"Brücke"-Ausstellung im Saarlandmuseum (Foto: SR)

Wir im Saarland - Kultur

 

Ein Blick in die begeisternde "Brücke"-Ausstellung im Saarlandmuseum, die leider im Lockdown (noch) nicht zu besichtigen ist, dazu ein Gespräch mit der Museumschefin Andrea Jahn und der Auftritt der quirligen Jazzsängerin Kirsti Alho in Luxemburg sind in dieser Woche die Themen in "Wir im Saarland- Kultur".

Sendung: Mittwoch 10.02.2021 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Musikalischer Trost – Kirsti Alho in Luxemburg

"So komme, was da kommen mag", heißt es optimistisch im Gedicht "Trost" von Theodor Storm. Texte des Husumer Dichters bilden die Grundlage eines literarisch-musikalischen Programms der Jazzsängerin Kirsti Alho. Ein Lichtblick: Trotz Lockdown in Deutschland durfte sie es in Luxemburg aufführen.

Sie wohnt seit rund 30 Jahren im Saarland, ist Komponistin, Arrangeurin, Pädagogin. Und: Kirsti Alho ist eine der experimentierfreudigsten Musikerinnen an der Saar. Vielseitig ist sie; 1996 machte sie sogar einen Ausflug ins Schlagerhafte mit dem Titelsong" Dein neues Land" zum saarländischen Tatort" Der Entscheider". Dazu versprüht sie meistens gute Laune. Auch in Zeiten der Pandemie? Wie die meisten Musiker*innen ist sie von Coronabeschränkungen hart getroffen - auch wenn ihr Teilzeitjob an der Musikschule Kaiserslautern zumindest finanziell hilft. Mit ihrem Programm "Der Klang der Lyrik" wurde sie zusammen mit Sascha Ley, Kaori Nomura und Julien Blondel ins Institut Pierre Werner nach Luxemburg eingeladen. Ein stimmungsvoller Abend, bei dem die letzte Zeile des Gedichtes "Trost"-Hoffnung macht: "Ich sehe die Schatten der Zukunft nicht".


Gegenentwurf zum Bürgertum – "Brücke"-Maler im Saarlandmuseum

Anfang des 20. Jahrhunderts sprengte das Künstlerkollektiv "Die Brücke" die Konventionen des Bürgertums. In der Moderne Galerie in Saarbrücken hängt seit November eine Brücke-Ausstellung und hofft, überhaupt noch eröffnet zu werden. "Wir im Saarland - Kultur" wartet nicht länger und stellt die Schau vor.

Langsam werden die Stimmen des Unverständnisses lauter: Museen verstehen nicht mehr, warum sie ihre Türen nicht wieder öffnen dürfen. Es gibt wenige Orte, die besser belüftet sind und Besucherströme schon beim Verkauf der Tickets beschränken können. Auch Andrea Jahn, die Vorsitzende der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz und Chefin des Saarlandmuseums, erhebt ihre Stimme. In Saarbrücken hat es sie besonders hart getroffen: Die Ausstellung der "Brücke"-Maler sollte von November bis Anfang März gezeigt werden - also exakt in der Zeit der härtesten Wintermonate und des Lockdowns. Mittlerweile konnten die Leihgeber überzeugt werden, ihre Werke bis Anfang April in Saarbrücken zu lassen; aber wenn es hart auf hart kommt wird diese Ausstellung überhaupt nicht mehr eröffnet werden können; und selbst wenn wird vermutlich nicht jede oder jeder ein Ticket bekommen können.

Das finden nicht nur die Museumsmacher sehr traurig. Unser Autor Uwe Loebens freut sich, dass er das Saarlandmuseum betreten darf und stellt die seiner Meinung nach sehr gelungene Schau vor.

Zu Gast im Studio

Andrea Jahn - Kunsthistorikerin und Museumsdirektorin

Die Direktorin des Saarlandmuseums ist zu Gast im Studio und spricht über die derzeitige Situation der Museen


Mon Trésor – Folge 10: Ottweiler Porzellan

Ein Baum, eine Taschenuhr oder eine alte Fotografie -all das kann von großem persönlichen Wert sein. Die Ausstellung "Mon Trésor" stellt solchen persönlichen Gegenständen kulturgeschichtliche Schätze aus der Großregion gegenüber. Wir heben in jeder Sendung einen dieser Schätze, mindestens so lange, bis die Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte endlich eröffnet werden kann: Diese Woche: Ottweiler Porzellan.

In diesem Spiel um Geschäft und Gefühl sind die Hauptakteure: Fürst Wilhelm Heinrich und seine Gemahlin Sophie Erdmuthe. Oft waren sie unterwegs von ihrer Residenz Saarbrücken nach Ottweiler. Dort hatten sie eine Porzellan-Werkstatt eingerichtet, eine wahre Wunderkammer. Von ihr führen heute Spuren in die ganze Welt, sogar nach Übersee. Die renommiertesten Museen der Welt besitzen kostbares Geschirr aus Ottweiler. Der Saarbrücker Fürst hatte die besten Porzellanmacher und -maler Europas eingestellt.


Besserstädter und Bauernlümmel – Vom großen Missverständnis zwischen Stadt und Land

Viele Städter entdecken gerade notgedrungen das Land, was soll man auch sonst machen? Doch unsere ländischen Regionen gelten oft als strukturschwach, abgehängt und hinterwälderisch. Das Land wird in Deutschland zunehmend als Pendlerschlafstäte, als Naherholungsdomizil verstanden, aber nicht unbedingt als schützenswerter Lebensraum, mit Landwirtschaft, die es zu erhalten gilt. Die Städter regen sich auf über Monokulturen und konventionelle Landwirtschaft, bashen die Bauern fürs Bienensterben und die Nitratverschmutzung im Grundwasser. Dabei vergessen sie nur zu gerne, dass die Landwirte tagtäglich einen bitteren Existenzkampf führen und dass auch der Klimawandel und das Artensterben nur dann aufzuhalten sind, wenn sie harte Arbeit auf dem Land angemessen entlohnt wird.

Aber es formiert sich gerade im ganzen Land ein regelrechter "Bauernaufstand", der aufmerksam machen will auf diese Situation. Was passiert, wenn landwirtschaftliche Strukturen ländische Regionen und die Menschen, die dort arbeiten und leben, immer mehr aus dem realistischen Blick geraten? Wir trafen die Journalistin Uta Ruge, die in ihrem gefeierten Sachbuch "Bauern, Land" den Entwicklungen in ihrem Heimatdorf nachgeht. Und wir sprechen mit dem Kulturgeografen Werner Bätzing, der mit "Das Landleben" ein Standardwerk verfasst hat, das klar macht, warum es in unser aller Sinne ist, das Landleben zu schützen.


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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