Wir im Saarland - Kultur (06.10.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

In dieser Sendung erzählen wir, warum der Leiter der Musikfestspiele Saar ein Konzert auf einem Weingut veranstaltet hat, stellen die Pläne der neuen Chefin im Saarbrücker Theater Überzwerg vor und führen ein Exklusivinterview mit Bruce Dickinson von der weltberühmten Heavy Metal Band "Iron Maiden".

Sendung: Mittwoch 06.10.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Vom Clubchef zum Pferdefotografen - Wie Tim Grothe den Lockdown überstand

Die Veranstaltungs- und Clubszene treffen die Corona-Maßnahmen besonders hart. Der deutschlandweit bekannte "Mauerpfeiffer" am Saarbrücker Ludwigskreisel war seit dem ersten Lockdown geschlossen. Tim Grothe hat sich einen neuen Beruf gesucht und fotografiert erfolgreich Pferde.

Abtanzen auf Abstand - undenkbar für Clubber. Auch zwischen den Lockdowns war es nicht wirtschaftlich, Clubs zu öffnen. Nachdem alles renoviert, ausgebessert und auch die Streaming-Konzerte etabliert wurden, fiel Tim Grothe die Decke auf den Kopf. Und da er nichts halb machen kann, hat er sich etwas Neues aufgebaut: Er wurde Pferdefotograf. Mittlerweile ist er so gut gebucht, dass er schon überlegt, wie er in Zukunft beiden Berufen nachgehen kann.


Kammermusik im Weinkeller - die Musikfestspiele Saar an neuen Orten

Der Wein ist die älteste Kulturpflanze; die Harfe soll das älteste Instrument sein und wurde schon 3.000 v. Chr. entwickelt. Grund genug für den Intendanten der Musikfestspiele Saar, Bernhard Leonardy, beides zusammenzubringen. Beim Kammerkonzert auf einem Weingut an der Saar waren dann vielleicht nicht alle Besucher*innen wegen des Musikgenusses gekommen.

Ungewöhnliche Aufführungsorte gehören zum Konzept der Festspielleitung. So wurde Joseph Haydns Schöpfungs-Oratorium in einer alten Industriehalle der Gußwerke Saarbrücken aufgeführt. Auf dem Weingut Van Volxem in Wiltingen fand sich das Konzertpublikum zunächst zur Weinprobe ein; um dann, umgeben von Weinfässern, den Klängen der Harfenistin Nora von Marschall und des Baritons Maximilian Argmann zu lauschen. Ob Gesang und Harfenklang in Wiltingen ähnlich faszinierten wie einst in der Antike bei Orpheus, der Tiere, Menschen sowie Götter betörte und selbst Felsen zum Weinen brachte, hat Bettina Rau beobachtet.


Das Festival SPIELSTARK – seit 20 Jahren Geschichten für Kinder

Ob Ritter und Drachen, Märchenprinzessinnen und Könige, oder Geschichten im Alltag Heranwachsender: Kinder- und Jugendtheater hat Generationen geprägt. Das Theaterfestival SPIELSTARK in Saarlouis und Ottweiler, das die Städte gemeinsam mit dem Saarbrücker Theater Überzwerg veranstalten, findet derzeit zum 20. Mal statt. Sieben Bühnenstücke, zwei Lesungen und ein Theaterworkshop für Lehrerinnen und Lehrer bilden das breite Spektrum der Theaterszene für die Jüngeren ab – und das hat sich im Laufe der Jahre gar nicht so sehr verändert.

Die Stücke auf dem Festival erzählen Geschichten von wandernden Wolken und frierenden Igeln. Sie befassen sich aber auch mit den Gefühlen von Kindern, die noch gar nicht so recht wissen, wie sie mit ihrem Zorn umgehen oder die gar einen Selbstmordversuch der eigenen Mutter verarbeiten müssen. Zwischen klassischem Theater und Live-Zeichnungen auf dem Tablet fällt auf: Im Mittelpunkt steht immer die Geschichte und die Botschaft an das junge Publikum: „Wir nehmen euch ernst“. Chris Ignatzi hat einige der Highlights besucht.


Iron Maiden (Foto: ttt/SR)
Iron Maiden

Warum Iron Maiden noch immer zu den Größten gehören–Sänger Bruce Dickinson im Exklusivinterview

Up the Irons! Über 100 Millionen verkaufte Tonträger. 300.000 Zuschauer bei einem einzigen Konzert („Rock in Rio“). Jedes Album ganz oben in den Charts, das neueste mit dem Titel „Senjutsu“ ist direkt von Null auf Platz Eins. Superstars wie Lady Gaga sind Fans und tragen so demütig wie stolz die T-Shirts der Band.

Iron Maiden. Die ganz große Operette mit Zombie-Plattencovern und Achselschweiß, auf den ersten flüchtigen Blick. Iron Maiden ist die erfolgreichste britische Heavy Metal Band aller Zeiten. Und trotzdem pflegt das Sextett bis heute den Ruf der ewigen Underdogs, der herzlichen Kumpel, die immer für dich da sind und dir – wenn es darauf ankommt – dein Leben retten.

„Fans sind für Iron Maiden, was Blut für einen Körper ist“, sagt Sänger Bruce Dickinson. Und für diese Fans bedeutet Iron Maiden alles. Sie dekorieren ihre Häuser, ihre Schwimmbecken, Schlagzeuge, Motorräder, sogar ihre eigenen Körper mit Bandlogo, mit Songtexten und mit Eddie, dem Zombie-Bandmaskottchen. Sie feiern die bestechend klare Musik, aber auch, dass man in jeder Lebenslage an die Songs der Band andocken kann – in den euphorischen und in den dunklen Stunden.

Und die Texte sind tatsächlich variantenreich und reflektiert - so literarisch wie man es von Metal nicht unbedingt erwarten würde. So singen Iron Maiden von der Vergänglichkeit, der nicht mal Götter entkommen können („Powerslave“), vom Mord an den Native Americans („Run to the Hills“) oder von der Angst, die Männer im Dunkeln haben („Fear of the Dark“) - also ihrer ganz eigenen Angst. Hinter all der Härte spürt man immer das Fragile. Musik von Männern, die ihre Haare wie Mädchen tragen.

Wir haben den Sänger Bruce Dickinson in Paris getroffen – und wunderbare Maiden-Fans in der deutschen Provinz. „When I'm walking a dark road / I am a man who walks alone / Fear of the Dark.“


Moderation: Marcel Lütz-Binder

Marcel Lütz-Binder (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Marcel Lütz-Binder

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