Wir im Saarland - Kultur (09.03.2022)

Wir im Saarland - Kultur

 

Wir im Saarland - Kultur blickt in dieser Woche nach Esch-sûr-Alzette in Luxemburg, das im Jahr 2022 europäische Kulturhauptstadt ist. Dort hat die erste Ausstellung eröffnet. Rosi Böhm hat sie besucht. Außerdem ist die Musicalsängerin Inna Hermann zu Gast. Die Saarländerin ist Deutsch-Russin, hat viele Freunde in der Ukraine und berichtet von ihren Erfahrungen mit dem Krieg in Osteuropa.

Sendung: Mittwoch 09.03.2022 18:50


Die Themen der Sendung


Die Geschichte einer rätselhaften Flugzeugentführung – Jens Eisels neuer Roman

Für seine Kurzgeschichten aus dem Band "Hafenlichter" hat der Autor Jens Eisel aus Neunkirchen mehrere Preise erhalten. Seine Erzählungen spielten bisher in Hamburg – seiner Wahlheimat. Jetzt hat sich der Saarländer an einen dokumentarischen Stoff aus den Vereinigten Staaten gewagt - und daraus seinen inzwischen zweiten Roman entwickelt. Thomas Braml hat ihn gelesen und den Autor Jens Eisel bei einem Heimatbesuch in Wiebelskirchen getroffen.

Als im Jahr 1971 ein gewisser Dan Cooper ein Flugzeug in Seattle betritt, ahnt noch niemand, dass er als Entführer in die Geschichte eingehen wird. In einem Aktenkoffer führt er eine selbst gebaute Bombe mit, erpresst eine hohe Geldsumme, springt mit dem Fallschirm ab und verschwindet. Es ist bis heute eine der rätselhaftesten Flugzeugentführungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Jens Eisel erzählt diese Geschichte als semidokumentarischen Roman. Es geht um den Mut der Verzweiflung, die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten unter Nixon, und die Härte, die das Leben zuweilen bereithält.


Wandel in der Kulturhauptstadt – Erste Ausstellung in Esch-sur-Alzette

Die Europäische Kulturhauptstadt in unmittelbarer Nähe – das luxemburgische Esch-sur-Alzette lädt im Jahr 2022 zum Besuch ein. Zeitgenössisch, bunt, vielfältig, aber vor allem international soll es dort zugehen. Unter dem Motto „Remix Culture“ stehen Theater, Festivals, Ausstellungen, Tanz, Performances, Workshops und digitale Kunst auf dem Programm. Wir im Saarland - Kultur stellt die erste Ausstellung „Hacking Identity – Dancing Diversity“ vor.

Video-Installationen, großformatige Leinwandprojektionen, Virtual Reality-Arbeiten zum Mitmachen, und Skulpturen – in vielfältigen Kunstformen zeigen sich Phänomene der Auflösung, Verwandlung und Vervielfältigung. Begegnungen mit Doppelgängern und Avataren, Popikonen der Games-World, skurrilen Sci-Fi-Wesen und überraschend mehrdeutigen Spiegelbildmomenten. Es geht futuristisch zu in der Ausstellung „Hacking Identity – Dancing Diversity“, die nicht zufällig in der Möllerei in Esch zu sehen ist. In den Räumen der ehemaligen Eisenproduktion entsteht in historischem Umfeld Neues. Die Ausstellung erzählt, wie sich in unserer digitalen Gesellschaft die kulturellen Normen verschieben, als Transformation von materieller Industriekultur zu fluider Mediensphäre. Rosi Böhm hat die Ausstellung besucht.


Wie der Krieg die Gesellschaft spaltet – Ein Gespräch mit Inna Herrmann

Der Krieg in der Ukraine geht vielen Menschen auch in Deutschland nahe. Im Saarland gibt es russische und ukrainische Gemeinschaften. Viele Menschen kennen Betroffene - auch Inna Herrmann. Die Spätaussiedlerin hat als Musicalsängerin auf dem Kreuzfahrtschiff AIDA gearbeitet und seit dieser Zeit Freunde in der Ukraine. Im Interview erzählt sie, wie sie die Situation wahrnimmt.

Hoffen und Bangen, Warten auf Nachrichten aus dem Krisengebiet. Inna Herrmann macht sich dieser Tage große Sorgen um die Tänzerinnen und Tänzer, mit denen sie einst jahrelang die Bühne geteilt hat, und um deren Familien, von denen es erst einige aus dem Land geschafft haben. Herrmann wünscht sich das Ende der Kämpfe. Doch es gibt noch einen anderen Blick auf die Geschehnisse. Beschimpfungen und Angriffe auf sowjetstämmige Kinder in Deutschland hat Inna Herrmann seit Ausbruch des Krieges schon erlebt. Die Musikerin wünscht sich Aufklärungsarbeit, vor allem mit Kindern, und spricht darüber mit Jochen Erdmenger im Interview bei Wir im Saarland - Kultur.


Kathrin Lambert und die klingenden Alltagsgegenstände

Klangkunst kann vieles sein: Ein zischender Wassertropfen auf einer heißen Platte. Klingendes Besteck auf einem Trommelfell. Unterschiedlich gefüllte Weingläser, die durch Reibung Töne erzeugen. Kathrin Lambert spielt damit in ihrer Arbeit. Performative Ansätze, bei denen sie Haushaltsgegenstände zu Instrumenten werden lässt. Uwe Loebens hat die Saarbrücker Klangkünstlerin besucht.

„Bei der Arbeit mit Klang sind die Aspekte der Immaterialität und Flüchtigkeit besonders spannend. Das Auditive lässt dem Rezipienten einen großen Imaginationsraum“, sagt Kathrin Lambert. 2020 hat die Saarbrückerin ihr Studium an der HBKsaar abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie als Klangkünstlerin, Performerin, DJane und Mediengestalterin. Seit 2016 ist sie außerdem Initiatorin der Eventreihe „Experimance“, die im Juli 2021 zum ersten Mal als Festival an mehreren Orten in Saarbrücken stattgefunden hat. Wir im Saarland - Kultur gibt sie Einblicke in den Entstehungsprozess ihrer atmosphärischen Hörstücke, die musikalische Strukturen erahnen lassen, sich aber keinen Regeln beugen müssen. 


 (Foto: SR)

Ode an ein hässliches Stück Designgeschichte – Der Monobloc-Stuhl

Es gab Zeiten, da durfte er in keinem Garten und auf keiner Terrasse fehlen: Der federleichte weiße Monobloc-Stuhl, gefertigt fast ausschließlich aus Polypropylen - ein Kunststoff, aus dem auch Joghurtbecher oder Fahrradhelme bestehen. Dank einer Spritzgusstechnik ist der Stuhl in 60 Sekunden hergestellt und kostet wenig. Hauke Wendler hat diesem Stück Designgeschichte einen Film und ein Buch gewidmet.

An seinem Design kann der Erfolg des Monoblocs kaum liegen: Schlicht, weiß, eine offensichtliche Plastikästhetik. Dennoch fasziniert er den Filmemacher Hauke Wendler, seit er 2013 ein Foto Dutzender dieser Stühle in einer Zeitung inmitten der untergehenden Sonne gesehen hat. Ein großartiges Bild einerseits, fand er, eine unglaubliche Ansammlung von Plastikschrott andererseits. Die Idee zum Film war entstanden. Mit seinem Team bereiste er in den darauffolgenden Jahren fünf Kontinente und erzählt eine Geschichte von Wirtschaft und Globalisierung, von Ungleichheit und Teilhabe, von Ansprüchen und Bedürfnissen.


Moderation: Jochen Erdmenger

Eine Stimme von SR 2: Jochen Erdmenger (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

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