Wir im Saarland - Kultur (15.09.2021)

Wir im Saarland - Kultur

 

Bei "Wir im Saarland - Kultur" geht es in dieser Woche um Quotendruck und künstlerische Qualität, hierzu stellt die Oper Ariadne auf Naxos zeitkritische Fragen zur Theaterarbeit. Außerdem berichten wir über Fritz Zolnhofer, den Maler des saarländischen Industriereviers und geben einen Ausblick auf Haydns Oratorium "Die Schöpfung" im Brebacher Gusswerk.

Sendung: Mittwoch 15.09.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Tot oder lebendig - Musiktheater in der Coronakrise

Ist die Oper tot? Zumindest sehen wir eine Diva leblos auf der Bühne, daneben ihr Bild und davor ein Trauerkranz mit der Aufschrift: Oper. 1600-2021. Das Saarländische Staatstheater zeigt nach dem Coronalockdown Richard Strauss‘ Oper Ariadne auf Naxos als Stück, in dem die Frage gestellt wird: Was bedeutet uns Oper – und welche Oper wollen wir?

Eigentlich geht es in dem 100 Jahre alten Musikwerk um einen Neureichen, der in seinem Haus einen Musiktheaterabend veranstalten will. Es soll die ernste Oper Ariadne gespielt werden, danach eine Komödie. Aber wer bezahlt bestimmt, und so beschließt er, dass beides gleichzeitig gespielt werden soll; nicht, dass man sich bei den ernsten Gesängen noch langweilt.

Die Regisseurinnen verwandeln den Neureichen in der Saarbrücker Inszenierung allerdings in einen Theaterdirektor und lassen ihn über Texte von Dürrenmatt oder Schiller und die Bedeutung des Theaters reflektieren. Außerdem erfinden sie eine quotengetriebene Politikerin hinzu, die dem Theaterdirektor mächtig Druck macht. Die wiederum hat - und auch das erinnert an unsere gesellschaftliche Situation - eine heftige Krise zu managen. Kann Oper unter diesen Voraussetzungen gedeihen? Am Staatstheater gibt es am Ende ein opulentes Happy End. Dennoch, findet Karsten Neuschwender, zeigt diese Regie drängende Fragen auf und fordert zum Mit- und Nachdenken auf.


Wohlklang im alten Gusswerk

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts schrieb Josef Haydn sein Oratorium "Die Schöpfung". Zu der Zeit waren die Gusswerke in Brebach am Fuße des Halbergs schon einige Jahrzehnte in Betrieb. Die Ursprünge der Industrialisierung im Saarland und das monumentale Chorwerk, das die Entstehung der Natur und unserer Welt erzählt, bringen die Musikfestspiele Saar im Konzert in der Industrieanlage zusammen.

Die Proben laufen auf Hochtouren. Die Frage ist nur: Wo kann sich in dieser Zeit ein ganzer Chor treffen? Und dann noch singen? Bernhard Leonardy, Dirigent und künstlerischer Leiter der Musikfestspiele Saar, hat eine Möglichkeit gefunden: Am Saarbrücker Staden, idyllisch an der Saar gelegen, aber akustisch fordernd wegen der Autobahn.

Bettina Rau hat eine dieser Proben besucht und erlebte hoch motivierte Sängerinnen und Sänger, die nach der Probe auf der schwimmenden neuen Bühne „Encore“ auftraten. Am 24. September wird Haydns "Schöpfung" dann in großer Besetzung und mit Orchester in den alten Gusswerken in Brebach aufgeführt - ein spannender Ort, an dem sich Industriekultur mit einer groß angelegten musikalischen Huldigung unserer Schöpfung verbinden soll.


Schwermütige Szenen auf dem Revier - Franz Zolnhofer im KuBa

Fritz Zolnhofer ist einer der bedeutenden Maler saarländischer Industriekultur. Mit dunkeltonig schwermütigen Szenarien gestaltete der Maler vor allem in den 1920er und 30er Jahren in authentischen Milieuschilderungen Lebensbilder von Berg- und Hüttenarbeitern, wie auch der regionalen Industrielandschaft. 14 Jahre nach der letzten Zolnhofer Ausstellung zeigt die Galerie im Saarbrücker KuBa nun kaum bekannte Werke aus der Kunstsammlung des Saarlandes und Bilder aus Privatbesitz.

Auch wenn vor allem seine Werke aus den Nachkriegsjahren immer wieder zu Diskussionen über ihre künstlerische Qualität führen: Der 1896 geborene Maler gehört zu den wichtigsten Künstlerpersönlichkeiten des Saarlandes. Aufgewachsen ist er in Sulzbach und studierte in Stuttgart und München Kunst. 1931 zog er nach Saarbrücken und verbrachte hier das Ende der Saargebietszeit sowie die nationalsozialistischen Jahre. Seine Aquarelle der Westwall-Bunkeranlagen wurden in der Nazi-Zeitschrift "Die Westmark" hymnisch besprochen. Wie ist das Werk des Chronisten des Industriereviers also einzuordnen? Uwe Loebens hat sich die Ausstellung mit Werken des Kunstpreisträgers des Saarlandes 1961 angeschaut.


Von Kindern und Heavy Metal Rockern - die Autorin Juma Kliebenstein

In ihrem neuen Buch erzählt Juma Kliebenstein von drei Geschwistern, die eine Woche sturmfreie Bude haben. Bis heute merkt man der Kinderbuchautorin an, dass sie gerne Kind gewesen ist. Geschichten über diese Zeit zu erzählen macht sie glücklich.

Eigentlich hat sie einen "richtigen" Beruf gewählt. Juma Kliebenstein ist Lehrerin für Deutsch und Englisch. Den hat sie allerdings nur fünf Monate durchgehalten. Dann ist sie Schriftstellerin geworden. Sie packt ernste Themen in einem unaufgeregt normalen Ton an; körperliche Behinderungen zum Beispiel. Warum sollte man mit einer Beinprothese nicht Fußball spielen können? In ihrem neuen Buch "7 Tage sturmfrei" erhalten die drei Geschwister Besuch von ein paar Rockern. Aber, so lautet eine der Weisheiten aus dem Buch, Heavy Metal Rocker sehen zwar böse aus, können aber sehr nett sein. Harriet Weber-Schäfer hat die umtriebige Schriftstellerin getroffen.


Seid wild! - Ein Ausblick auf die 21. Kinder- und Jugendbuchmesse

Wildnis, Wildheit, Klimawandel sind Themen der 21. Kinder- und Jugenbuchmesse in Saarbrücken. Gerade nach über einem Jahr Corona, in dem Kinder besonders ruhig und diszipliniert sein mussten, will die Messe mit ihrem Motto "wild werden!" ein Gegengewicht schaffen.

Vom 13. bis 16. Oktober findet im Saarbrücker KuBa die 21. Europäische Kinder- und Jugendbüchermesse statt. Geplant sind Lesungen von Autoren und Illustratoren aus vielen Ländern Europas: Deutschland, Frankreich, Portugal, Spanien, Luxemburg, Irland, Tschechien, den Niederlanden und der Schweiz. Außerdem wird der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis verliehen.

Über die Höhepunkte der Messe, besondere Veranstaltungen und die Anforderungen, in der Pandemie eine Messe zu veranstalten informiert der Leiter der Messe, Igor Moritz-Holland, im Studiogespräch mit Christine Alt.


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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