Traumziel Aland

Traumziel Aland

Schweden im finnischen Schärengarten

Peter Kruchten  

Knapp 30.000 Menschen, verteilt auf 16 Inseln im weiten Schärengarten zwischen Finnland und Schweden - das ist Aland. Eine autonome Region Finnlands mit Schwedisch als einziger Amtssprache; mit eigener Flagge, eigenen Briefmarken, Autokennzeichen und Internetdomäne.

Sendung: Samstag 21.07.2018 17.00 Uhr

Eine kaum bekannte "ferne Welt" mitten in Europa, noch dazu mit traditionsreichen Verbindungen in alle Welt und die Verbindung einer alten Kultur- mit einer überwältigenden Natur-Landschaft. Alands Geschichte ist das, was wir gerne "wechselvoll" nennen; der Archipel war jahrhundertelang Spielball der Interessen von rund einem Dutzend(!) europäischer Mächte.

Im 13. Jahrhundert gehört Aland zur schwedischen Krone; es liegt auf der wichtigen Seefahrtsroute ins Baltikum. In den nächsten Jahrhunderten kämpfen Dänen, Finnen und Russen immer wieder um aländische Häfen und Festungen. Ruinen und Teile der Wehranlagen sind auf mehreren Inseln erhalten (z.B. Bomarsund) und werden im Film gewürdigt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird Aland zusammen mit Finnland russisch. Das Zarenreich rekrutiert hier Siedler für seine wenig entwickelte Besitzung "Russisch Amerika". Bis heute lassen sich Verbindungen zwischen den Schärenbewohnern und Familien in Ninilchik, Sitka oder Kodiak in Alaska nachweisen

Impressionen von Aland

Eine bizarre Minderheitskultur am Rand des American Way of Life. Das Aland Islands Emigrant Institute verfolgt die Spuren der Aländer in aller Welt, in der aländischen Hauptstadt Mariehamn hat sogar schon eine internationale Konferenz zum Thema "Die anderen Russen" stattgefunden. Die Historikerin Eva Meyer berichtet darüber und zeigt Fotografien aus ihrem Archiev.

Seefahrer und Auswanderer

Ob zum Dienst in den Kolonien gepresst oder durch materielle Not gezwungen, Aländer waren immer schon Auswanderer. Vor der mittelalterlichen Kirche von Jomala auf Fasta Aland ist ein Denkmal den Auswanderern gewidmet, die in der Heimat kein Auskommen mehr fanden. Ihr Ruf als "tüchtige Seeleute" eilte den Aländern voraus, und viele Männer fanden rund um den Globus Arbeit auf Handelsschiffen. In Mariehamn verwirklichte Anfang des 20. Jahrhunderts der Reeder Gustaf Eriksson eine ungewöhnliche Geschäftsidee. Obwohl die Ära der Dampfschiffe längst angebrochen war, kaufte er mehr als 40 Großsegler - die damals größte Flotte weltweit - und setzte sie noch bis Anfang der 1950er Jahre zum Transport von Getreide zwischen Australien und England ein. Im Westhafen von Mariehamn liegt das letzte dieser tall ships, die "Pommern".

Gerade wird die "Pommern" restauriert. Wir sind bei den außergewöhnlichen, seltenen Arbeiten dabei, erzählen die Geschichte Erikssons und seiner Flotte und zeigen an diesem und anderen Beispielen, wie vielfältig und eng sich die Verbindung der Aländer zum Meer darstellt. U.a. besuchen wir auch den Reeder-Bauernhof "Pellas" auf Lemland, sowie das moderne Seefahrtsmuseum. Ein weiterer, aktueller Aspekt der Seefahrtsgeschichte manifestiert sich in den riesigen Fähren, die zwischen Turku bzw. Stockholm und Aland verkehren. Fast könnte man in ihnen die modernen Nachfahren der Großsegler sehen. Wir begleiten ein Schiff der "Tallink Silja Line" und sprechen mit dem Kapitän. Außerdem setzen wir mit kleinen Passagier- und Autofähren innerhalb des Archipels von einer Insel zur nächsten über. Je kleiner und abgelegener die Inseln, desto intensiver spüren wir das Besondere des Lebens in und mit der Natur. Keine Industrie, keine militärischen Einrichtungen, kein Massentourismus: die Vorteile liegen auf der Hand, die damit einhergehenden Herausforderungen, den Mangel, den Verzicht müssen wir uns vergegenwärtigen. Wir lassen sie uns von Menschen schildern, die dieses Leben gewählt haben, von Apfelbauer Pedar und seiner Frau, vom Leiter eines Kirchenchors, von einer Archäologin. Aland heißt Wasserland. Ein besonderes Stück Wasser und Land in Europa, ein weitgehend autonomes Staatsgebilde, das seinen Status seit 1921 dem Völkerbund verdankt.

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