Wir im Saarland - Kultur (03.11.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

Das Leben zieht langsam wieder ein in der Kultur im Saarland, unter anderem auch am Saarländischen Staatstheater. Wir im Saarland - Kultur war bei der Entstehung einer besonderen Nussknacker-Produktion dabei. Außerdem berichtet die Sendung über die Künstlerin Ula Hoc, die in ihrem Haus in Leidingen eine bunte Erinnerung an ihren verstorbenen Mann pflegt.

Sendung: Mittwoch 03.11.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Mit dem Nussknacker zu den Sternen

Der Nussknacker von Peter Tschaikowsky - es ist bis heute eines populärsten Ballette auf den Theaterbühnen. Nussknackern Filme, Nussknacker Musikbücher schon für die Kleinsten - die Marketingmaschinerie um das Stück ist komplex. In Saarbrücken entwickelt Ballettdirektor Stijn Celis das Stück nun weiter - und schickt den Nussknacker in die Schwerelosigkeit.

Der Nussknacker als Astronaut - die Zinnsoldaten als bunte Roboter. Das Saarländische Staatstheater ist mit der Inszenierung von Stijn Celis im Weltraumfieber. Dass der Saarländer Matthias Maurer einen Tag nach der Premiere ins All fliegen sollte, ist Zufall. Celis ist im Kongo aufgewachsen und saß dort 1969 bei der Mondlandung fasziniert vor dem Fernseher. Seitdem lässt ihn die Schwerelosigkeit nicht mehr los, die er auf den Tanz überträgt. Nur die Mäuse, ein unverzichtbarer Teil dieses Märchens, bleiben Mäuse - gespielt und getanzt von den kleinsten Ensemblemitgliedern, die ganz groß rauskommen.


Verführung zur Blutrache - Dürrenmatt-Inszenierung am Staatstheater

"Der Besuch der Alten Dame" gehört zu den großen Theaterklassikern der Moderne und machte Friedrich Dürrenmatt berühmt. Die Geschichte von Claire Zachanassi, die mit ihrem Geld die Bürger ihres Heimatstädtchens zur Blutrache verführt, steht bis heute auf den Lehrplänen an Schulen. Regisseur Gustav Rueb verlegt das Stück am Staatstheater auch ins Saarland; und dank der Lockerungen gibt es jetzt wieder Karten.

Ihre Geschichte beginnt mit einem unehelichen Kind und einem Mann, der durch einen Meineid vor Gericht die Vaterschaft nicht anerkennt. So landete sie in einem Bordell. Nach mehreren lukrativen Ehen kehrt sie als Milliardärin zurück. Die Bewohner des verarmten Städtchens hoffen auf Investitionen. Sie aber fordert als Gegenleistung für eine Milliarde den Tod ihres treulosen Geliebten, woraufhin die Bürger Güllens in der Aussicht auf ihr Geld einem Konsumrausch verfallen. Gustav Rueb fokussiert auf die Frage: Wie stark kann Konsum Menschen beeinflussen? Das zeigt er in kontrastreichen Bildern.


Alles wieder beim Alten? Das Saarländische Staatstheater in Zeiten von 3G

So langsam läuft das Kulturelle Leben wieder an. Dank des Saarland-Modells war es hierzulande auch zwischen den Lockdowns schon möglich Konzerte, Theaterstücke und andere Veranstaltungen zu besuchen. Inzwischen sind Abstandsgebot und Maskenpflicht auf den Sitzen gefallen. Doch noch scheint das nicht bei allen angekommen.

Der Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters, Bodo Busse, spricht im Interview über eine schwere Phase, in der die Pforten der Kultureinrichtungen wieder geöffnet haben, die Besucherinnen und Besucher aber noch skeptisch sind. Viele Veranstaltungen bleiben schlecht besucht. Restkarten sind die Regel - zuweilen finden kleine Produktionen vor weniger als 20 Zuschauern statt. Wie kann es gelingen, den Menschen im Saarland wieder Lust auf Live-Kultur zu machen?


Ruth Reinhardts Premiere in der Heimat

Ruth Reinhardt hat mit ihren 32 Jahren schon einiges vorzuweisen: sie ist Saarlandbotschafterin, Oboistin, Geigerin, Komponistin und - eine aufstrebende Dirigentin. Ende Oktober hat sie erstmals die Deutsche Radio Philharmonie dirigiert. Chris Ignatzi hat sie auf ihrem Heimatbesuch getroffen.

Wenn Ruth Reinhardt vor einem Orchester steht, ist förmlich spürbar, wie der Funke überspringt. Unmissverständlich, geradeaus fokussiert - so dirigiert die junge Saarbrückerin. Wie sie selbst sagt, wie ein Fußalltrainer, der die Taktik vorgibt. Bei den Musikerinnen und Musikern der Deutschen Radiophilharmonie kommt das gut an, frei nach Otto Rehagel: Es gibt nicht alt oder jung, sondern nur gut oder schlecht. Zwischen Seattle, Helsingborg und Paris hat sie das im Großen Sendesaal auf dem Halberg bewiesen.


Ula Hoc und ihr Leben in einem pittoresken Atelier

Eine Fülle aus Farben, Bilder en masse und reihenweise Erinnerungsstücke an längst vergangene Zeiten. Ula Hocs Atelier in Leidingen ist eine Mischung aus Nostalgie und zugleich Zeitzeuge moderner abstrakter Kunst. "Eine Oase des Künstlerischen Wirkens" nennt die Künstlerin das Haus, in dem sie auch lebt. Harriet Weber-Schäfer hat sie dort besucht.

Grüne Zweige wuchern um die alten Mauern. Der Putz bröckelt hier und da und nur wer genau hinsieht, erkennt den langsam verblassenden Schriftzug" Atelier Grenzenlos". Ula Hocs Atelier in Leidingen wirkt dadurch aber nicht etwa verwahrlost, sondern weckt Interesse, was sich hinter der Fassade verbergen mag, die selbst wie ein Stillleben wirkt. Es ist ein wenig wie mit den Bildern der Künstlerin. Nur, wer sich damit intensiv beschäftigt, taucht tief genug in die Materie ein, um zu verstehen, was die Künstlerin damit ausdrücken will. Es sind abstrakte Bilder, die Ula Hoc malt, meist farbenfroh, immer lebendig - so wie das Andenken an ihren 1995 verstorbenen Mann Victor Fontaine.


Moderation: Marcel Lütz-Binder

Marcel Lütz-Binder (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

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