Wir im Saarland - Kultur (02.06.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

Das Jahr 1986 lebt in einer Fotoausstellung wieder auf, Molières Barockkomödie wird rasant in modernes Schwarzlichttheater versetzt, und das erste Musikvideo von Rick-Henry Ginkel sind in dieser Woche unsere Themen.

Sendung: Mittwoch 02.06.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Rick Henry Ginkel und sein erstes Musikvideo

"Too late" heißt der Song des Saarbrücker Pianisten, Gitarristen und Theatermusikers Rick-Henry Ginkel. Darin geht es um das Gefangensein in sich selbst. Zusammen mit dem Regisseur Jan-Aiko zur Eck hat er diesen Song nun als Video produziert - in der Alten Feuerwache und mit Beteiligung von TänzerInnen aus dem Ballettensemble des Staatstheaters.

Ob dieses Gefangensein in sich selbst, um das es in dem Song "Too late" geht, etwas mit der Coronapandemie zu tun hat? Der Songwriter Rick Henry Ginkel meint, es ginge eher darum, dass es too late, also zu spät sein könnte, wenn man nichts verändert in seinem Leben. Eine gute, alte Liedermacherweisheit, die zeitlos ist. Mit Corona zu tun hat allerdings die Situation für den Dreh - denn in normalen Zeiten wäre die Alte Feuerwache schon wegen ihrer dichten Belegung mit Theateraufführungen nocht so leicht zu haben gewesen. Sven Rech findet, dass der erste Versuch aller Beteiligten, ein Musikvideo zu machen, eindrucksvoll gelungen ist.


1986 - fotograisches Porträt eines ungewöhnlichen Jahres

Ein Zufall: 1986 machte die Völklinger Hütte dicht, und im selben Jahr fotografierte Michael Kerstgens, damals noch Student an der Folkwang Hochschule in Essen, mit einem Stipendium des "Verbandes deutscher Wohnwagenhersteller" zum Thema "Freizeit".

41 Fotos aus diesem Jahr sind nun im Weltkulturerbe Völklinger Hütte zu sehen. Die Ausstellung "1986. Zurück in die Zukunft" porträtiert eine Zeit, in der der Wandel weg von der Industrieproduktion hin zur Dienstleistungsgesellschaft begann. Zeitgeschichtliches - wie menschenleere Straßen in den ersten Tagen nach der Katastrophe von Tschernobyl - ist ebenso dokumentiert wie der Zeitgeist, den man auf Fotos von jungen Menschen auf Rollschuhen, mit Schulterpolstern oder Pullis mit Hugo Boss-Aufdruck sehen kann. Harriet Weber-Schäfer ist mit dem Fotoagrafen Michael Kerstgens durch die Ausstellung gegangen.


Barock im Schwarzlichttheater - Molières Kommödie "Der Geizige".

Geld regiert die Welt. Leider. Das galt auch schon im barocken Paris, als Molière seine bitterböse Komödie "Der Geizige" schrieb. Die ist nun rockig, klamaukig und tiefsinnig am Saarländischen Staatstheater zu sehen.

Am Ende sitzt der Herr Vater in einer Therapiegruppe und gibt es zu: "Ich bin geizig" sagt er, beziehungsweise sie, denn in Matthias Ripperts frisierter Version des Klassikers wird der Geizige von der Schauspielerin Martina Struppek gespielt. Nicht der einzige Rollentausch in dem alten Drama, in dem es um die Frage geht: Ist Liebe ein kommerzieller Kontrakt oder ein romantisches Ideal. Auch wenn er über manche modernisierenden Witze in der Komödie nicht lachen konnte, findet Uwe Loebens den "Geizigen" am Staatstheater eindrucksvoll und mit viel Stoff zur Selbsterkenntnis; und das Bühnenbild mit viel Neonlicht und Schwarzlicht einfach nur  großartig. Nach dem Lockdown gibt es jetzt Karten für 2 weitere Aufführungen im Juni.


Parteipolitik vor Kompetenz? Streit um die Besetzung des Saarbrücker Kulturdezernates.

Eines der wichtigsten Filmfestivals Europas und eine freie Szene, deren Künstler teilweise mit bundesweit beachteten Preisen ausgezeichnet sind - Saarbrücken hat eine Kulturszene, die einer Landeshauptstadt würdig ist. Die zu pflegen, fördern und zu entwickeln ist Aufgabe des Kulturdezernenten. Der amtierende Thomas Brück geht in Ruhestand, und man sollte erwarten, dass eine kompetente Leitung gesucht wird. Doch die Stellenausschreibung deutet eher auf Postengeschacher hin.

Künstler, Opposition und engagierte Bürger sind entsetzt. Die Ausschreibung für die Stelle des Kulturdezernenten, die die Jamaika-Koalition auf den Weg gebracht hat, verzichte auf inhaltliche Kompetenzen, und es ginge nur darum, einen Wunschkanditaten durchzubringen. Den Chef der Grünen-Stadtratsfraktion Torsten Reif. Dabei brauche man gerade auch in der schwierigen Coronazeit eine führungsstarke, kompetente Leitung im Rathaus - darüber sind sich Opposition und Kulturschaffende einig. Am 8. Juni 2021 soll gewählt werden, 23 KandidatInnen haben sich auf die Ausschreibung beworben. Karsten Neuschwender über eine Politikposse im Saarbrücker Rathaus.

Dazu im Studiogespräch:

Mirco Bertucci, Fraktionsvorsitzender der SPD im Saarbrücker Stadtrat.

Nachdem der Oppositionsantrag, in die Stellenausschreibung auch inhaltliche Kompetenzen mit aufzunehmen gescheitert ist, unterstützt die SPD-Fraktion nun die parteilose Sabine Dengel, die durch bisherige Arbeit mit Kulturprojekten und Bildungspolitik vertraut ist.


Moderation: Jochen Erdmenger

Jochen Erdmenger (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

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