Wir im Saarland - Kultur (19.06.2019)

Wir im Saarland - Kultur

 

In dieser Woche blicken wir auf den erfolgreichen Jahrgang des Theaterfestivals "Perspectives“ zurück, zeigen zwei starke Ausstellungen und stellen starke Künstlerinnen vor. Außerdem berichten wir über Ex-Musikfestspielchef Robert Leonardy, der eine Musikakademie aufbaut.

Sendung: Mittwoch 19.06.2019 18.50 Uhr


Die Themen der Sendung


Robert Leonardys Musikakademie

30 Jahre lang war er der markante Kopf der Musikfestpiele Saar: der Pianist und emeritierte Professor Robert Leonardy. Nächstes Jahr wird er 80 – aber statt an Ruhestand zu denken, baut er gerade eine deutsch-französische Musikakademie in Lothringen auf. Seit vielen Jahren wohnt Robert Leonardy in Saarbrücken und in seiner Mühle in einem kleinen lothringischen Ort bei Dieuze. Dort ist er gerade dabei eine Schule zu gründen, die begabte junge Musiker auf die Aufnahmeprüfung an deutschen Hochschulen und französischen Konservatorien vorbereitet. Für dieses Projekt gewann er den Bürgermeister des Örtchens und stieß ein Großprojekt an: Die alte Salzfabrik von Dieuze soll zu einer Kulturfabrik umgebaut werden. An der Finanzierung wird noch gearbeitet, aber immerhin: Vier Flügel und ein Klavier stehen schon bereit. Sven Rech hat den Musiker und Kulturmacher in Lothringen besucht.


Die Ausstellung "Starke Stücke“ untersucht Geschlechterrollen

Mit der Ausstellung "In the cut“, in der männliche Körper aus der Sicht von Künstlerinnen thematisiert wurden, setzte die Stadtgalerie einen Paukenschlag in der bundesdeutschen Ausstellungsszene. Nun legt sie nach: "Starke Stücke“ zeigt aktuelle Tendenzen der feministischen Kunst. Stadtgaleriedirektorin Andrea Jahn konnte aus dem Vollen schöpfen: Für ihre Ausstellung konnte sie sich im Archiv des „FRAC“, einem staatlich geförderten Regionalfonds für zeitgenössische Kunst, bedienen. Hier wurden zeitweise ausschließlich Werke von Künstlerinnen gesammelt. Daraus ist in Saarbrücken eine Ausstellung geworden, die aus vielfältigen Perspektiven Feminismus, Sexualität und Geschlechterrollen hinterfragt; mal radikal, mal ironisch. Harriet Weber-Schäfer hat die Ausstellung besucht und ist begeistert: Für sie ist „Starke Stücke“ ein „Appell zur Selbstbehauptung. Zu sein, wie man ist, das ist perfekt“.


Rebecca Horns "Theater der Metamorphosen“

Kaputte Bienenkörbe zwischen Goethes Garten und dem Lager Buchenwald? Frauenbeine hinter Pfauenrädern? Die Kunst von Rebecca Horn ist traumhaft schön und albtraumhaft beängstigend zugleich. Sie ist eine der Größen auf dem internationalen Kunstmarkt: Bildhauerin, Installationskünstlerin und Filmemacherin Rebecca Horn. Als erste Künstlerin bekam sie Anfang der 90er Jahre eine Einzelausstellung im New Yorker-Guggenheim Museum. Das Metzer Centre Pompidou würdigt die 1943 geborene deutsche Künstlerin Rebecca Horn mit der Ausstellung "Theater der Metamorphosen“, in der sie auf ganz unterschiedliche Arten den Prozess der Verwandlung in den Fokus nimmt.


Dada und Nachrichtensprech – Lyrik von Jörg W. Gronius

Täglich überschwemmen uns die Massenmedien mit einer kaum überschaubaren Informationsflut. Schlagzeilen und Stilblüten zeichnen ein Bild der Wirklichkeit, das der Dichter Jörg W. Gronius hinterfragt. Sein Buch heißt „Guten Abend die Nachrichten oder Informationsfluxus“. Darin hat Jörg W. Gronius Zitate aus Nachrichtensendungen verarbeitet und teilweise neu zusammengesetzt. Es entstehen zum Teil surreal wirkende Textflächen, die an literarische Formen wie Fluxus oder Dada erinnern. Uschi Schmidt-Lehnhard hat den Saarbrücker Autor porträtiert.


Bilanz Perspectives 2019

Das „Festival Perspectives“ will ein Festival für alle sein – dementsprechend breit war das Programm aufgestellt. Die Mischung aus Lustigem und Tiefgründigem ging auf – ein höchst erfolgreicher Jahrgang. Das Theaterfestival Perspectives ist mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. Wie die Festivalleitung mitteilte, besuchten insgesamt 16.000 Menschen das deutsch-französische Festival in Saarbrücken, Saarlouis und Saargemünd. Die Besucherauslastung habe mit 97 Prozent ebenfalls einen neuen Höchstwert erreicht. Und inhaltlich? Maria C. Schmitt hat sich einige Produktionen für ihre Bilanz angeschaut und berichtet über urkomischen Slapstick, poetisches Puppentheater und atemberaubenden Tanz.


Moderation: Jochen Erdmenger

Die Moderatoren des neuen Vorabends: Jochen Erdmenger, Susanne Gebhardt und Marcel Lütz-Binder. (Foto: SR)

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