Mon Tresor Lottoziehung (Foto: SR)

Wir im Saarland - Kultur

 

Diesmal stellen wir die Initiative "Quasi.live" vor, die Konzerte nicht nur in Zeiten des Shutdowns auf die Rechner der Zuschauer bringt. Außerdem werfen wir einen Blick auf das Lotto-Glücksrad, das Teil der Ausstellung "Mon Trésor" ist und erzählen die Geschichte der Ommersheimer "Russenmarie".

Sendung: Mittwoch 25.11.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Quasi.live – Konzerte in Zeiten der Pandemie

Beim ersten Shutdown im März sind sie aktiv geworden: Junge Film- und Medienmacher gründeten die Initiative Quasi.live und streamten in hoher Qualität Konzerte auf die Rechner des Publikums, dass ja leider nur von zu Hause auf dem Rechner zuschauen konnte. Im zweiten Shutdown machen sie weiter und bieten Bands aus der Großregion eine Plattform.

Es geht ihnen nicht um kurzfristige einmalige Überbrückungskredite, sondern um Hilfe zu Selbsthilfe. Statt abzuwarten und nichts zu tun, will Quasi.live Musikern eine Möglichkeit geben, sich trotz der Krise eine Öffentlichkeit im Netz zu schaffen und auf diese Weise auch Gelder zu generieren. Quasi.live ist öffentlich gefördert, arbeitet aber auch auf Spendenbasis. Chris Ignatzi hat die Macher bei einem Konzert der improvisationsfreudigen Band EFFONIA aus Saarbrücken besucht.


Der Schatz der Saarländer*innen - Folge 4: Das Glücksrad der Lottoziehung

Ein Baum, eine Taschenuhr oder eine alte Fotografie – all das kann von großem persönlichen Wert sein. Die Ausstellung "Mon Trésor" will persönlichen Gegenständen kulturgeschichtliche Schätze aus der Großregion gegenüberstellen. Wir heben in jeder Sendung einen dieser Schätze, mindestens so lange, bis die Ausstellung endlich eröffnet werden kann.

Ob die Keramikwerkstätten in Saargemünd oder die bahnbrechende Fotoausstellung "Family of Man" in Luxemburg – unsere Großregion ist reich an kulturgeschichtlichen Orten und Objekten, die viel über unsere Geschichte erzählen. Eine Auswahl davon hat das Weltkulturerbe Völklinger Hütte für das erste große Ausstellungsprojekt in diesem Jahr zusammengetragen. Entstanden sei eine "veritable Wunderkammer der Gegenwart, eine Schatzhalle der Geschichte und Geschichten aus der Mitte Europas", schwärmt Kulturerbechef Ralf Beil.

Wann die ursprünglich für den 8.11. geplante Eröffnung stattfinden wird, steht erst mal in den Sternen. Uwe Leobens stellt den Wir im Saarland – Kultur-Zuschauer*innen ausgewählte Stücke in einer Serie vor. Im vierten Teil blickt er auf das Glücksrad, mit dem in Saarbrücken viele Jahre lang die Lottozahlen ermittelt wurden.


Das Schicksal der "Russenmarie" aus Ommersheim

Als Kind glaubte die Ommersheimerin Julia Kirsch, dass "Krolik" ein saarländisches Wort für Kaninchen sei; weil in ihrer Familie alle Hasen und Kaninchen so genannt wurden. Dann fand sie heraus, dass das Wort "Krolik" Russisch, Ukrainisch oder Polnisch ist; und dass ihrer Familie im Zweiten Weltkrieg eine Zwangsarbeiterin zugeteilt war.

Maria Pytel war eine von 36 Frauen, die im Krieg in dem kleinen Dorf im Bliesgau wohnten und in der saarländischen Stahlindustrie schuften mussten – für den Krieg, denn im Deutschen Reich fehlten Arbeitskräfte. Im Saarland waren es rund 80.000, viele hundert starben. Durch ihre Verpflichtung aufs Land hatte Maria Pytel verhältnismäßig Glück, denn hier ging es den Menschen etwas besser. In der Familie von Julia Kirsch ist die "Russenmarie" noch präsent – nicht nur durch "Krolik", das Wort für Kaninchen.


Heinrich und Götz George – Zwei Leben

Die Doppelbiografie von Thomas Medicus

6. Dezember 1945, sowjetisches Speziallager Nr. 3 in Hohenschönhausen. Es ist nur ein Moment, aber er erzählt alles über das Verhältnis zwischen Heinrich und Götz George, den kleinen Jungen, der seinen Vater hier zum letzten Mal sieht. Einen gefallenen König der deutschen Bühnen und des deutschen Films, abgemagert und verwahrlost, eingesperrt, weil er sich zu sehr für die Nazis engagierte.

Der abwesende Vater, der tote Vater. Für Götz George eine Figur, an der er sich lebenslang abarbeiten wird, als Schauspieler und als Sohn. Heinrich George, Kraftprotz und Haudrauf mit Herz und Schnauzbart, der trotzdem sanft und schwach sein kann, erscheint als unerreichbares Vorbild für Götz George. Weil es den Vater als Mentor nicht mehr gibt, kauft der Sohn einen Projektor und schaut sich Filme mit Heinrich George an, hört seine Stimme auf Schallplatten. Allmählich werden sie sich ähnlich, Vater und Sohn.

Nicht nur in ihrer Körperlichkeit, auch in ihrem Spiel. In den achtziger Jahren ist Götz George wie sein Vater in den zwanziger und dreißiger Jahren das deutsche Männlichkeitsidol. Sein Kriminalhauptkommissar Horst Schimanski, kraftstrotzend, anarchisch und unkonventionell, ein neuer Typ Mann. Je größer der eigene Ruhm, umso schmerzvoller empfindet Götz George den Umgang der Deutschen mit Heinrich George. Ihre verwehrte Anerkennung dem großen Schauspieler gegenüber wegen dessen Verstrickungen in das nationalsozialistische System, kann und will er nicht verstehen. Der Sohn, der seinen Vater mit acht Jahren verlor, klagt ihn nie an.

Denn dann, und davor fürchtet er sich seit der Nachricht vom Tod des Vaters 1946, würde er ihn für immer verlieren. 
Selten haben sich in einer Doppelbiografie Lebensgeschichte und Zeitgeschichte auf eine so spannende und brillant erzählte Weise ergänzt und bedingt, erlebt man den Aufstieg und Fall eines der größten deutschen Mimen des 20. Jahrhunderts so sinnlich und facettenreich wie in diesem Buch. Die Geschichte des Sohns, der sich lebenslang mit seinem Vater auseinandersetzt, ist auch eine über Schuld und Verantwortung des Künstlers in der Diktatur.


Adventsstimmung im Jahr 1965

Wild toupierte Frisuren, Miniröcke, alte Automarken - Aufnahmen aus den 1960er Jahren wecken nostalgische Gefühle und bei vielen ja sogar noch Kindheitserinnerungen.

In der SR Mediathek werden einige 100 dieser Film- und Radioschätze jetzt allen zugänglich gemacht. Wir heben einige besonders schöne Beiträge noch mal ins Fernsehen. Zum ersten Advent 1965 stimmte das SR Fernsehen auf die Weihnachtszeit ein und diskutierte, was angemessene Schausfensterauslagen sind und ob man besser einen künstlichen oder natürlichen Adventskranz kauft?

Zum UNESCO Welttag des Audiovisuellen Erbes haben die ARD-Landesrundfunkanstalten und das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) das Projekt Retro gestartet - eine Sammlung von Fernsehbeiträgen aus den 1950er und 1960er Jahren. Es soll Einblicke in die "frühe Fernsehberichterstattung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR geben".

Das Projekt Retro startete mit 9000 Videobeiträgen und soll in Zukunft rund 40 000 Videos anbieten. Diese werden in der ARD Mediathek online gestellt und damit allen zugänglich. Uns interessieren besonders die Beiträge aus unserer Vorgängersendung "Westmagazin", dem ersten Kulturmagazin des SR.


Moderation: Verena Sierra

Verena Sierra (Foto: SR)

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja