Wir im Saarland - Kultur (23.02.2022)

Wir im Saarland - Kultur

 

Wir im Saarland – Kultur steht diesmal im Zeichen der Kunst. Ob Fotografien, Fotoschnipsel, die zu Kleidern werden, Videoinstallationen oder Comics. Das Saarland bietet eine diverse Vielfalt der bildenden Kunst. Außerdem blickt die Sendung in einem Interview auf das neue Kammerorchester der Großregion und dessen erste Probenphase.

Sendung: Mittwoch 23.02.2022 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Saar-Comics: Elizabeth Pich und Jonathan Kunz über den Erfolg von Sängerin Nicole

Zum Jubiläum „65 Jahre Saarland“ haben sich saarländische Comic-Zeichnende zusammengetan und in einem Buch Höhepunkte aus der Vergangenheit des Bundeslandes in Bildern festgehalten. Elizabeth Pich und Jonathan Kunz haben sich den überraschenden Erfolg der Sängerin Nicole im Jahr 1982 dafür ausgesucht. Die Saarländerin gewann als erste - und fast drei Jahrzehnte lang einzige - deutsche Sängerin den Grand Prix de la Chanson d' Eurovision im englischen Harrogate.

Elizabeth Pich und Jonathan Kunz sind über die Grenzen des Saarlandes hinaus bekannt durch ihr Web-Comic „War and peas“, das sie wöchentlich im Netz veröffentlichen. Am 18. Februar eröffnen die beiden eine Ausstellung mit dem Titel "Silly Empire" im Saarbrücker KuBa und zeigen dort rund 100 Strips aus „War and Peas“ sowie Entwürfe aus den Skizzenbüchern.


Späte Symbiose zweier Geschwister – Margarethe Palz und Gerhard Heisler stellen in Neunkirchen aus

Die Zweibrücker Kostümkünstlerin Margarete Palz (84) und der Saarbrücker Fotograf Gerhard Heisler (80) haben ein künstlerisch bewegtes Leben geführt. Die beiden Geschwister entschieden sich früh für ähnliche Lebenswege. Und doch hat es bis jetzt gedauert, ehe sie ihre Werke gemeinsam ausstellen. Zu sehen ist diese besondere Symbiose in Neunkirchen.

"2D - Symbiose - 3D" - schon im Titel der Ausstellung im Neunkircher Arthouse ist die Verbindung der künstlerischen Geschwister zu erkennen. Die Symbiose entsteht im Arbeitsprozess von Margarete Palz, 2021 Künstlerin des Jahres in Australien. Sie hat tragbare Skulpturen geschaffen, die aus Fotostreifen ihres Bruders entstehen. 20 Kostüme enthält die Ausstellung. Harriet Weber-Schäfer hat sie gemeinsam mit den Geschwistern besucht.


Lockdown-Theater als Zukunftsmodell? - Möwe.Live wagt den nächsten Versuch

Die Leiden des junge Werther, in die Lebensrealität heutiger junger Menschen geholt, adaptiert in Social-Media-Netzwerke: Das Stück Werther.Live sorgte beim Festival Perspectives im vergangenen Jahr für Aufsehen mit etwas völlig neuem, einem Theaterstück via Videocalls. Dieses Jahr versucht das Theaterkollektiv Punkt.Live sich an Anton Tschechows Drama "Die Möwe". Rosi Böhm hat das Stück gesehen.

Anton Tschechows Möwe ist ein schweres Drama. Ursprünglich angesiedelt im zaristischen Russland, erzählt es die Geschichte eines jungen Dramatikers, der, von seiner Mutter nicht ernst genommen, auch noch seine Geliebte an deren Partner, einen berühmten Schriftsteller, verliert und sich am Ende das Leben nimmt. Wie schon bei Werther.Live lässt das Ensemble vor allem Blicke auf die Bildschirme der Protagonisten zu. Dabei schaut man den Schauspieler*innen live beim Spielen zu. Whatsapp, Instagram, Oberflächlichkeit - die Generation Online macht den Stoff auch in der modernen Welt nicht einfacher. Ein Kniff von Regisseurin Cosmea Spelleken sorgt dennoch dafür, dass es sich auch beim zweiten Versuch des Lockdown-Theaters lohnt, reinzuschauen.


Neuer Klangkörper: Kammerorchester für die Großregion

Familienkonzerte, szenische Arbeiten, Akademien für Junginstrumentalisten und Kammerkonzertserien – die Programmatik des neuen Kammerorchesters für die Großregion ist vielfältig. Der Klangkörper soll eine kammerorchestrale Alternative zu den in der Region ansässigen Sinfonieorchestern sein. Gegründet haben es zwei Saarländer, die es in den hohen Norden verschlagen hat.

Michael Müller-Kasztelan und Stefan Bone, Ensemblemitglieder am Opernhaus Kiel, haben die Pandemiephase genutzt. Während die Kultur brachlag, haben sie ein neues kulturelles Angebot geschaffen. Als Geschäftsführer und Künstlerischer Leiter führen sie 40 Kolleginnen und Kollegen zu einem Orchester zusammen. Das Ziel: Freischaffenden und von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogenen Musikerinnen und Musikern der Großregion und solchen, die sich in der Übergangsphase von Studienabschluss und Eintritt in ein Berufsorchester befinden, neue Möglichkeiten zu bieten, Musik zu machen. Stefan Bone stellt sein neues Projekt im Studio vor.


Wenn aus Macht Gewalt entsteht – zwei Ausstellungen junger Kunstschaffender in der Saarbrücker Stadtgalerie

Auf den ersten Blick liegen Welten zwischen den Ausstellungen von Anna Ehrenstein und Lukas Ratius. Grelle virtuelle Installationen, die bunte Skulpturen entstehen lassen auf der einen Seite, fotografische Alltagsdokumente, subtil eingefangen, die eine ehrliche Nähe ausstrahlen auf der anderen. Und doch befassen sich beide im weiteren Sinn mit den Werkzeugen der Macht und der daraus resultierenden Gewalt. In der Stadtgalerie sind sie in zwei Einzelausstellungen zu sehen unter dem gemeinsamen Motto: The Future is shemale.

Die deutsch-albanische Künstlerin Anna Ehrenstein stellt mit stark bearbeiteten und verfremdeten Fotografien, Installationen und einer 360°-Videoprojektion westliche Technologiemodelle als Herrschaftsinstrument auf den Prüfstand. Ihre Arbeiten in der Stadtgalerie sind in Zusammenarbeit mit dem kolumbianischen queeren PerformanceKollektiv "House of Tupamaras" entstanden, dessen Name auf die südamerikanische Guerilla der Tupamaros anspielt. Der Saarbrücker Fotograf und Dokumentarfilmer Lukas Ratius zeigt Fotografien aus seinem Fotoband "Der Apparat", mit denen er einen Blick auf die eher beiläufigen Seiten der Macht wirft. Indem er in einer weiteren Serie zufällig aufgeschnappte Gesprächsfetzen wie Buchtitel von Reclamheftchen aufbereitet, legt er offen, wieviel Macht- und Gewaltpotential in der alltäglichen Umgangssprache steckt. Uwe Loebens hat sich die beiden Ausstellungen angesehen.

„The Future is Shemale“. Saarbrücker Stadtgalerie, bis 15.05.2022


Moderation: Marcel Lütz-Binder

Marcel Lütz-Binder (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Artikel mit anderen teilen

Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja