Anne Seghers (Foto: SR)

Wir im Saarland - Kultur

 

In der kommenden Sendung von Wir im Saarland - Kultur gibt es Gedichte von Ulrike Bail, die die Sprache des Nähens erforscht. Außerdem geht es um neue Wege des Saarländischen Staatstheaters - zum ersten Mal gibt es das Weihnachstmärchen online und wir erinnern an ein Lieblingsobjekt der Saarländer: das Cremeschnittchen.

Sendung: Mittwoch 09.12.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte (Foto: Astrid Karger)
Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte

Weihnachtsmärchen des Staatstheaters in der SR-Mediathek

Es wäre zu schade gewesen: die Adventszeit ohne das Weihnachtsmärchen des Staatstheaters. Das bleibt bis auf weiteres leider geschlossen. Dennoch kann jeder "Donkey der Schotte und das Pferd, das sich Rosi nannte" sehen.

Es gibt Geschichten, die unsterblich sind. Don Quichotte und Sancho Panza zum Beispiel. Die gibt es in einer Version für Kinder mit eingängigen Songs; ein Abenteuer mit dem laut pupsenden Esel Donkey und dem Pferd Rosi, die im Stall von Herrn Ritter wohnen. Das Stück sollte dieses Jahr als Weihnachtsmärchen Freude in die Kinderherzen zaubern.

Da der Bühnenvorhang des Saarländischen Staatstheaters vorläufig geschlossen bleibt, hat der SR die Premiere aufgezeichnet und stellt das Stück bis zum 5. Januar als Stream zur Verfügung. Ein Angebot, das sich nicht nur an die Kinder und Familien zu Hause richtet, sondern auch an Schulen. Chris Ignatzi stellt das bezaubernde Theaterstück vor - und beobachtet, wie es die Kinder verzaubert.


Die Optimierung des Körpers und die Lebensumstände von Sportlern

In deutschen Büchern wird gemordet, was das Zeug hält. Krimis, auch Regionalkrimis haben immer noch Hochkonjunktur. In "Roter Saft" geht es unter anderem um einen saarländischen Fußballprofi - eine Kriminalgeschichte, die sich spannend von der Massenware der beliebten Literaturgattung absetzt.

„Roter Saft“ ist ein Roman, der ein brisantes Thema unserer Gesellschaft aufnimmt. Doping. Geschrieben wurde die Geschichte von einem Mann der den Künstlernamen Robert LeFaouet benutzt. Er ist Wissenschaftler und hat Bücher zum Training von Sportlern veröffentlicht.  In seinem Roman "Roter Saft" - geht es um Blut und die Möglichkeit, es zu manipulieren. LeFaouet will das Thema nicht als Skandal darstellen, sondern die Lebensumstände von Sportlern ins Zentrum rücken. Am Beispiel eines fiktiven saarländischen Fußball-Nationalspielers und einer äthiopischen Langstreckenläuferin. Maria C. Schmitt stellt das brisante Buch vor.


Mon Trésor - Folge 6: Das Cremeschnittchen

Ein Baum, eine Taschenuhr oder eine alte Fotografie - all das kann von großem persönlichen Wert sein. Die Ausstellung "Mon Trésor" stellt solchen persönlichen Gegenständen kulturgeschichtliche Schätze aus der Großregion gegenüber. Wir heben in jeder Sendung einen dieser Schätze, mindestens so lange, bis die Ausstellung im Weltkulturerbe Völklinger Hütte endlich eröffnet werden kann. Diese Woche: Das Cremeschnittchen.

Der Renault 4CV war zwar nach dem Krieg ein in ganz Deutschland beliebter Kleinwagen; aber seinen Spitznamen erhielt er an der Saar, wo besonders viele Cremeschnittchen herumfuhren. Zur Herkunft des Namens kursieren zwei unterschiedliche Geschichten. Unstrittig ist, dass er sich auf die Farbe bezog. Denn unmittelbar nach dem Krieg wurden zunächst Altbestände aufgebraucht; und da gab es wohl eine große Menge beiger Farbe, die für Fahrzeuge der Wehrmacht benutzt worden war.

Nach zwei Jahren war die Vorherrschaft des Beige vorbei und der Renault 4CV rollte in vielen Farben vom Band; aber da hatte er seinen Spitznamen schon weg. Uwe Loebens erzählt im 6. Teil unserer Serie zu Exponaten in "Mon Trésor -   Europas Schatz im Saarland" die Geschichte des Cremeschnittchens.


Von Nähten und Stichen - die Dichterin Ulrike Bail


Ob "Säumerfuß", "Muschelkantenstich" oder "Fagottstich" - viele ihrer Gedichte klingen, als kämen sie aus einer märchenhaften Welt. Dabei sind sie andererseits ganz sachlich, denn Ulrike Bail benutzt Begriffe aus der Sprache des Nähens. Und hat damit einen faszinierenden Lyrikband geschaffen.

Alles begann mit einem Schock. Ulrike Bail besuchte auf einer Frankreichreise den Ort Oradour sur Glane, der 1944 von der Waffen-SS dem Erdboden gleich gemacht wurde. "Das ist nun eine Gedenkstätte, die Ruinen blieben stehen. Und in allen Vorgärten, und auf Mauerresten standen alte, verrostete Nähmaschinen. Das hat mich so berührt und beeindruckt. Das ganze Entsetzen, was dort noch zu spüren ist, hat sich für mich in diesen Nähmaschinen konkretisiert", erzählt Ulrike Bail und schrieb daraufhin nicht nur das Gedicht "Nähmaschinen" sondern den Lyrikband "wie viele faden tief".

Es ist ein Buch, findet unser Autor Karsten Neuschwender, das vielschichtige und tiefsinnige Kunst mit Lebensnähe verbindet. Das Buch ist im Conte-Verlag erschienen. Für ihre Gedichtsammlung "statt einer ankunft" erhielt Ulrike Bail gerade den "Nationalen Literaturpreis Luxemburg 2020".


Anne Seghers (Foto: SR)
Anne Seghers

"Brennendes Licht“ - Wie sich der „Spiegel“-Redakteur Volker Weidermann Anna Seghers im mexikanischen Exil vorstellt

Es ist über 120 Jahre her, dass Netti Reiling am 19. November 1900 in Mainz geboren wurde. Und es ist über 37 Jahre her, dass die weltberühmte Anna Seghers im Sommer 1983 in Berlin starb. Mit ihren Romanen „Das Siebte Kreuz“ und „Transit“ eroberte sie sich einen Platz in der Weltliteratur.

Sie ist - wie viele linke Künstler des letzten Jahrhunderts - eine widersprüchliche Figur: Als Künstlerin in ihren besten Romanen und Erzählungen unbestechlich - als politische Kämpferin war sie oft ängstlich, hat geschwiegen oder gar Freunde im Stich gelassen. Und wie für viele linke Künstler dieser Zeit in Deutschland und Europa bedeutete der Machtantritt der Nationalsozialisten für sie den großen Bruch in ihrem Leben. Der Ort, an dem sie diesen Bruch erleben und überleben musste, war für sie Mexiko. Hier war sie von 1942 bis 1947 im Exil, das hat sie mit Schriftstellerin wie Ludwig Renn, Egon Erwin Kisch oder Bodo Uhse gemeinsam.

Der Spiegel-Redakteur Volker Weidermann untersucht in seinem Buch „Brennendes Licht: Anna Seghers in Mexiko“ (Aufbau Verlag) genau diese fünf Jahre im Leben der Anna Seghers. Es ist keine Biographie, die er verfasst hat, mit umfangreichen Quellenrecherchen, Entdeckungen unbekannter Archivfunde und Neuinterpretationen dieser so widersprüchlichen Frau - der Anhang von Weidermanns Buch umfasst ganze acht Seiten. Der Autor schreibt eher eine Art Essay. Er versucht, dem Leser zu erzählen, wie er sich das Leben der Anna Seghers in Mexiko vorstellt. Dabei rückt Weidermann Anna Seghers sehr nahe - aber erkennt er sie dadurch besser? „artour“ hat Volker Weidermann zum Interview getroffen und in den USA mit Christiane Zehl Romero gesprochen, der Verfasserin einer über 1000seitigen Seghers-Biographie. Autor: Ulf Kalkreuth

Zuhören, reden, Gedanken austauschen - und sich selbst besser verstehen


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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