Wir im Saarland - Kultur (22.09.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

In dieser Woche feiern wir mit Ernesto Urmetzer das 30. Jazzfestival St. Wendel und untersuchen anhand des Theaterstücks "Augen ohne Gesicht", was Männer in die Gesichter von Frauen hinein interpretierten. Außerdem geben wir spannende Einblicke in die Restauration eines monumentalen Gemäldes im Historischen Museum Saar.

Sendung: Mittwoch 22.09.2021 18:50


Die Themen der Sendung


Einblicke in die Restaurierung eines monumentalen Kriegspanoramas

Monumente des Krieges, so der Titel der die Ausstellung, die sich um den Saarbrücker Rathauszyklus des Malers Anton von Werner dreht. Sieben monumentale Bilder mit Motiven aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870 bis 71 sind zu sehen. Aber warum?

Das Historische Museum Saar feierte es als Sensation: Alle sieben Gemälde, die der preußische Staat der alten Stadt Saarbrücken im Jahr 1880 geschenkt hat, kehren zurück. Seit das Alte Rathaus, wo sie zuvor hingen, im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, waren sie nicht mehr öffentlich zugänglich. Jetzt sind sie im Rahmen einer ganzen Ausstellung zu sehen; jedenfalls die, die schon restauriert sind. Besucher der Ausstellung können die Restaurierung eines der bekanntesten Bilder des Zyklus, die Ankunft des Königs Wilhelm in der Stadt, live verfolgen.

Annette Bak hat diesen Prozess von Anfang an mit der Kamera begleitet und zeigt die großen Schwierigkeiten.

Die Ausstellung im Historischen Museum Saar wirft auch Fragen auf: Muss man beispielsweise einen Gemäldezyklus, den Kritiker als Zeugnis der Kriegsverherrlichung sehen, tatsächlich ausstellen? Und wenn ja, wie? Und was passiert nach dem Ende der Ausstellung mit den monumentalen Gemälden? Fragen, die Museumschef Simon Matzerath im Studiogespräch mit Verena Sierra beantwortet.


30 Jahre Jazzfestival St. Wendel

Die große Party blieb aus. Aber getanzt wurde doch - zur Musik der Swingband Gramophoniacs. Ein angemessener Abschluss für das 30. Jazzfestival St. Wendel, das im vergangenen Jahr der Coronapandemie zum Opfer fiel und nun unter Einhaltung der erforderlichen Hygienebestimmungen stattfand.

Mit dieser langen Geschichte hatte er nicht gerechnet: Als der Gymnasiallehrer Ernesto Urmetzer vor 30 Jahren beschloss, mit seinen Schülern nicht nur in einer Bigband Jazz zu spielen, sondern auch ein kleines Jazzfestival zu stemmen, konnte er nicht ahnen, wie erfolgreich es sich über die Jahrzehnte etablieren würde.

Programmierte Urmetzer zu Beginn eher spontan und aus dem Bauch heraus, bildet er mittlerweile in seinem kleinen Festival den Jazz exemplarisch in all seinen Spielarten ab. Sein Erfolgsrezept: Leidenschaftliches Engagement. Nicht nur sein eigenes, sondern auch von einer Gruppe aus etwa 30 Ehrenamtlichen, darunter viele seiner ehemaligen Schüler. Karsten Neuschwender erzählt die Erfolgsgeschichte des Jazzfestivals St. Wendel.


Was wir im Anderen sehen - das Theaterstück "Augen ohne Gesicht"

Ein Schönheitschirurg raubt Frauen ihre Gesichter, um diese seiner Tochter zu geben, deren Gesicht nach einem Unfall völlig entstellt ist. Das ist der Plot des Films "Augen ohne Gesicht" aus dem Jahr 1960. Daraus hat Wilke Weermann ein Theaterstück gemacht. Die zentrale Frage: Was sehen wir im Anderen, und wie wirkt sich der männliche Blick auf die weibliche Identität aus?

Christiane, die im Film von George Franjus ihr Gesicht verloren hat, sehnt sich danach, sie selbst zu sein. Deshalb stößt ihr Körper die Gesichter, die ihr ihr Vater "schenken" will, ab. Was für eine Symbolik!

Der junge, 1992 geborene, Theatermacher Wilke Weermann gehört - spätestens seit er den Münchner Förderpreis für junge Dramatik erhielt oder beim Heidelberger Stückemarkt nominiert war - zu den interessantesten Persönlichkeiten der deutschen Theaterlandschaft. Uwe Loebens hat sich die Auftragsarbeit der "Sparte 4" des Saarländischen Staatstheaters angesehen.


The Polar Silk Road

Gregor Sailers Fotoprojekt über Geopolitik, wirtschaftliche Ausbeutung und Klimawandel in der Arktis. Der vielfach ausgezeichnete österreichische Fotograf Gregor Sailer recherchiert und arbeitet am liebsten dort, wo Normalsterbliche nur schwer Zugang haben. Seine Serie: „Closed Cities“ zeigt Städte, die hermetisch abgeriegelt sind: militärische Sperrgebiete, Flüchtlingslager oder auch „Gated Communities“ zum Schutz der Reichen.

Für „The Potemkin Village“ fotografierte er Kulissenstädte, die verschiedenen Zwecken dienen. Sein aktuelles Projekt „The Polar Silk Road“ hat ihn über vier Jahre in die nördlichsten Außenposten der menschlichen Zivilsation geführt. Mit seiner analogen Kamera dokumentierte er in der Arktis, welche Folgen die wirtschaftliche Ausnutzung und die territorialen Ansprüche der Anrainerstaaten auf die Region haben, die sich durch den Klimawandel dramatisch verändert.

Im Lumen-Museum in den Südtiroler Dolomiten ist „The Polar Silk Road“ vom 29. August 2021 bis zum 21. April 2022 zu sehen. Im Kehrer-Verlag ist der gleichnamige Fotoband erschienen.


Moderation: Verena Sierra

Verena Sierra (Foto: SR)

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