Richter-Fenster der Abtei Tholey  (Foto: SR)

Wir im Saarland - Kultur

 

Kann die Abtei Tholey nach ihrer Wiedereröffnung zu einem Besuchermagneten werden? Was der Tänzer Mohammad Ali Deeb fünf Jahre nach seiner Flucht nach Deutschland macht; und Videokunst mit stampfenden Stiefeln von Claudia Brieske sind Themen bei "Wir im Saarland - Kultur".

Sendung: Mittwoch 23.09.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Tholey im Geldrausch? Die sanierte Abtei soll zu einem Besuchermagneten werden

Es war im letzten Jahr ein Paukenschlag: Die Abteikirche Tholey bekommt im Zuge ihrer Sanierung Fenster nach Entwürfen des wohl renommiertesten deutschen Künstlers Gerhard Richter. Nun sind sie eingebaut, die Abtei wird wiedereröffnet und die Gemeinde Tholey hofft auf einen Besucheransturm.

634 wurde die Abtei Tholey erstmals urkundlich erwähnt und gilt somit als die älteste Klosteranlage Deutschlands. In den letzten Jahrzehnten hatte sich ein Sanierungsstau angesammelt, der nun mit großer privater finanzieller Unterstützung behoben wurde. Mehr noch: Ein künstlerisch hochwertiger Einbau neuer Fenster soll die Abtei und die Gemeinde Tholey zu einem touristischen Magneten machen. Kann das funktionieren? Dieser Frage widmet sich Uwe Loebens anlässlich der ersten Veranstaltungen in der sanierten Kirche.


Symphonien für Stiefel - Claudia Brieske in St. Wendel

Ihre Stampfsymphonien beschäftigen Claudia Brieske schon seit Jahren. Es geht um Videoinstallationen, die stampfende Füße zeigen, die wiederum in Verbindung mit den Klängen des umgebenden Raumes stehen. Für ihre aktuelle Ausstellung hat die Künstlerin ihre Geräusche im Globus Handelshof St. Wendel aufgenommen.

2017 gelangen Claudia Brieske in der Saarbrücker Schlosskirche magische Momente. In einer ruhigen und andächtigen Kirche sah man auf einem Video Militärstiefel rhythmisch aufstampfen. Dazu mischte sie die Klänge der Kirchenorgel und setzte die Videoleinwand geschickt in die Nähe der Madonna, die somit zu einem wichtigen Teil wurde. Unsere "Wir im Saarland - Kultur"-Autorin Harriet Weber-Schäfer wertete diese Arbeit als "eine der spannendsten Videoinstallationen" der Saar Art, in der Künstler aus der Region ihre Werke vorstellen.

Nun berichtet Harriet Weber-Schäfer über den Zyklus "pulse - Stampfsymphonie No. 1-4" aus dem Mia-Münster Haus St. Wendel. Klang und Bild verdichten sich wieder zu einer mehrstimmigen visuellen "Symphonie". Die Pulstöne des Aufstampfens verbinden sich rhythmisch mit atmosphärischen, eher alltäglichen Klängen, die im Globus Handelshof St. Wendel aufgenommen wurden.


Begegnung mit sich selbst - Der Tänzer Mohammad Ali Deeb

Er kam aus Damaskus, wo er im Bürgerkrieg viele Freunde verloren hat, nach Deutschland - für ihn "wie in eine neue Welt". Mohammad Ali Deeb ist Tänzer und versucht, in seiner neuen Heimat Fuß zu fassen. Über sich und sein Leben erzählt er in seinem neuen Tanzstück "In the End".

Man hört hier vom Krieg, aber im Krieg zu leben, das sei etwas völlig anderes. Das sagte Mohammad Ali Deeb vor fünf Jahren, als er einer der vielen Flüchtlinge war, die in Lebach ankamen. In seiner syrischen Heimat war er zum Tänzer ausgebildet worden und durfte in der Rocky Horror Picture Show am Saarländischen Staatstheater mittanzen. Dabei hatte ihn "Wir im Saarland - Kultur" begleitet.

Jetzt macht er wieder auf sich aufmerksam und zeigt in Zusammenarbeit mit dem Regisseur Thomas Engel sein Stück" In the End" über einen Menschen, der sich in seinen Erinnerungen, Träumen und Hoffnungen selbst begegnet. Chris Ignatzi hat Mohammad Ali Deeb getroffen und erzählt, wie es dem Tänzer in seiner neuen Heimat bislang ergangen ist.


Aufforderung zum Glücklichsein - eine Begegnung mit Wolfgang Werner

Menschen so sein lassen, wie sie sind - das ist eine Grundüberzeugung des Psychiaters Wolfgang Werner. Seine Sicht auf das Leben schildert er in drei Büchern, die nichts weniger als eine Aufforderung zum Glücklichsein sein sollen.

" To be to be" steht auf einem eisernen Tor im Merziger Park der Andersdenkenden, einem Kunstprojekt, das der damalige Leiter der Psychiatrie auf dem ehemaligen Friedhof der Nervenheilanstalt ins Leben gerufen hatte. Das Tor ist Teil eines Kunstprojektes von Herman des Vries, in dem ein Teil dieses Gelände abgesperrt werden sollte vor menschlichem Zugriff - damit alles, was dahinter ist, so wachsen kann, wie es will.

Karsten Neuschwender hat Wolfgang Werner vor über zwanzig Jahren anlässlich dieses Projekts kennengelernt. Über die Verbindung von Kunst, Menschsein und Psychologie hat Wolfgang Werner in seinen Büchern "Welch ein Meisterwerk ist der Mensch", "Bereitsein ist alles " und "Im Herzen meines Herzens" geschrieben. Bücher, die das Leben feiern und über seine Abgründe erzählen. Karsten Neuschwender ist Wolfgang Werner jetzt wieder begegnet.


 (Foto: SR)

Lang Lang und das Meisterwerk des Barock

Eigentlich bewegt sich der Pianist Lang Lang im klassischen und romantischen Repertoire. Jetzt hat er nach zwanzigjähriger Beschäftigung das Meisterwerk der Barock-Musik, die legendären Goldberg-Variationen von J.S. Bach eingespielt und zwar in gleich zwei Versionen: als Live-Konzert in der Leipziger Thomas-Kirche und als ausgetüftelte Studioaufnahme.

Natürlich hat er sich mit dem Meilenstein der Bachinterpretation, der Aufnahmen Glenn Goulds auseinandergesetzt. Dessen frühe Aufnahme der Goldberg-Variationen hat eine Länge von 38 Minuten. Wir haben den Pianisten in Peking gesprochen, wohin er sich in der Corona-Auszeit zurückgezogen hat. Eigentlich wollte er in diesen Wochen mit seinem Bach-Programm auf Konzert-Tournee gehen. Wie erlebt der Künstler diese Zeit ohne Auftritte, ohne Publikum? Und wie erlebt er sein Heimatland China unter den Corona-Reglementierungen? In unserem Beitrag gibt der Pianist ausführlich Auskunft.


Moderation: Verena Sierra

 (Foto: SR)

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