Wir im Saarland - Kultur (30.10.2019)

Wir im Saarland - Kultur

 

Die lustige Witwe umgarnt das Publikum im Saarbrücker Staatstheater, das Korso-Op - Kollektiv beendet seine Trilogie "MenschMaschineGott"- und der Denkmalstreit um die Abtei Tholey sind die Themen in "Wir im Saarland-Kultur".

Sendung: Mittwoch 30.10.2019 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Das Studium der Weiber - die lustige Witwe in Saarbrücken

Die lustige Witwe ist "die" Operette schlechthin. Seit ihrer Uraufführung 1905 gab es hunderttausende Aufführungen und mehrere Verfilmungen. Nun wird der Klassiker am Saarländischen Staatstheater gezeigt: Turbulent und einfallsreich. Wenn Männer Frauen als Heilige bezeichnen, ist Vorsicht geboten - auch wenn manche Frauen wie Engel aus anderen Sphären herabzuschweben scheinen. Entweder sind die Männer besonders verschlagen oder besonders dämlich. Hier gibt es beide: Die verschlagenen wollen sich an die Millionen der schönen Witwe ranmachen - und die dämlichen glauben an Märchenprinzessinnen. Das Ganze in einem turbulenten Musiktheater, in dem ein Hit den anderen jagt, vor dem Hintergrund des zerfallenden Europa vor dem ersten Weltkrieg. Und wenn beim Wort "Vaterland" die rechte Hand zum Führergruß zuckt, wird angedeutet, dass das Stück Hitlers Lieblingsoperette war. Das "schwere Studium der Weiber", das in einer der bekanntesten Arien beschrieben wird, kommt auch nicht zu kurz.

Léhars "Lustige Witwe" ist vor allem eins: ein musikalisches Feuerwerk, das gute Laune verbreitet, gegen die man sich nicht wehren kann - schon gar nicht bei diesen spielfreudigen Sängern. Aron Stihl, der in der letzten Spielzeit beeindruckend Erich Wolfgang Korngolds "Tote Stadt" auf die Bühne gebracht hat, hat in Saarbrücken einen sehr individuellen Zugang gewagt: er hat die Szenenabfolge geändert, führt slapstickartige Elemente ein und lässt einen Conférencier das Publikum direkt ansprechen und zum Beispiel über den Brexit räsonieren. Das Publikum hielt bei der Premiere nichts auf den Stühlen, es feierte lautstark das mitreißende Musiktheater.


"Tristesse Royal" - wie es weitergeht mit dem Kollektiv "Korso-Op"

"Tristesse Royale" ist der dritte Teil der Trilogie "MenschMaschineGott" des Theaterkollektivs "Korso-Op". Es will auf unkonventionelle Art und Weise die großen Fragen der Menschheit behandeln. Das Publikum wird zu Beginn gewogen, zieht sich Plüschsocken an und räkelt sich meditativ auf einem Teppich. Doch diese esoterisch anmutenden Komfortzone entpuppt sich als Kongress des "Human Extinction Movement", auf dem es um so unangenehme Dinge wie Klimaschutz, Massentierhaltung und die Rettung unseres Planeten geht: Der Mensch, so das Postulat, soll sich zugunsten anderer Spezies opfern. Seit seiner Gründung vor drei Jahren versucht das Korso-Op"-Kollektiv um die ehemalige Staatstheater-Schauspielerin Nina Schopka in seinen Theaterarbeiten wichtige Fragen unserer Gesellschaft auf unkonventionelle Art und Weise auf die Bühne zu bringen. Die geplante Trilogie ist nun abgeschlossen. Wie geht es nun mit der freien Theatergruppe weiter? Wie ist die öffentliche Förderung, und kann das Ensemble weiterbestehen? Uwe Loebens war in der Premiere und berichtet über die Situation des Kollektivs.


Von Sensationen und Skandalen - der Streit um die Abtei Tholey geht in die nächste Runde

Seit gut einem Jahr schwelt ein Streit zwischen den Benediktinermönchen in der Abtei Tholey und den saarländischen Denkmalbehörden. Denn die Mönche haben während der derzeitigen Sanierungsmaßnahmen wertvolle Steine am Nordportal unabgestimmt abnehmen lassen. Während der Ausgang dieses Konflikts völlig offen ist, wird munter weiter saniert: In München werden Kirchenfenster nach Entwürfen eines der wichtigsten zeitgenössischen Künstlers gefertigt - Gerhard Richter. Nicht mal allen Saarländer*innen ist vermutlich die Bedeutung der Abtei Tholey als Kulturdenkmal bewusst: Sie gilt als ältestes Kloster auf deutschem Boden, wurde 634 n. Chr. erstmals urkundlich erwähnt. Seit über einem Jahr gibt es nun Konflikte zwischen den Denkmalbehörden, die bei der Sanierung über die Einhaltung der Gesetze wachen, und den Mönchen, die ihre religiösen Belange zumTeil in den Vordergrund stellen. Während der Streit um die entfernten Bögen am Nordportal andauert, lassen die Mönche - dank der Finanzierung eines saarländischen Mäzens - gerade sämtliche Fenster neu gestalten. Der Clou: Ausgerechnet Gerhard Richter, den viele für den wichtigsten Künstler der Gegenwart halten, spendet Entwürfe für drei Chorfenster - seine zweite und einzige Kirchenfensterarbeit nach dem Kölner Dom. Uwe Loebens stellt die derzeitige Siuation der Abtei dar

- und Georg Breitner, seit rund einem Jahr Leiter des Landesdenkmalamts schildert im Studiogespräch mit Christine Alt, worum es bei der Sanierung des Denkmals geht.


Kulturtipps

  • Musik 05.11.19  Eloy de Jong – Congresshalle Saarbrücken; Beginn:20:00 Uhr

  • Musik 07.11.19  Brit Floyd -   Congresshalle Saarbrücken; Beginn:20:00 Uhr

  • Vortrag  07.11.19  Hildegard von Bingen – Die Visionärin, Illipse Illingen; Beginn: 19:30 Uhr

  • Show mit Pferden 09. +10.11.19  Cavalluna – Legende der Wüste Saarlandhalle Saarbrücken; Beginn: 14.00 Uhr; 18.30 Uhr und 19.00 Uhr

  • Musik 14.11.19  liro Rantala Illipse Illingen; Beginn: 19:30 Uhr

  • Musik 08.11.19  Bernd Russy Stummsche Reithalle Neunkirchen; Beginn:20:00 Uhr

  • Musik  06.11.19 Jazz Jam Session  - Mandy’s Lounge Homburg; Beginn:20.00 Uhr

  • Musik 08.11.19 Robert Carl Blank -  Mandy’s Lounge Homburg; Beginn:20:00 Uhr 

  • Musik: 09.11.19 Oberrheinische Bluesgesellschaft Mandy’s Lounge Homburg; Beginn:20:00 Uhr

  • Musik 14.10.19 Christina Rommel Neue Gebläshalle Neunkirchen; Beginn:20.00 Uhr

  • Comedy 09.11.19 Frank Sauer „Scharf angemacht“  Bliesgau Festhalle Blieskastel; Beginn: 19.00 Uhr


Moderation: Christine Alt

Christine Alt (Foto: Pasquale D'Angiolillo/SR)

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