Wir im Saarland - Kultur (08.12.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

Poesie und Klimaschutz – auf den ersten Blick zwei grundverschiedene Themen, im Centre Pompidou in Metz finden sie aber zumindest räumlich zusammen. "Wir im Saarland – Kultur" hat dort zwei neue Ausstellungen zu diesen Themen besucht. Außerdem berichtet die Sendung über eine selten gespielte Barockoper, die am Saarländischen Staatstheater Premiere feiert.

Sendung: Mittwoch 08.12.2021 18:50


Themen der Sendung


    

Was war ist & sein wird  - ein neuer Roman von Jörg W. Gronius 

Seit 2006 lebt und schreibt der in Berlin geborene Jörg W. Gronius in Saarbrücken. Sein neuer Roman "was war ist & sein wird" ist das Tagebuch eines Reisenden durch die Zeit nach der Wende. Anlass, den vielseitigen Autor vorzustellen.

"Überraschend unbekannt" nannte ihn ein Rezensent von Deutschlandfunk Kultur noch 2007. Da war Jörg W. Gronius noch nicht lange in Saarbrücken, der Liebe wegen war er 2006 umgezogen. Seitdem bereichert er die saarländische Literaturlandschaft auf vielfältige Weise. Sein erstes kreatives Leben gehörte dem Theater - als Dramaturg an der Berliner Schaubühne, später auch als Regisseur an renommierten Häusern wie dem Wiener Burgtheater und dem Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Theaterarbeitstage sind lang - 12 bis 16 Stunden sind keine Seltenheit. Zum Schreiben kam er deshalb erst spät und kann dennoch ein vielfältiges Werk vorweisen: Dramen, Opernlibretti, Gedichte und Romane. Maria C. Schmitt ist in Jörg W. Gronius' Bücherwelt eingetaucht.


Die Poesie der Schrift und die Klimalage im Centre Pompidou 

Das Centre Pompidou in Metz zeigt gleich zwei Ausstellungen: „Toi et moi, on ne vit pas sur la même planète" beschäftigt sich mit der Klimanotlage aus der Sicht taiwanesischer Künstlerinnen und Künstler. In der zweiten Ausstellung mit dem Titel „Schreiben ist Zeichnen“ dreht sich alles um die Welt der Schriften und Illustrationen.

„Du und Ich, wir leben nicht auf demselben Planeten" wurde 2020 für die Biennale in Taipeh/Taiwan konzipiert. Weil die Schau zwar immerhin stattfand, aber coronabedingt wenig internationale Aufmerksamkeit erhielt, wird sie jetzt in Teilen in Metz gezeigt. Die Kuratoren wollen zeigen, dass der Blick auf den Klimawandel überall auf der Welt sehr unterschiedlich ist - je nachdem, welche Folgen der oder die Einzelne konkret spürt. "Es ist, als würden wir auf verschiedenen Planeten leben, und als  würde jeder dieser Planeten einen Einfluss auf uns ausüben.", erklärt der Kurator der Taipei Biennale, Martin Guinard.

Die Ausstellung "Schreiben ist Zeichnen" wurde von der aus dem Libanon stammenden Künstlerin Etel Adnan inspiriert, die nur wenige Wochen nach der Eröffnung im Alter von 96 Jahren starb. Geprägt von der Vielsprachigkeit ihres Geburtslands, hat sie sich immer schon für Schriften und Zeichnungen interessiert. Die Schau zeigt bildgewaltige Leporellos, aber auch kostbare alte Manuskripte.


Alessandro Talevi inszeniert Händels „Alcina“ in Saarbrücken

Es ist eine selten gespielte Perle der barocken Opernliteratur. Jetzt kommt sie auf die Bühne des Saarländischen Staatstheaters: Georg-Friedrich Händels „Alcina“. Der in Südafrika geborene Regisseur Alessandro Talevi hat die Oper in Szene gesetzt und zeigt, dass die Geschichte in seiner Interpretation mehr mit uns und unserer Zeit zu tun hat, als man auf den ersten Blick glauben mag.

Alcina, die Zauberin hat schon viele Männer in den Bann ihrer Magie gezogen. Widerstehen kann ihr nämlich kaum einer. Ganz anders sieht das bei Ruggiero aus, der sich auf ihre Insel verirrt und ihr zwar erliegt, doch seine Verlobte Bradamante versucht, ihn zu retten. Alcina ist weit mehr als die lasterhaft-lustvolle Titelheldin und eine mit Magie angereicherte Geschichte eines Seitensprungs.

Schon bald stehen sich zwei Welten gegenüber. Die farblos-bodenständige und die sinnlich-erotische. Doch auch, wenn das barock-antiquarisch klingen mag, geht es in „Alcina“ um mehr. Es geht um das Ringen zwischen vernunftorientierter Moral und der Lustbarkeit des Moments. Und um die Frage, wie viel Ordnung der Mensch braucht und wie viel Freiheit er erträgt. Talevi könnte damit aktueller kaum sein. Karsten Neuschwender hat die Premiere gesehen.


Das Bayreuther Festspielhaus thront auf dem Grünen Hügel über der Stadt (Foto: picture alliance/dpa | Nicolas Armer)

Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt

Seit Oktober läuft der Dokumentarfilm "Wagner, Bayreuth und der Rest der Welt" in den Kinos. Statt einer biografischen oder musikkritischen Annäherung will der Film eine Balance finden zwischen dem weltweiten Kult und dem Unbehagen, das Wagners Antisemitismus auch vielen Fans bis heute bereitet.

Regisseur Axel Brüggemann hat drei Jahre lang die Proben begleitet und unter anderem Interviews mit Katharina Wagner geführt. Die Dokumentation sucht und findet Verehrer von Richard Wagner weltweit, ob in Venedig, Japan oder in Abu Dhabi. In den Vereinigten Staaten spielt eine schwarze Baptistengemeinde den Ring für People of Color, und in Riga versuchen Wagnerianer, eine der Wirkungsstätten des Meisters vor dem Verfall zu retten. Das Zentrum des Wagner-Kosmos aber ist der grüne Hügel in der fränkischen Provinz. Petra Böhm gibt einen Einblick in die Dokumentation.


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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