Logo der Sendung "Wir im Saarland - Kultur" (Foto: SR)

Wir im Saarland - Kultur

 

Wir im Saarland - Kultur hat sich die Ausstellung über Paula Modersohn-Becker in der Villa Vauban in Luxemburg angesehen und sich auf dem Saarbrücker Tanzfestival umgesehen. Außerdem haben wir über die Evakuierung in Luxemburg im Mai 1940 berichtet und anlässlisch des Todes von Ludwig Harig ein filmisches Porträt gezeigt, das zu seinem 75. Geburtstag entstanden ist.

Sendung: Mittwoch 09.05.2018 18.50


Die Themen der Sendung


Ihrer Zeit voraus - Eine Begegnung mit der Malerin Paula Modersohn-Becker

In der Vergangenheit war das so: Ein Künstlerehepaar arbeitet und lebt zusammen - und der Mann heimst die Lorbeeren ein. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall: Paula Modersohn-Becker. Wer interessiert sich schon für Otto Modersohn, wo seine Frau in Deutschland den Expressionismus vorweggenommen hat? Die Villa Vauban in Luxemburg zeigt bis zum 10. Juni in einer Sonderausstellung 24 Gemälde, Zeichnungen und Grafiken der in Dresden geborenen Künstlerin, die sich schon recht früh in der legendären Künstlerkolonie Worpswede ansiedelte. Zu sehen ist beispielsweise ein Gemälde mit einem braunen Terracotta-Krug, ein paar Lauchstangen, einer Distelblüte und einem Blumenkohl. Das Ganze in kräftigen, gedeckten Farben gemalt. Expressionistische Kunst, die jedoch in einer Zeit entstanden ist, als es in Deutschland den expressionistischen Malstil noch gar nicht gab. Den führte Jahre später erst die Künstlergruppe "Brücke" ein. Uwe Loebens hat die Ausstellung besucht und stellt eine der faszinierendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20 Jahrhunderts vor.


Aufführung des Tanzfestivals Saar (Foto: SR)

Intensität und Tanz - Ein Blick auf das Saarbrücker Tanzfestival

Alle zwei Jahre zeigt das Saarländische Staatstheater in einem mehrtägigen Festival gebündelt innovativen zeitgenössischen Tanz. Für den Ballettchef und künstlerischen Leiter Stijn Celis ist es eine Möglichkeit, zu zeigen, was ihn künstlerisch geprägt hat – und was ihm wichtig ist. Stijn Celis liebt Studien über das, was Menschen im Innersten bewegt. Und so ist der Ballettabend, mit dem er sein Festival eröffnet, mit “Intensität“ überschrieben, eine Uraufführung, in der er sich mit Marguerite Duras‘ geheimnisvoller Erzählung “Liebe“ auseinandersetzt. An fünf Spieltagen hat Celis acht Compagnien mit internationalem Renommée nach Forbach, Saarbrücken und Saarlouis geholt. Darunter den belgischen Choreografiestar Anne Teresa De Keersmaeker mit ihrem Ensemble “Rosas“, die zur Gallionsfigur des flämischen Tanzes wurde. Fast interessanter als die bekannten Stars sind bei Festivals die Neuentdeckungen. Was in dieser Ausgabe des Tanzfestivals Saar zu erleben war, hat Susanne Kirchhofer beobachtet.


Deutsche Panzer in Luxemburg (Foto: SR)

Flucht aus der Heimat - Luxemburger Zeitzeugen berichten über die Zeit nach dem deutschen Überfall 1940

Dieses Thema geht bis heute unter die Haut – und war lange vergessen: Im Zweiten Weltkrieg wurden in unserer Großregion viele Menschen zwangsevakuiert; manche litten ein Leben lang unter den Folgen. Nach ihren Filmen über Deutsche und Franzosen hat Anette Bak nun die Situation in Luxemburg recherchiert. Am 10. Mai 1940 überfällt Deutschland das neutrale Luxemburg. Bis heute gilt der 10 Mai dort als “Schicksalstag“ – denn auf einen Schlag änderte sich das Leben der gesamten Bevölkerung. Für die Menschen im Süden ist die Besetzung wegen der Nähe zu Frankreich besonders gefährlich, denn nur wenige Kilometer entfernt verläuft die Maginotlinie. Dieses Bunker- und Verteidigungssystem soll nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges einen erneuten deutschen Einmarsch in Frankreich verhindern. Im Ernstfall werden die Kanonen auch Luxemburg beschießen. Zehntausende Menschen aus dem Süden des Landes müssen deshalb ihre Heimat verlassen, um nicht Opfer von etwas zu werden, was man heute als “Friendly Fire“ bezeichnen würde. Am Donnerstag, 10. Mai 2018 zeigt der SR um 18.45 Uhr den dritten Teil von Anette Baks Dokumentation “Heute noch müssen wir fort“.

Dazu im Studiogespräch: Anette Bak erzählt von ihrem Film, für den sie bislang unveröffentlichtes Archivmaterial ausfindig gemacht hat.


Ludwig Harig - Ich spaziere in die Welt (Foto: SR Fernsehen)

“Ich spaziere in der Welt“ - Zum Andenken an den verstorbenen Schriftsteller Ludwig Harig

Den Spitznamen “Luftkutscher“, den ihm seine Großmutter gab, machte sich Ludwig Harig zu eigen. Den Hanswurst gab er gerne, blieb zeit seines Lebens dem Experiment und dem Spiel verbunden. Das Radio war dem Klangverliebten ein ebenso wichtiges Medium wie das gedruckte Buch, er schrieb für den Saarländischen Rundfunk preisgekrönte Hörspiele. Sein nationaler Durchbruch gelang mit seiner autobiografischen Romantrilogie, in der er – anders als manch anderer Schriftsteller seiner Generation – schonungslos gegenüber sich selbst auch seine Verführbarkeit durch das nationalsozialistische System thematisierte. Am 5. Mai 2018 ist Ludwig Harig gestorben. Aus diesem Anlass zeigt Wir im Saarland – Kultur noch einmal einen Auszug aus einem 2002 anlässlich Harigs 75. Geburtstag entstandenen filmischen Porträt von Gabi Heleen Bollinger.


Moderation: Jochen Erdmenger

Die Moderatoren des neuen Vorabends: Jochen Erdmenger, Susanne Gebhardt und Marcel Lütz-Binder. (Foto: SR)

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