Maja Schorr (Foto: Maja Schorr)

Wenn das eigene Wohnzimmer zum "Tatort" wird

Cathy Huyer   23.01.2023 | 11:06 Uhr

Seit Kommissar Adam Schürk im SR-Tatort ermittelt, teilt Familie Schorr einmal im Jahr ihr Neunkircher Zuhause mit einer ganzen Film-Crew. Denn das Haus ist der Drehort für Schürks Elternhaus. Wie turbulent es bei den Dreharbeiten zugeht, erzählt uns Maja Schorr im Interview.

SR.de: Frau Schorr, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der Filmcrew?

Maja Schorr: Das wissen wir eigentlich gar nicht so genau. Wir bekamen damals einen Anruf von einem Motivsucher, der sagte: „Ich habe gehört, Sie haben so ein außergewöhnliches Haus, darf ich mal vorbei kommen und es mir anschauen?“. Wir sagten sofort: „Ja gerne, natürlich“.

Zuerst sind dann drei Leute vorbeigekommen, die sich alles angeschaut haben und einige Zeit später ist das Film-Team dann zu zehnt gekommen  und dann fing auch unmittelbar danach der Dreh zum SR-Tatort „Das fleißige Lieschen“ an.

SR.de: Wie laufen die Vorbereitungen zum Dreh ab?

Schorr: Meistens kommt das Team ein paar Tage vor Drehbeginn und das ist dann auch immer sehr hektisch. Dann wird aufgebaut, unser Wohnzimmer wird völlig auf den Kopf gestellt. Sie bringen immer eigene Möbel mit und wir müssen dann natürlich raus.

Ermittlerteam findet die Leiche von Adam Schürk Vater. (Foto: SR)
In "Das Herz der Schlange" wird das Wohnzimmer der Familie Schorr zum Tatort.

Ich finde es sehr beeindruckend was für ein Aufwand so eine Filmproduktion ist. Während der Dreharbeiten steht unsere ganze Straße voll mit Lkws und es laufen auf unserem Grundstück ca. 30 Menschen herum, die alle genau wissen, was sie zu tun haben. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie oft manche Szenen gedreht werden, das sind manchmal bis zu 25 Takes.

SR.de: Wie lange wird in ihrem Haus bei einem Tatort gedreht? Es sind ja immer nur kurze Szenen, die im Elternhaus von Adam Schürk spielen. Wie viele Drehtage benötigt man dafür?

Schorr: Beim dritten Tatort-Dreh waren es drei Drehtage bei uns zu Hause.

SR.de: Und wie lebt es sich dann in ihrem Haus?

“Hey ich habe gerade meinen Mantel im Fernsehen gesehen“

Schorr: Das ist schon komisch, wenn das Sofa plötzlich nicht mehr an der gewohnten Stelle steht, oder ganz fehlt. Aber wir wohnen trotzdem meistens während der Dreharbeiten im Haus. Es sei denn, es sind Nachtdrehs wie beim letzten Tatort. Dann ziehen wir ins Hotel, denn dann wird oft bis sechs Uhr morgens gedreht. 

SR.de: Wird beim Dreh viel von ihren persönlichen Gegenständen weggeräumt oder ist ihr Haus im fertigen Film noch als ihres zu erkennen?

Schorr: Natürlich werden persönliche Gegenstände und Bilder entfernt, aber da bleiben auch viele Sachen von uns stehen. Wenn man dann den fertigen Tatort schaut sagt man dann schon: “Hey ich habe gerade meinen Mantel im Fernsehen gesehen“.

SR.de: Das Zuhause von Adam Schürk ist in den Filmen immer sehr düster inszeniert, wirkt das eigene Haus dann im Fernsehen sehr fremd auf Sie?

Schorr: Unser Haus ist in Wirklichkeit ziemlich hell, da ist das schon komisch, wenn man es im Tatort sieht. Da wird viel getrickst. Zum Dreh werden immer alle Fenster  zugehängt, damit es möglichst dunkel wirkt.

SR.de: Können Sie sich an besonders lustige oder außergewöhnliche Erlebnisse beim Dreh erinnern?

Schorr: Die Drehs mit Tieren sind immer ziemlich cool. Beim Dreh des letzten Tatorts hatten wir eine Schlange, die in der Spüle herumgekrochen ist. Wir hatten auch einmal Giftfrösche in einem Raum stehen. Die blieben auch übers Wochenende da, als Drehpause war.

Ich finde es auch immer sehr cool, wenn Schießereien gefilmt werden und dann das Kunstblut spritzt. Es ist sehr interessant zu sehen, wie das gemacht wird.

SR.de: Sie können bei den Drehs also auch dabei sein?

"Der Caterer ist eines der Highlights der Dreharbeiten"

Schorr: Ja, wir sind eigentlich die ganze Zeit dabei und ich habe auch schon einmal die Schule geschwänzt um beim Dreh zuzuschauen. Wir sind total integriert in die Film-Crew. Wir gehen zusammen zum Catering-Service und essen zusammen mit dem Team. Wir gehören zur Gemeinschaft.

SR.de: Ist das dann einer der Vorteile ein Film-Team im Haus zu haben, dass ein Caterer dabei ist und man nicht kochen muss?

Schorr: Ja das ist toll, aber wir können unserer Küche während des Drehs auch wirklich nicht benutzen. Insofern ist der Caterer wirklich eines der Highlights der Dreharbeiten.

SR.de: Sollte das Tatort -Team Hölzer Schürk zu einem Klassiker werden und noch ein paar Jahre weiter ermitteln, dürfte dann Adam Schürk weiter in ihrem Haus wohnen oder müsste er umziehen?  

Schorr: Das müssen dann meine Eltern entscheiden, aber ich wäre dafür, dass er weiterhin in unserem Haus wohnt.

Frau Schorr, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Der neue SR-"Tatort" läuft am Sonntag, 29. Januar, um 20.15 Uhr im Ersten.


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