Wir im Saarland - Kultur (14.10.2020)

Wir im Saarland - Kultur

 

Diese Woche sind wir zu Gast in St. Ingbert: Wir besuchen den Conte-Verlag und die Alte Schmelz, auf deren Gelände ein IT-Park entstehen soll und wir werfen einen Blick auf die aktuelle Situation rund um die Baumwollspinnerei.

Sendung: Mittwoch 14.10.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


IT-Innovation und Industriegeschichte - die Alte Schmelz in St. Ingbert

Die Entscheidung ist gefallen: Auf der Alten Schmelz in St. Ingbert soll ein IT-Park entstehen. Damit soll das zum Teil denkmalgeschützte Areal aufgewertet und zu einem internationalen Zentrum für künstliche Intelligenz und Cybersicherheit werden. Nicht die einzige Initiative, die das historische Gelände beleben will.

Sie wurde vor fast 300 Jahren gegründet: 1733 entstanden in St. Ingbert ein Hammerwerk und eine Eisenschmelze. Die Anlage wurde in den folgenden Jahren immer wieder erweitert, die 1750 erbaute Möllerhalle ist das älteste erhaltene Industrie-Denkmal des Saarlandes. 1988 wurden das Werk und die damit verbundene Siedlung insgesamt 12 Einzelgebäude und 30 Häuser, unter Denkmalschutz gestellt. Doch wie damit umgehen? Vor 15 Jahren hat die Stadt diesen Teil der Schmelz einem privaten Investor abgekauft und nach und nach saniert. Die Kultur ist eingezogen, und eine Initiative Ehrenamtlicher will auch Jugendlichen Geschichte und Geister der Alten Schmelz vermitteln. Jetzt hat der saarländische Ministerrat beschlossen, dass auf dem Gelände der CISPA-Innovation-Campus entstehen soll mit Start-ups aus den Bereichen Cybersicherheit und künstliche Intelligenz. Chris Ignatzi berichtet über einen der spannendsten Orte des Saarlandes.


Albert Weisgerber und St. Ingbert

Er gilt als berühmtester Künstler des Saarlandes und erlebt gerade eine Renaissance: Albert Weisgerber, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist. Seine Bilder waren zuletzt in vielen Ausstellungen über eben diesen Krieg zu sehen. Die Weisgerber-Stiftung verwaltet den Nachlass des St. Ingberter Künstlers - und sucht Möglichkeiten, die Bilder auszustellen.

Bis vor 13 Jahren zeigte die Weisgerber-Stiftung ihre Bilder im ehemaligen Landratsamt. Seither ist sie heimatlos und kann ihre Werke des wichtigen Malers nicht dauerhaft ausstellen. Sie kümmert sich um 75 Gemälde, 200 Zeichnungen und rund 1000 Archivalien. Eigentlich hoffte die Stiftung schon vor Jahren in der alten Baumwollspinnerei ein Weisgerber-Museum einrichten zu können. Doch dies ist immer noch nicht fertig. Dessen ungeachtet arbeitet die Stiftung weiter und konnte Anfang des Jahres fünf weitere Gemälde ankaufen. Nächstes Jahr soll es nun einen Kalender geben und ein virtuelles Museum wird künftig die Werke Weisgerbers für jeden im Internet sichtbar machen.


Dauerprobleme bei der Baumwollspinnerei

Eigentlich sollte sie 2013 eröffnet werden: Die denkmalgeschützte Baumwollspinnerei, die Platz bieten sollte für das Albert-Weisgerber-Museum, Galerien, Ateliers und andere Kultureinrichtungen. Doch es hakte immer wieder. Eine Geschichte voller Streit zwischen Eigentümer und Stadt. Wie ist die Situation der 1885 erbauten Fabrik heute?

Es ist ein Dauerthema: Die St. Ingberter Baumwollspinnerei sollte ein Leuchtturmprojekt werden, ein Kulturzentrum für Malerei und Veranstaltungen, direkt an der Bahnlinie von Frankfurt nach Paris gelegen. Und das Besondere: das Vorzeigeprojekt sollte auch eine vorbildliche Zusammenarbeit zwischen einem privaten Geldgeber und der Stadt sein. Das scheint gründlich gescheitert, zumindest ist der zunächst anvisierte Eröffnungstermin mittlerweile seit sieben Jahren überfällig. Immerhin verkündete der neue Oberbürgermeister im letzten Jahr, dass nun zügig fertig gebaut werden sollte. Auch das ist wieder ein Jahr her - Uwe Loebens hat sich den Stand der Entwicklung angeschaut.


Lesen in Zeiten von Corona - ein Besuch im Conte-Verlag

Die Corona-Krise hat den Conte-Verlag schwer getroffen: Büchermessen und Lesungen sind ausgefallen, was für einen kleinen Verlag bedeutet, dass er nur sehr schwer für seine Bücher werben kann. Dann geriet auch die Stammdruckerei in unruhiges Fahrwasser, so dass Verleger Stefan Wirtz eine neue Lösung suchen musste.

Die Druckmaschine in der ehemaligen Bäckerei Olk ist in Betrieb. Hierher ist der Conte-Verlag umgezogen, um seine neuen Bücher drucken zu lassen - im Zuge der Corona-Krise ist seine Stammdruckerei verkauft worden. Nur eines der Probleme, die Verleger Stefan Wirtz im letzten halben Jahr meistern musste. Durch den Ausfall öffentlicher Veranstaltungen konnte er für seine Bücher nicht so werben, wie gewohnt. Zwar sind sie über Onlinehandel erhältlich, aber auf Regionalliteratur werden die Kunden eher aufmerksam durch direkten Kontakt vor Ort. Dennoch ist nun das neue Herbstprogramm des Verlags herausgekommen, an das Stefan Wirtz optimistische Erwartungen knüpft. Isabel Sonnabend hat sich mit Stefan Wirtz in den Räumen der neuen Druckerei getroffen und wirft auch einen Blick auf die spannenden Titel der Saison.


100 Jahre süße Geschichte - das Café Kraus

Seit Generationen sind sie Treffpunkte für Literaten, Philosophen und Menschen, die einfach mal bei einer guten Tasse Kaffee miteinander reden wollen. Saarländische Kaffeehäuser wie das Café Kraus erzählen Kulturgeschichte.

Jahrzehntelang war das Café Kraus in der Mittelstadt Sankt Ingbert eine Institution. Vor rund zwei Jahren hat Konditormeisterin Marie-Christine Knapp das leerstehende Café wiedereröffnet. Seinen Namen erhielt es von Josef Kraus, der Konditorei samt Kaffeehaus 1924 gegründet hatte. Das größte Café am Ort war damals das Café Schmelzer. Auf zwei Etagen konnten die Gäste Kaffee und Kuchen genießen und im Ballsaal sogar rauschende Feste feiern. Einen regelrechten Café-Boom verdankte die Stadt der aufstrebenden Industrie. Auch der bekannte Maler Albert Weisgerber entstammte einer Bäckerei samt Gaststätte. Heute sind viele St. Ingberter froh, dass es ihr Café Kraus wieder gibt.


Moderation: Isabel Sonnabend

Isabel Sonnabend (Foto: Pasquale D'Angiolillo)
Isabel Sonnabend

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