Dr. Ralf Beil (Foto: Pressefoto/Weltkulturerbe Völklinger Hütte)

Wir im Saarland-Kultur

 

Wir im Saarland-Kultur stellt zum Amtsantritt Ralf Beil, den neuen Generaldirektor des Weltkulturerbe Völklinger Hütte vor. Aber die Stadt hat mehr zu bieten, als das Weltkulturerbe: Der Verein "Kulturgut" bringt Kreatives in die Stadt, und Jupp Feilen kümmert sich quirlig seit vielen Jahren um die dortige Jugendkultur.

Sendung: Mittwoch 10.06.2020 18:50 Uhr


Die Themen der Sendung


Ein "mutiger Macher" in Völklingen

Ralf Beil sei - so der Aufsichtsrat des Weltkulturerbes - "ein mutiger Macher", der zur Vermittlung der Industriekultur im Saarland neue Ansätze, auch grenzüberschreitend, entwickeln solle. Jetzt hat der neue Generaldirektor in der Völklinger Hütte seinen Dienst angetreten.

Mut wurde dem Kunsthistoriker Ralf Beil schon in seiner Zeit als Chef des Kunstmuseums Wolfsburg bescheinigt. Mit einer kritischen Ausstellung über die Geschichte des Volkswagenkonzerns geriet in die Kritik, sein Vertrag wurde 2018 gekündigt. Seitdem arbeitete Ralf Beil frei. Seinem Anspruch, den er zu Beginn seiner Tätigkeit in Wolfsburg formulierte, will er auch in Völklingen treu bleiben: "Besucher dürfen sich freuen auf Grenzüberschreitungen in jeder Hinsicht, ich möchte hier Ausstellungen machen, die mit Musik spielen, mit Film, mit Skulptur, mit Malerei, die das Ganze verbinden, wenn man so will in einem Gesamtkunstwerk, das ein tieferes Verständnis, für unsere Welt, für Geschichte und Gegenwart tatsächlich erreicht werden kann." In Bezug auf das Weltkulturerbe Völklingen bedeutet das: Ralf Beil möchte fokussieren auf generationsübergreifende Ausstellungen und Events, Festivals und die Geschichte der Hütte. Uwe Loebens hat Ralf Beil in seiner neuen Wirkungsstätte, dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte, besucht.


Völklinger Jugendfestival  (Foto: SR)

Samba im Weltkulturerbe und pulsierende Jugendkultur

Völklingen hat eine der agilsten Jugendkulturszenzen der Region. Mit aufgebaut hat diese seit den 70er Jahren Jupp Feilen. Als Musiker und Kulturveranstalter. Ein Blick in Vergangenheit und Gegenwart.

Jupp Feilen stammt aus Völklingen, wohnt dort und unterrichtet am dortigen Albert-Einstein-Gymnasium, Deutsch und Politik. Daneben war der Musiker in Bands wie "Stanley" oder "Nuttin Toulouse", hat die Samba-Percussio-Gruppe "Ramba Samba" und die Völklinger "Drumlins" gegründet. Außerdem komponierte und arrangierte er für die "Techno-Samba" mit 50 Percussionisten und zwei DJ's auf dem "Industrial Culture"- Festival im Weltkulturerbe Völklinger Hütte. Aktiv und quirlig ist er noch immer und ist mit Chris Ignatzi durch Völklingen gestreift.


Interview mit Traudel Bennoit über den Verein "Kulturgut"

Mit Kultur in Völklingen verbindet man in erster Linie das Weltkulturerbe. Doch es gibt noch viel mehr. " In der Stadt leben Menschen mit vielfältigen, auch kulturellen Bedürfnissen", sagt der Verein"Kulturgut" -und fördert seit rund 25 Jahren Musik, Literatur und Bildende Kunst.

Mehr als 1000 Besucher kamen durchschnittlich zu den Sommer-Open-Airs in Völklingen. Die werden dieses Jahr nicht stattfinden, aber der veranstaltende Verein ist auch in Coronazeiten aktiv. Virtuelle Ausstellungen mit Völklinger Künstlern beispielsweise gibt es auf der Homepage von "Kulturgut". Darüber hinaus werden Projekte mit Literaten, Musikern und Tänzern präsentiert. Über dies und die aktuelle Situation der Kulturtreibenden in Völklingen spricht Moderatorin Verena Sierra mit Traudel Bennoit.


Kulturort mit dem Charme von Hogwarts

"Wichtig ist, dass man nicht aufhört zu fragen, sagte Albert Einstein und dieses Motto hat sich das nach dem Nobelpreisträger benannte Gymnasium als Motto gegeben. Eine Völklinger Schule, die unter anderem mit einem Informatikschwerpunkt den Naturwissenschaften verpflichtet ist. Aber auch eine Schule, die als Kulturort humanistischen Idealen verbunden ist.

Poetry Slam Aktionen und praktische Pflege der Literatur werden groß geschrieben, und die Bandklasse bereichert mit Projekten wie "Meet Klezmer" in der Synagoge oder Auftritten zusammen mit dem Verein 2. Chance das kulturelle Leben. Nicht nur das ist in Zeiten von Corona nicht möglich. Auch Schulveranstaltungen wie die Abi-Feier sind abgesagt. Was macht das mit den Schülern, denen wichtige Erfahrungen ihres jungen Lebens verloren gehen? Karsten Neuschwender ist mit der Direktorin Doris Simon durch das altehrwürdige Gebäude gegangen, dass Schulneulinge mit seinem Charme von Harry Potters Hogwarts in Bann schlägt, und Johann Hütter, der in diesem Jahr beim Literatur-Wettbewerb "Wortsegel" prämiert wurde.


Klaus Trenz (Foto: SR)
Klaus Trenz

P.T. aus Arizona - und eine Geschichte aus dem Warndt-Wald

Ein Gefühl, das jeder kennt: Man hört einen Song, eine klassische Melodie, ein Chanson, und fühlt sich automatisch in eine bestimmte Situation, in eine andere Lebensphase versetzt. Gefühle und lang vergessene Erinnerungen steigen an die Oberfläche. Die Filmemacherin Sarah Moll hat für „Wir im Saarland – Kultur“ fünf Menschen im Saarland nach ihrem Song gefragt – und die Geschichten dazu ins Bild gesetzt.

"P.T. aus Arizona von Franz-Josef-Degenhardt „P.T. aus Arizona“ erzählt die Geschichte des in Kaiserslautern stationierten Indianers und US-Soldaten P.T., der nach Vietnam in den Krieg eingezogen werden soll. In ganz Deutschland, auch in Saarbrücken, bildeten sich in den Sechzigerjahren Gruppen, die amerikanische GIs dabei unterstützten, dem Kriegseinsatz zu entgehen. Klaus Trenz war einer derjenigen, die nach Kaiserslautern zur amerikanischen Kaserne fuhren und Flugblätter mit dem Slogan „Make Love in Paris, not War in Vietnam“ über den Zaun warfen. Ein Aufruf, zu desertieren, und gleichzeitig eine regelrechte Gebrauchsanweisung. Und so kam es, dass GIs an Saarbrücker Haustüren klingelten, wo man ihnen half, über die grüne Grenze nach Frankreich zu fliehen; denn dort drohte ihnen – anders als in Deutschland – nicht die Auslieferung. Sarah Moll hat mit Klaus Trenz auch den Warnd-Wald besucht, dessen grüne Grenze zu Frankreich seinerzeit wichtig für die Desertierenden war.


Moderation: Verena Sierra

 (Foto: SR)

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