Wir im Saarland - Kultur (24.06.2020)

Wir im Saarland - Kultur

 

Ein Gespräch mit Andrea Jahn, der neuen Leiterin des Saarlandmuseums, ein Blick auf die Saarbrücker Kulturszene, die nicht nur wegen Corona in Bewegung ist und ein Blick auf das Social Distancing Art Festival sind Themen in dieser Woche.

Sendung: Mittwoch 24.06.2020 18:50 Uhr


Die Themen der Sendung


Klingende Kartons in der Saarbrücker Stadtgalerie

Kischde unn Kaschde - sagt der Saarländer gerne, wenn es sich um ein gepflegtes Chaos handelt. Auf den ersten Blick mag bei der Kunst von Zimoun dieser Gedanke aufkommen - bis man die Zwischentöne wahrnimmt.

Er schichtet und wirft Pappkartons übereinander - alle versehen mit Geräuscherzeugern. Der Schweizer Zimoun schafft aus industriell gefertigten Alltagsmaterialien Installationen und verwandelt damit die Räume der Stadtgalerie in Klangräume. Dabei arbeitet er mit motorbetriebenen akustischen Systemen, in denen die strenge Ordnung und das lebendige Chaos spannungsvoll aufeinandertreffen. Seine Arbeiten sind zu besichtigen neben der Installation " Summer of Love" von Douglas Henderson. Die besteht aus 19 riesigen, bis zu 250 cm hohen künstlichen Blumen, deren Blüten Lautsprecher sind. Eine musikalische Choreografie des Garten - Harriet Weber-Schäfer hat die Ausstellung der beiden Künstler besucht.


Unkonventionelle Positionen - Andrea Jahn wird Chefin des Saarlandmuseums

Ab dem 1. Juli übernimmt Andrea Jahn die Nachfolge von Roland Mönig als Direktorin des Saarlandmuseums. Seit 2012 war sie Leiterin der Stadtgalerie Saarbrücken und weckte mit Ausstellungen wie "In the cut" über den männlichen Körper aus Sicht von Künstlerinnen bundesweit Interesse. Laut Kulturministerin Christine Streichert-Clivot hat sich Andrea Jahn "mit einem überzeugenden, innovativen und frischen Zukunftskonzept in einem sehr guten Bewerberfeld durchgesetzt". Andrea Jahn sagt, dass sie als Direktorin der Stadtgalerie in den letzten acht Jahren Saarbrücken als eine Stadt kennengelernt habe, "in der man unkonventionellen künstlerischen Positionen und mutigen Ausstellungskonzepten zu aktuellen Fragestellungen mit Neugier und Aufgeschlossenheit begegnet". Wir sprechen mit ihr über ihre Pläne.


Wie es mit der Saarbrücker Kulturszene weitergeht

Mit seiner Streichung der Fördergelder für die Kulturzeitschrift " Saarbrücker Hefte" hat Oberbürgermeister Uwe Conradt für Unnmut in der Kulturszene gesorgt. Das ist nicht seine einzige diskussionswürdige Entscheidung.

Er sieht Saarbrücken zwar als "kulturelles Zentrum des Saarlandes" und sein Ziel ist die "Sicherung des Fortbestandes der Kulturszene in der Landeshauptstadt". Doch das, was Oberbürgermeister Uwe Conradt als Konsequenz daraus zieht, wirft Fragen auf. Gerade hat er einen begrüßungswerten Sozialfonds für die coronagebeutelten Kulturschaffenden der Stadt eingerichtet. Die Frage ist nur: Wer profitiert davon? Darüber hinaus geht Thomas Altpeter, langjährige Mitarbeiter des Kulturamtes in Ruhestand. Er hat sich immer engagiert auch für experimentellere Kunst abseits des Mainstreams eingesetzt. Wie es weitergeht mit der Saarbrücker Kulturszene berichtet Uwe Loebens.


Kunst im Netz - Social Distancing Art Festival

Eigentlich wollte Eugen Georg seine zweite Ausstellung eröffnen - dann kamen Corona und Shutdown. Statt der nicht besuchbaren Ausstellung nachzutrauern, gründete er mit Hüseyin Mert und Christian Schulz das Social Distancing Art Festival".

Sie wollen sichtbar machen, was Künstler in der Krise beschäftigt. Also programmierten die drei Kulturschaffenden eine Website und riefen Künstler auf, Arbeiten einzureichen, die sich mit den veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Krise auseinandersetzen. Ihr Aufruf in den sozialen Netzen ist viral gegangen, und es gibt mittlerweile über 500 Einreichungen, u. a. aus dem Iran, der Dominikanischen Republik, der Türkei, aber auch einige von Saarländischen Künstlern. Die besten sammelten Georg, Mert und Schulz auf ihrer Webseite. Daraus ist eine virtuelle Corona-Ausstellung entstanden, die den Zeitgeist auf vielfältige Art und Weise widerspiegelt.


Streiter für den guten Geschmack - eine Erinnerung an Jovi Güth

Er nahm selten ein Blatt vor den Mund und stritt für das seiner Meinung nach Richtige und Notwendige. Der Geograph und ehemalige Mitarbeiter des Institutes für Landeskunde Jovi Güth. Eine Erinnerung.

Wenn die Bezeichnung Kulturmensch auf einen Saarländer zutrifft, dann auf Jovi Güth. Jahrzehntelang hat er sich als Verfechter des guten Geschmacks und Denkmalschützer in das Kulturleben seiner Heimat eingebracht. Ob es um die aus seiner Sicht fürchterlichen Plätze Saarbrückens, den geschmacklosen Bauwahn in Neubaugebieten oder die stiefmütterliche Behandlung Saarbrücker Treppen waren. Ende Mai ist der streitbare Geist im Alter von 83 Jahren gestorben - Wir im Saarland Kultur erinnert an ihn mit einem beherzten Gang durch Saarbrücken Mitte der 90er Jahre.


Moderation: Isabel Sonnabend

Isabel Sonnabend (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

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