: 0 65 31 / 28 31
E-Mail: geburtshaus@bernkastel-kues.de
Internet: www.nikolaus-von-kues.de/geburtshaus

Öffnungszeiten:  
dienstags bis samstags: 11 Uhr bis 17 Uhr
sonntags: 11 Uhr bis 14 Uhr


Sankt-Nikolaus-Hospital  / Cusanusstift
Cusanusstr. 2
54470 Bernkastel-Kues
Telefon: 06531-2260
E-Mail: info@cusanus.de
Internet: www.cusanus.de

Besichtigung:

Kapelle
Sonntag – Freitag: 9.00 – 18.00 Uhr
Samstag: 9.00 – 15.00 Uhr
Eintritt frei

Bibliothek
Besichtigung nur im Rahmen der Führungen
Führungen:
April – Oktober: Dienstag 10.30 Uhr und Freitag 15.00 Uhr
Preis: 7,00 Euro / Person
Gruppenführungen ganzjährig nach Voranmeldung.


Mosel Vinothek
Cusanusstr. 2
54470 Bernkastel Kues
Telefon: +49(0)6531-4141
Fax: +49(0)6531-4155
Internet: www.moselvinothek.de