Wir im Saarland - Kultur extra (14.07.2021)

Wir im Saarland - Kultur extra

 

Ein Gefühl, das jeder kennt: Man hört einen Song, eine klassische Melodie, ein Chanson, und fühlt sich automatisch in eine bestimmte Situation, in eine andere Lebensphase versetzt. Erinnerungen steigen an die Oberfläche. Die Filmemacherin Sarah Moll hat für "Wir im Saarland – Kultur“ fünf Menschen im Saarland nach ihrem Song gefragt – und die Geschichten dazu ins Bild gesetzt. In dieser Sendung zeigen wir Ihnen fünf Folgen der Serie.

Sendung: Mittwoch 14.07.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Klaus Trenz (Foto: SR)

P.T. aus Arizona "Lieder des Lebens“

In der ersten Folge stellt Sarah Moll den Song des Liedermachers Franz-Josef-Degenhardt "P.T. aus Arizona“ in den Mittelpunkt.

Er erzählt die Geschichte des in Kaiserslautern stationierten Indianers und US-Soldaten P.T., der nach Vietnam in den Krieg eingezogen werden soll. In ganz Deutschland, auch in Saarbrücken, bildeten sich in den 60er Jahren Gruppen, die amerikanische GIs unterstützten, die dem Einsatz entgehen wollten. Klaus Trenz war einer derjenigen, die nach Kaiserslautern zur amerikanischen Kaserne fuhren und Flugblätter mit dem Slogan "Make Love in Paris, not War in Vietnam“ über den Zaun warfen. Ein Aufruf, zu desertieren, und gleichzeitig eine regelrechte Gebrauchsanweisung. Und so kam es, dass GIs an Saarbrücker Haustüren klingeln kamen, wo man ihnen half, über die grüne Grenze nach Frankreich zu fliehen; denn dort drohte ihnen – anders als in Deutschland – nicht die Auslieferung.


Schilans "Lied des Lebens"

In der zweiten Folge steht "Chöre" von Mark Forster als das Motivations- und Gute-Laune-Lied der elf Jahre alten Schilan Al-jaaf im Mittelpunkt. Ein Song, den sie sich anhört, wenn sie traurig ist, weil er sie sofort fröhlich stimmt.

Schilan lebt in Saarbrücken und ist stolz auf ihre Herkunft aus drei Ländern: Sie sieht sich als Araberin, Kurdin und Deutsche und setzt sich mit dem Umgang mit Menschen aller Religion auseinander. Ihr Berufswunsch steht schon fest: Weil sie Chirurgin werden will, plant sie ihre Schullaufbahn genau. Dass sie bei aller Ernsthaftigkeit ein lebensfrohes Kind ist, wird in dieser mit Trickfilmanimationen angereicherten Folge der neuen Serie "Lieder des Lebens" aber auch klar.


Lieder des Lebens: Ikbal Berber und "Gezi Park" von Fazil Say

In Folge 3 erzählt Ikbar Berber von dem Komponist und Pianist Fazil Say, der Musik zu den Bürgerprotesten 2013 im Istanbuler Gezi-Park geschrieben hat. Ikbal Berber war bei diesen dabei und hat Says Musik in Saarbrücken gehört. Wunderbar melancholisch ist die Musik, die der türkische Komponist und Pianist geschrieben hat, als die Augen der Welt auf sein Heimatland gerichtet waren: Im Juni 2013 versammelten sich tausende Menschen am Gezi-Park in Istanbul, um für die Erhaltung der Bäume einzutreten.

Der friedliche Widerstand wurde mit brutaler Polizeigewalt niedergeschlagen. Fazil Say schrieb in den folgenden Jahren unter dem Titel "Gezi Park" drei Werke, von denen er eines im Frühjahr 2018 auch in Saarbrücken spielte. Seitdem Oppositionelle in der Türkei verhaftet werden, schweigt Fazil Say und führt seine Stücke zwar auf, erlaubt aber keine Filmaufnahmen der drei Gezi-Stücke. Bei seinem Konzert stieg die Erinnerung an die bewegenden Tage im Jahr 2013 wieder lebhaft in Ikbal Berber auf. Die Filmemacherin Sarah Moll hat Ikbal Berber ihre Erinnerungen für die Serie " Lieder des Lebens" geschildert.


Manu Meta rappt vom hartgekochten Landei

Der saarländische Rapper Manu Meta erzählt in Folge 4 von dem, was ihn musikalisch bewegt. „Anstatt Beats pick ich bald wieder Würmer in Omas Garten, in all den Jahren meine Wurzeln nie verraten.“ Für den saarländischen Rapper Manu Meta gibt es nicht das eine Lied, das eine besondere Begebenheit seines Lebens erzählt; wer genau hinhört, entdeckt in all seinen Texten, was ihn bewegt. Nach Jahren, in denen er in der Welt unterwegs war, ist er seit einiger Zeit wieder ganz bodenständig im Saarland anzutreffen, wohnt sogar im Haus der Großeltern in Blieskastel: „Geboren als Ei vom Land, wildgewachsen, hart gekocht – die Flügel weit gespannt.“ Folge 4 der „Lieder des Lebens“.


Ein Deutsches Requiem und die erste Liebe

Folge 5 führt zu Brahms. Ausgangspunkt war die Liebe ihrer eigenen Großmutter Lore zu Brahms Requiem. Erst im Alter von 97 Jahren vertraute sie ihrer Enkelin an, dass diese Musik sie mit ihrer ersten Liebe verbindet, mit ihrem Verlobten Loisl. Als sein Bruder Hans im Zweiten Weltkrieg fällt, bittet der Trauernde seine Lore, ihn in Potsdam zu einem Brahmskonzert zu begleiten. Kurz nach der Verlobung zieht Loisl dann selbst ins Feld – und kommt in der Kesselschlacht von Demjansk 1942 ums Leben.

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