Rosa von Praunheim auf der Eröffnung des MOP 2020 (Foto: Lukas Ratius)

Wir im Saarland - Kultur

 

In dieser Woche berichten wir über den Start des Filmfestival Max Ophüls Preis. Wir werfen einen Blick aufs Festivalgeschehen und führen ein Gespräch mit Ehrenpreisträger Rosa von Praunheim. Außerdem porträtieren wir das Kino in Bous, in dem das Festival dieses Jahr zu Gast ist.

Sendung: Mittwoch 22.01.2020 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


 (Foto: SR/Sebastian Knöbber)

Film ab - das 41. Filmfestival Max Ophüls Preis ist gestartet

16 Spielfilme, 12 Dokumentationen, 14 mittellange und 21 Kurzfilme - das ist die Zahl der Wettbewerbsbeiträge 2020. 63 Regisseur*innen bangen am Samstag, wenn die Juryentscheidungen verkündet und die Saarbrücker Herzen vergeben werden. Gleich am ersten Wettbewerbstag geht es in die Vollen.

Lange richtete sich das Ophüls-Festival an den so genannten deutschsprachigen Filmnachwuchs; vor gut zehn Jahren begann die Diskussion, ob zum Beispiel ein Film, in dem bosnisch, japanisch oder englisch gesprochen wurde, in Saarbrücken am rechten Platz sei. Nicht erst nach der Flüchtingswelle von 2015 schlagen sich die Folgen von Migration und Globalisierung an den Hochschulen in der Deutschland, der Schweiz und Österreich nieder; der "deutschsprachige" Nachwuchs ist international, und das schlägt sich eben auch an den Abschlussfilmen und Einreichungen nieder.

Der Film "Nur ein Augenblick" zum Beispiel schlägt einen Bogen von Syrien nach Deutschland und wieder zurück ins Kriegsgebiet und erzählt, wie es dazu kommen kannn, dass sich ein scheinbar assimilierter jungen Mann zum IS-Kämpfer machen kann. Susanne Kirchhofer hat einen genauen Blick auf den Spielplan geworfen und stellt einige der jungen Regisseure und ihre Filme vor.


Rosa von Praunheim (Foto: dpa)

Ehrenpreisträger Rosa von Praunheim

Er gilt als Ikone der Schwulenbewegung und hat rund 150 Kurz- und Langfilme gedreht. Der vielseitige Künstler Rosa von Praunheim erhält am Eröffnungsabend des Filmfestivals Max Ophüls Preis den Ehrenpreis für sein "vielschichtiges Schaffen" und seine Vorbildfunktion. 1970/71 entstanden gleich zwei Filme, die Rosa von Praunheim zum Durchbruch verhalfen: "Die Bettwurst" und "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt".

Bis heute zeigt der Regisseur in seinen Filmen die unterschiedlichsten Aspekte queeren Lebens. Beim Ophüls-Festival wird er nicht nur für sein Engagement für den Nachwuchs ausgezeichnet, sondern präsentiert einige seiner Filme und leitet einen Workshop. Was ihm der Preis bedeutet verrät er Verena Sierra im Wir im Saarland-Studio.


Buch Filmrausch (Foto: SR)

Filmrausch - ein Buch erzählt die Geschichte vom Kinowunder an der Saar

In den goldenen Kinozeiten gaben sich Stars wie Hans Albers oder Zarah Leander hier die Klinke in die Hand. Als das Saarland nach dem Zweiten Weltkrieg teilautonom war, wurden Kinopremieren gefeiert wie in der Bundesrepublik. Das Buch "Filmrausch" lässt die das Kinowunder wiederauferstehen. Sie hungerten und froren - und strömten scharenweise in die Kinos.

Der Fotograf Paul Hartmann hielt diese Zeit in Bildern fest; seine Tochter Gabi hat gemeinsam mit dem Historiker Paul Burgard und dem kinobegeisterten früheren SR-Kameramann Klaus Peter Weber ein Buch herausgegeben. Teil des Kinowunders war das Thalia in Bous, das bis heute in Familienbesitz geblieben ist. Es ist eines der 4 Kinos außerhalb Saarbrückens, in dem das Ophüls-Festival in seiner Reihe "MOP uff de Schnerr" Wettbewerbsfilme zeigt.


Autor Peter Wohlleben im Wald (Foto: SR)

Die Deutschen und ihr Wald

Es ist so weit. Wir sind mitten im Waldsterben 2.0. Das sei keine Panikmache, sagte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner jüngst, der Deutsche Wald schwebe in großer Gefahr. Politiker aller Parteien versuchen, in einem wahlkämpferischen Aufbäumen und eiligsten Schnellpflanzungen den Deutschen Wald noch zu retten. Die Frage ist nur: Wie?

Als in den 80er Jahren in Deutschland massiv die Fichtenwälder verödeten, wurden Entschweflungsanlagen in der Industrie und Katalysatoren in Autos zur Pflicht. So schnell gab es kostenintensive Umrüstungen in keinem anderen Bereich. Die Deutschen sind sehr empfindlich, wenn es um ihren Wald geht. Seit Tacitus hier vor 2000 Jahren die wilden Germanen entdeckte und Rotkäppchen dem Wolf begegnete, ist der Wald deutscher Mythos und eine Art Nationalheiligtum. Ein romantisch verklärter Ort der Freiheit, des Rückzugs und des Widerstands, in Dichtung und Philosophie eine Metapher des Unerklärlichen und Übernatürlichen. Ein Rückzugsort der Zeitvergessenheit, in dem man die Waldeinsamkeit finden kann und die Natur zum Menschen spricht.

Heute, in der modernen globalisierten Gesellschaft, scheint davon nicht mehr viel geblieben zu sein. Der Wald ist eine Sammlung von Bäumen, Holzplantagen der Industrie, mit in Reih' und Glied angepflanzten Fichten und Kiefern. Wie sich die Beziehung der Deutschen zum Wald historisch herausgebildet hat, was sie bewirkte, ob es sie immer noch gibt und was gerade jetzt zu tun ist - darüber sprachen wir mit dem Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben und dem Philosophen und Literaturwissenschaftler Rüdiger Safranski.


Logo: WimS Kulturtipps (Foto: SR)

Kulturtipps

  • Musik 26.01.20  Frau Wolf & Band – Kleiner Klub / Garage Saarbrücken

  • Lesung 24.01.20  Mariele Millowitsch & Walter Sittler lesen aus „Alte Liebe“ – Trifolion Echternach

  • Musik 23.01.20 Simon & Garfunkel Revival Band  – Theater am Ring Saarlouis; Beginn: 20.00 Uhr

  • Ausstellung:  Was bin ich? Berufe in Porzellan – Ludwig Galerie Saarlouis

  • Musik 31.01.20 Markus Okuesa und seine Ensemble OQmannSolo – Bahnhof Püttlingen

  • Musik 23.01.20 Don’t stop the music – Saarlandhalle Saarbrücken; Beginn: 19.00 Uhr


Moderation: Verena Sierra

Verena Sierra (Foto: Pasquale D´Angiolillo)

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