Wir im Saarland - Kultur (21.10.2020)

Wir im Saarland - Kultur

 

Diese Woche begeben wir uns auf Spurensuche nach Alfred Döblin, dem Autor von "Berlin Alexanderplatz", und dem Expressionismus an der Saar. Außerdem begleiten wir einen Jugendworkshop zur Pflege der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm und verabschieden die Saarbrücker Kunstgalerie von Gernot Neuheisel.

Sendung: Mittwoch 21.10.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Die Erinnerung wach halten

Ein Jugendprojekt an der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm

Gedenktafeln putzen, den Löschteich reinigen und Unkrautjäten auf den Plätzen der ehemaligen Baracken des Gestapo-Lagers Neue Bremm. Dazu Filme, Diskussionen und Hörspiele. Beim Workcamp "Buddeln und Bilden" sollen sich Jugendliche aus Deutschland, Frankreich und Luxemburg mit den Verfolgten des Nationalsozialismus auseinandersetzen.

An der Neuen Bremm in Saarbrücken nutzte die Gestapo 1943 und 1944 ein Barackenlager als erweitertes Polizeigefängnis. Hier wurden so genannte Arbeitserziehungshäftlinge, politische Gefangene, Transporthäftlinge vor der „Verschubung“ in ein Konzentrationslager, „Nacht-und-Nebel-Häftlinge“, Kriegsgefangene, Sippenhäftlinge, aus „rassischen“ Gründen Verfolgte und auch "Volksgenossen“ mit kurzfristigen Disziplinierungs- und Erziehungsstrafen interniert, insgesamt 20.000 Menschen an der Zahl. Mehr als 80 Menschen kamen hier zu Tode. 2004 wurde auf dem ehemaligen Lager eine Gedenkstätte errichtet. Hier fand zum dritten Mal vom Landesjugendring ein Informations- und Reinigungsworkshop statt. Um die Gedenkstätte würdig und anschaulich zu gestalten, aber auch um bei den Jugendlichen ein Bewusstsein für die Problematik von Diktatur und Macht zu fördern. Chris Ignatzi hat das Projekt unter dem Motto "Damit kein Gras darüber wächst" besucht.


Ende einer Ära

Ein Besuch beim Galeristen Gernot Neuheisel

Seine Galerie lässt er nach dem Corona-Shutdown geschlossen. Dennoch würdigt der Saarbrücker Galerist Gernot Neuheisel die Bliesransbacher Künstlerin Julia Keller zu ihrem 80. Geburtstag. Die hat er vor 30 Jahren entdeckt.

Gernot Neuheisel hat ein Stück Saarbrücker Kunstgeschichte geschrieben. Er zeigte große Namen wie Picasso, Miró oder Kandinsky genauso wie bekannte und unbekannte Künster*innen aus der Region. Eigentlich wollte er schon 2012 Schluss machen; damals verkaufte Gernot Neuheisel seine Galerie an Benjamin Knur. Bis dahin hatte er rund 200 Ausstellungen organisiert. Angefangen hatte der ausgebildete Lithograph 1978 als Assistent einer Homburger Galerie, besuchte regelmäßig die Art Basel, lernte, sammelte Erfahrungen und eröffnete 1982 in Saarbrücken seine eigene Galerie. Ausgehalten hat er den Ruhestand nur drei Jahre, dann eröffnete er die kleine "Galerie am Staden", in der er mittlerweile wohnt. In den Räumen von Benjamin Knur zeigt er in diesen Wochen die Bilder von Julia Keller, die er seit Jahrzehnten begleitet. Sie hatte Einzel-Ausstellungen bis Luxemburg und Sylt, war beteiligt an Ausstellungen in Straßburg, Brüssel, Moskau. Maria C. Schmitt hat sich die Bilder von Julia Keller mit Gernot Neuheisel angeschaut.


Ralph Schock (Foto: SR)

Expressionismus an der Saar

Eine Spurensuche

Alfred Döblin, der berühmte Autor von "Berlin Alexanderplatz" lebte in den Wirren des Ersten Weltkriegs zweieinhalb Jahre lang in Saargemünd. Er ist zwar ein prominenter, keineswegs aber der einzige Vertreter des Expressionismus, der in der Saarregion tätig war. In seinem neuen Buch "Also heraus und weit weg" geht der ehemalige SR-Redakteur und Literaturforscher Ralph Schock auf Spurensuche.

Krieg, Großstadt, Zerfall, Angst und Weltuntergangsstimmung - das beherrschte den Expressionismus, eine wichtige Kulturepoche Anfang des 20. Jahrhunderts. Mit dem Saarland hat man diese Epoche bislang wenig in Berührung gebracht. Dabei gab es sie, die Expressionisten an der Saar. Nicht nur Alfred Döblin verbrachte einige Jahre hier, auch der Komponist Erwin Schulhoff hat zeitweise in Saarbrücken gelebt. Und dann waren da noch die Vettern Richard Maximilian und Fritz Max Cahén aus Saarlouis, Juden, die nach 1933 aus Deutschland fliehen mussten. Oder der in Neunkirchen geborene, später als Schauspieler bekannt gewordene Walter Rilla, der 1919/1920 die Zeitschrift "Die Erde" herausgab. Von ihnen handelt Ralph Schocks neues Buch, das im Conte Verlag erschienen ist und über das er im Gespräch bei Wir im Saarland - Kultur erzählt.

Zu Gast im Studio

Im Interview mit Isabel Sonnabend spricht der ehemalige SR-Reporter und Literaturforscher Ralph Schock über sein Buch „Also heraus und weit weg“. Dabei erzählt er von Künstlern des Expressionismus, die einen Bezug zur Saar-Region haben. Darunter fallen unter anderem der Komponist Erwin Schulhoff und der Bildhauer Christoph Voll. Es geht vor allem um die Frage, wie die Expressionisten die Region erlebt und diese Erfahrungen reflektiert haben.


Vor der großen Karriere?

Ein Besuch beim Odeon-Trio

Sie haben sich der hohen Kunst der Kammermusik verschrieben. Das bedeutet: Intensives Aufeinanderhören, filigranes Feilen am guten Ton und innige Zwiegespräche zwischen den Instrumenten. Das machen die drei Musiker vom Odeon-Trio in einer Perfektion, für die sie das hoch dotierte Stipendium der Hans-und-Ruth-Giessen-Stiftung bekommen haben.

Johanna Hempen, Alexander Baier und Oliver Leónard kennen sich schon von ihrer Zeit beim Bundesjugendorchester. Als Studierende an der Hochschule für Musik Saar haben sie dann das "Odeon-Trio" gegründet. Und nehmen mit diesem Namen einerseits Bezug auf das antike Gebäude Odeon, in dem musikalische Wettbewerbe ausgetragen wurden, andererseits spielt der Name an, auf die Odeon-Bar in Saarbrücken, die für die drei Musiker ein beliebter Treffpunkt war. Mit Violine, Cello und Klavier haben sich die jungen Musiker schon mehrere Preise erspielt - und erhalten nun das mit 25.000 Euro dotierte Stipendium der Hans-und-Ruth-Geissen-Stiftung. Die kümmert sich vorwiegend im Saarland um begabten Nachwuchs in den Bereichen Naturwissenschaften, Medizin und Musik. Mit dem Stipendium schafft sich das Trio erst einmal neues Bühnenequipment an. Thomas Braml hat die drei Ausnahmetalente besucht.


Moderation: Isabel Sonnabend

Isabel Sonnabend (Foto: Pasquale D'Angiolillo)

Artikel mit anderen teilen


Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja