Wir im Saarland - Kultur (16.12.2020)

Wir im Saarland - Kultur

 

Ein digitaler Adventskalender der Deutschen Radiophilharmonie lädt zum Mitmachen und Mitschnippen ein, der Autor und Theologe Jörg Metzinger hat mit seiner literarischen Figur Jörg Sutter nicht nur das Berufschristensein gemeinsam und mit 86 Jahren verabschiedet sich Jo Enzweiler vom Saarlouiser Institut für Aktuelle Kunst.

Sendung: Mittwoch 16.12.2020 18.50 Uhr


Die Themen in der Sendung


Bitte cool mitschnippen – der musikalische Adventskalender der DRP

Advent ist die Zeit, in der Kinder auch in Grundschulen gerne Weihnachtslieder singen. Das allerdings ist in Zeiten von Corona nicht so einfach möglich – denn Singen birgt ein hohes Ansteckungsrisiko. Warum nicht einfach summen oder den Rhythmus klopfen – dachte sich die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken – Kaiserslautern, und hat einen digitalen Adventskalender für Grundschüler entwickelt.

Die Orchesterpädagogin Ingrid Hausl kommt auf die Bühne, fordert die Schülerinnen und Schüler auf, sich zu erheben und mitzuschnippen, Dann setzen die Bläser ein mit dem "Empty Stage Blues", also dem "Leere-Bühnen-Blues". Aufgezeichnet wurde das Video am Saarländischen Rundfunk, nun sehen es die Grundschulkinder in der Klasse oder zu Hause, können mitmachen und sich auf diese Weise ein wenig auf Weihnachten freuen. In seiner Reportage ist Chris Ignatzi auf begeisterte Kinder und Lehrer gestoßen. Den Machern des musikalischen Adventskalenders mit den Bläsern der Radio Philharmonie ist es wichtig, sich von den vielen Online-Angeboten, die es derzeit gibt, zu unterscheiden, indem sie nicht nur Videos zum passiven Konsumieren machen, sondern zum aktiven Mitmachen einladen. Und das weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus.


Nachdenken über weihnachtliche Lichter und Schaufenster im Jahr 1961

Wild toupierte Frisuren, Miniröcke, alte Automarken - Aufnahmen aus den 1960er Jahren wecken nostalgische Gefühle und bei vielen ja sogar noch Kindheitserinnerungen. In der SR Mediathek werden einige 100 dieser Film – und Radioschätze jetzt allen zugänglich gemacht. Wir heben einige besonders schöne Beiträge noch mal ins Fernsehen. Am 21. Dezember 1961 sinnierte die SR-Abendschau fast schon philosophisch über andächtige Lichter und weihnachtlich gestaltete Schaufenster.

Zum UNESCO Welttag des Audiovisuellen Erbes haben die ARD-Landesrundfunkanstalten und Das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) das Projekt Retro gestartet - eine Sammlung von Fernsehbeiträgen aus den 1950er und 1960er Jahren. Es soll Einblicke in die "frühe Fernsehberichterstattung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR geben". Retro ist mit 9000 Videobeiträgen gestartet und soll in Zukunft kontinuierlich ausgeweitet werden. Die Videos werden in der ARD Mediathek online gestellt und damit allen zugänglich gemacht.


Ruhestand? Jo Enzweiler zieht sich zurück

Er ist ein wichtiger Vertreter der Konkreten Kunst in der Großregion. Mitbegründer der Hochschule für Bildende Künste Saar, und er hat mit dem Institut für Aktuelle Kunst in Saarlouis dem Werk und den Nachlässen hiesiger Künstler einen Ort gegeben: Jo Enzweiler. Mit 86 Jahren will er sich nun von seiner Tätigkeit am Institut zurückziehen.

Fast dreißig Jahre hat Jo Enzweiler die Arbeit des Instituts für Aktuelle Kunst mitgeprägt, sich beständig um die Vermittlung zeitgenössischer Kunst gekümmert, sowie Künstlerinnen und Künstler gefördert. 1993 war das Institut auf Betreiben Enzweilers gegründet worden, da war er schon fast 60 Jahre alt. Bis heute hat er engagiert weiter gearbeitet, von Ruhestand war keine Rede - und so ganz aufhören mit der Kunst möchte er auch mit 86 Jahren nicht. Uwe Loebens, selbst Schüler von Jo Enzweiler, hat ihn besucht und würdigt eine lebende Legende der Kulturszene der Großregion.


Jörg Sutter und sein Erfinder Jörg Metzinger

Sicher kein Zufall: Herr Sutter heißt mit Vornamen Jörg, ist Berufschrist, und hat lange auf ein Spenderherz gewartet. Die Parallelen zu dem Saarbrücker Pfarrer Jörg Metzinger liegen auf der Hand. Allerdings hat der 1962 geborene Theologe, Bluesfan und Mitbegründer der "Bunt statt Braun"-Bewegung noch eine Menge mehr zu erzählen als biografisches.

Zum Beispiel vom "Spasti-Sebasti" oder der milchkaffeefarbenen Emily, Kinder, die im Wohlstandsambiente der 90er Jahre aufgewachsen sind, und mit denen Pfarrer Sutter immer wieder zu tun hat – auch beruflich. Nach "Herr Sutter und seine Schwestern" – eine Kurzgeschichte über 424 Tage "Wartehaft", wie Metzinger den Aufenthalt in der Heidelberger Universitätsklinik nennt - ist nun "Herr Sutter und diese Kinder" im Geistkirch-Verlag erschienen. Uwe Loebens stellt den Autor und die Geschichten von Herrn Sutter vor.


Corona zum Kuscheln? Katharina Krenkel häkelt Krankheitserreger

Katharina Krenkel sagt von sich, dass sie bei allem einen fröhlichen Aspekt finde. Und weil ernst das Leben ist, aber heiter die Kunst, begann sie Coronaviren zu häkeln. Die sehen aus wie Kuscheltiere.

Als Künstlerin ist sie bekannt für ihren hintersinnigen Humor. Schon vor vielen Jahren, als sie begann Unterwäsche für Steine oder Brüste als Topflappen zu häkeln spielte sie ironisch mit Geschlechterrollen. Diese erfrischende Ironie ist ihr geblieben - obwohl man ihr wegen der Coronapandemie sechs Ausstellugen abgesagt hat. Als Künstlerin hat Katharina Krenkel es in diesen Zeiten schwer.

Jammern kann sie aber gerade nicht mehr hören, denn viele Branchen hätten es gerade schwer. Im Internet hat sie nach Elektronenmikroskopbildern von Viren gesucht, war erstaunt über die Schönheit von gefährlichen Krankheitserregern und - häkelt diese nun. "Wenn man die Dinge verbildlicht, hat das etwas von Gefahr bannen", sagt Katharina Krenkel. Harriet Weber-Schäfer hat sich mit ihr in die Welt der gehäkelten Krankheitserreger gewagt.


Moderation: Verena Sierra

Verena Sierra (Foto: Pasquale D´Angiolillo)

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