Porträt des Drehbuchautors Hendrik Hölzemann. (Foto: Martin Walz)

"Tatort"-Dreh: "Es muss jemand sterben"

Kathrin Paul   08.07.2020 | 10:01 Uhr

Seit zwei Wochen laufen die Dreharbeiten zum zweiten Fall des saarländischen SR-"Tatort"-Teams. Am Anfang aller Dreharbeiten steht das Drehbuch - und hier kommt Hendrik Hölzemann ins Spiel. Er ist der Kopf hinter den Kriminalfällen der saarländischen Kommissare.

Nicht selten rätseln wir jeden Sonntagabend im TV mit, wer denn diesmal der Mörder ist: Der Gärtner, der Nachbar von nebenan oder doch der unauffällige Kollege aus der anderen Abteilung? Doch bevor wir Zuschauer uns darüber den Kopf zerbrechen, entstehen diese Gedanken in Hendrik Hölzemanns Kopf. Normalerweise schreibt er Dramen, wie beispielsweise "Gleißendes Glück", im SR-Gespräch erzählt der Drehbuchautor von seiner Krimi-Arbeit und was es alles braucht, bis endlich eine neue Tatort-Folge über den Bildschirm flimmert.

SR.de: Setzt das Format des Tatorts eine besondere Herangehensweise voraus? Gibt es besondere Regeln, Vorgaben oder Herausforderungen?

Video [aktueller bericht, 07.07.2020, Länge: 3:04 Min.]
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Hölzemann: Es muss jemand sterben. Das ist bei Filmen, die ich sonst so mache, gar nicht unbedingt der Fall. Ich finde, das ist eine schwierige Herausforderung, weil meine Arbeitsweise die ist, dass ich mich immer sehr genau mit den Figuren auseinandersetze und mich dann auch frage, was muss man für Gefühle in sich haben, um jemanden töten zu wollen und damit dann auch davonzukommen. Eine weitere Regel ist, die Leiche sollte in den ersten zehn Minuten gefunden werden. Es ist ein bestimmtes Genre, ein Krimifilm, das natürlich gewisse Dinge bedingt, aber innerhalb dieser Grenzen habe ich viele Freiheiten.

SR.de: Wie entsteht ein Drehbuch für eine Tatort-Folge?

Hölzemann: Bei meiner Herangehensweise hat das schon sehr viel damit zu tun, mir zu überlegen, warum tötet jemand, warum hasst jemand jemanden oder ist es einfach Gier. Also was ist das Motiv? Gier, Hass, Rache?

Und ansonsten das Thema natürlich auch. Ich habe mich gefragt, weil ich mich im Saarland ja auch nicht auskannte, was gibt es für Besonderheiten hier? Der aktuelle Film spielt viel im Wald. Im Saarland gibt es ja wirklich so einen richtig schönen alten Urwald vor der Stadt. Dann hab ich gedacht, wenn es hier so dicke Bäume gibt, dann sollte man eigentlich auch was machen, was im Wald spielt. Und so hat es tatsächlich bei dem Film, der gerade gedreht wird, angefangen.

SR.de: Was braucht es, um sich einen grausamen Mord zu überlegen?

Hölzemann: Ich habe echt gelitten. Meine Sache ist es eigentlich gar nicht; auch Hass ist nicht meine Sache. Ich habe viel darüber recherchiert über diese spezielle Persönlichkeitsstruktur des Täters im Film. Aber mich hat das schon extrem traurig gemacht. Auch der erste Fall „Das fleißige Lieschen“, bei dem es um Zwangsarbeiter ging. Da hab ich auch viel gelesen und auch echt geweint, weil das so grausam und so schrecklich war. Mich kostet das eine Menge.

Ich denke, wenn man Krimi macht, dann muss jemand sterben und dann muss man auch die Verantwortung übernehmen, sich mit jemandem auseinanderzusetzen, der tötet.

SR.de: Wie viel Arbeit steckt in einem Drehbuch?

Hölzemann: Ich arbeite an mehreren Projekten parallel, was sich auch bewährt hat. Bis ich dann auch wirklich zufrieden bin, geht schon immer ungefähr ein Jahr dabei drauf.

SR.de: Sind Sie während der Dreharbeiten im Saarland?

Hölzemann: Ich bin derzeit in Berlin. Jetzt beim Dreh, da steh ich da nicht rum. Irgendwann muss man auch mal abgeben und jetzt ist der Regisseur am Drücker. Ich drücke dem Team die Daumen aus der Ferne.

SR.de: Inwieweit hat das Coronavirus Ihr Drehbuch beeinflusst?

Hölzemann: Das Drehbuch ist lange fertig, bevor der Dreh startet. Wir haben noch einmal das Personal im Bild, also die Schauspieler, gekürzt. Vor allem das Drehen ist jetzt schwierig. Das kostet einfach Zeit, die ganzen Reglements einzuhalten. Das ist Drehzeit, die weggeht. Für das Team ist es schwierig, aber im Buch selbst haben wir da jetzt nicht mehr so viel geändert.

SR.de: Gibt es also eine Deadline, wie viel vorher das Drehbuch fertig sein muss vor den Dreharbeiten?

Hölzemann: Ja unbedingt, da hängt ja eine ganze Menge dran. Ohne das Drehbuch kannst du nichts richtig kalkulieren und planen. Ein Drehplan kann nicht erstellt werden, ohne dass du alle Szenen wirklich kennst. Erst einmal muss das Buch fertig sein, bevor die Restcrew ernsthaft anfangen kann, zu kalkulieren und zu arbeiten.

SR.de: Vielen Dank für das Gespräch Herr Hölzemann.

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