Mangelware Holz – Der Kampf ums „Grüne Gold“

Mangelware Holz – Der Kampf ums „Grüne Gold“

Wir im Saarland – Die Reportage

 

Deutschlandweit ist das Holz knapp. Die Folge: Die Preise für Bauholz sind in den letzten Wochen extrem gestiegen, und zwar um fast 50 Prozent. Die Lieferzeiten für Bauholz betragen mittlerweile gut acht Wochen. Handwerker stöhnen über Engpässe, Häuslebauer über höhere Kosten. Schuld daran: die hohe Nachfrage aus dem Ausland.

Sendung: Freitag 04.06.2021 18.50 Uhr

Vor allem in den USA und China ist man bereit für den Baustoff Holz mehr zu zahlen als hierzulande. Während die großen Sägewerke satte Gewinne einfahren, haben die saarländischen Waldbesitzer das Nachsehen. Ihnen geht es wie den Bauern: sie haben zwar die Arbeit mit den Wäldern, verdienen aber am großen Aufschwung nicht mit. Die Reportage: Mangelware Holz – der Kampf ums „Grüne Gold“ schaut hinter die Kulissen. Wir begleiten vier Saarländer, die mit und vom Holz leben.

Zimmermann Thomas Leyherr über die Herausforderungen

Zimmermann Thomas Leyherr bei der Arbeit in seiner Werkstatt (Foto: SR)

Thomas Leyherr: Zimmermann aus Dillingen. Er profitierte die letzten Jahre vom Boom am Holzmarkt. Mittlerweile beschäftigt der gebürtige Birkenfelder 150 Mitarbeiter. Produzierte die Firma anfangs nur zwei Häuser pro Jahr, so sind es derzeit 15 Holzhäuser.

Doch die stark verteuerten Bauholzpreise stellen die Zimmerei „Holz und Dach“ vor große Herausforderungen. Wer heute ein Haus bauen will, dem kann Thomas Leyherr für vier Wochen eine feste Preisbindung zusagen, länger nicht. So stark schwanken momentan die Preise am Holzmarkt. Der Zimmermann ist in Sorge, ob die Kundschaft weiterhin in Holz bauen will, angesichts der höheren Kosten.

Privatwaldbesitzer leiden unter Preisabstürzen

Privatwaldbesitzer Michael Klein begutachtet seine Bäume (Foto: SR)

Michael Klein: Privatwaldbesitzer aus Rehlingen. Er erzählt: „Wir hatten vor zwei Jahren Preisabstürze in den freien Fall, bis in den Keller hinein.“ Schuld daran: heiße Sommer und der Borkenkäfer. Überall im Saarland wurden Fichten aus dem Wald geholt, weil der Schädling sie befallen hat. Die Folge: eine Holzschwemme, die die heimischen Sägewerke kaum verarbeiten konnten, weil es zu viel Nadelholz auf einmal gab. Das wiederum führte zum extremen Preisverfall.

Nun steigen die Exporte rasant, doch Michael Klein ist noch nicht bereit weiteres Holz einzuschlagen. Denn für den Festmeter Fichtenholz bekommt er derzeit 72 Euro. Nach Abzug aller Kosten bleiben dem 68jährigen knapp 20 Euro auf die Hand. Viel zu wenig, findet der studierte Forstwirt und will weiter warten. Denn finanziell gesehen haben die Waldbesitzer bisher noch nichts vom Boom am Holzmarkt.

Holztransporteur Rainer Eifer über Exporte nach China

Holzfuhrmann Rainer Eifeler beim Verladen der Holzstämme (Foto: SR)

Rainer Eifler: Holztransporteur aus Eisen. Seit dem Jahr 2000 verlädt der 48jährige verstärkt Holz nach China. Das Land im Reich der Mitte ist der größte Abnehmer für deutsches Holz. Gerade jetzt, wo Russland sich entschlossen hat kein Holz mehr zu exportieren.

Die Chinesen zahlen gut, besser als deutsche Käufer. „Im Herbst 2020 waren alle Sägewerke voll und man war froh, dass die uns das Holz abgekauft haben, sonst würde es immer noch im Wald liegen“, erzählt Rainer Eifler über das vergangene Jahr, in dem so viele Fichten wie noch nie aus deutschen Wäldern geholt werden mussten. Doch angesichts der hohen Nachfrage fehlt jetzt das Holz allerorten. „Es stöhnen alle. Das wird ein Problem auf nächste Zeit. Vielleicht gehen wir dann nochmal Holz nach China kaufen, und es kommt wieder zurück“, witzelt Rainer Eifler, und man merkt, er meint es durchaus ernst.

Sägewerke laufen außer Konkurrenz

Sägewerksbesitzer Hans Schütz beim Sägen (Foto: SR)

Hans Schütz: Sägewerksbesitzer in Gonnesweiler. Der 84jährige hat lange mitgemischt, profitierte jahrzehntelang vom Bau-Boom. Doch vor acht Jahren war schließlich Schluss. Es begann das große Sägewerks-Sterben im Saarland. Von 23 Sägewerken gibt es nur noch drei. Und diese drei Sägewerke laufen außer Konkurrenz. Denn sie sind veraltet, können nicht mehr mithalten beim neuesten Stand der Technik, bei der Automatisierung für den globalen Weltmarkt. Die Folge: Bauholz kann Hans Schütz den Handwerkern nicht mehr anbieten.

Heutzutage ist das Bauholz kammergetrocknet und bereits fix und fertig abgebunden. Was früher noch Handarbeit war, ist heute ein riesige, automatisierte Holz-Industrie. Die Zimmerer müssen das Holz eigentlich nur noch zusammenschrauben. Nun produziert das Sägewerk Gonnesweiler fast nur noch Industrieholz für ein großes Unternehmen. Holz als Wegwerfartikel sozusagen – einmal ein Fenster, eine Tür damit verpackt und dann ab in die Tonne. Hans Schütz befällt Wehmut, wenn er an früher denkt, daran, dass regionales Holz noch hier zum Bauen verwendet wurde. Und heute: „Man weiß nicht mehr wo es herkommt. Wir sind ja heute so vernetzt, da kann man nicht mehr sagen, von wo es herkommt. Da steht auch kein Name mehr dran“.

Holzstämme (Foto: SR)

Artikel mit anderen teilen


Ihre Meinung

Sind Sie pro oder contra?

Leider ist beim Senden der Nachricht ein Fehler aufgetreten, bitte versuchen Sie es noch einmal.
Vielen Dank für Ihren Beitrag, er wurde erfolgreich gesendet.
Push-Nachrichten von SR.de
Benachrichtungen können jederzeit in den Browser Einstellungen deaktiviert werden.

Datenschutz Nein Ja