Verschiedene Arten der Liebe

Verschiedene Arten der Liebe

Dokumentarfilm

Ein Film von Sarah Moll  

"76 Jahre lang hütete Lore Krajewski, meine Großmutter, ein Geheimnis. Eine Holzschatulle voller Liebesbriefe, die sie mir am Ende ihres Lebens anvertraute. Auf ihren Wunsch hin begann ich, ihr aus den Briefen vorzulesen und mit ihr einzutauchen in die Zeit einer Liebesbeziehung im Zweiten Weltkrieg, die sie nie mehr losließ. Eine Geschichte, von der niemand in der Familie ahnte", erzählt die Filmemacherin Sarah Moll.

Sendung: Montag (Allerheiligen) 01.11.2021 18.15 Uhr

Mediathek: Donnerstag 28.10.2021 13.00 Uhr (verfügbar bis 01.11.2022)

Die Regisseurin begibt sich zusammen mit ihrer fast 100-jährigen Großmutter auf die Suche nach Spuren ihrer bewegten Vergangenheit. Eine charismatische Frau, die sich mit täglichem Treppen-Training fit hält, die dafür kämpft, nicht ins Altersheim zu müssen und die sich immer noch nach ihrer ersten Liebe sehnt.

Warum strahlt diese Jugendliebe am Ende des Lebens nach? Stärker als die Erinnerung an 39 Jahre Ehe? Warum stellte Lore als junge Frau den Zweiten Weltkrieg nicht in Frage, auch nachdem ihre große Liebe gefallen war?

Geschichte aus weiblicher Perspektive

Das vertrauensvolle Verhältnis zwischen der Autorin und ihrer Großmutter ermöglicht ungeschminkte Fragen und verblüffende Antworten. Der Dokumentarfilm zeigt Geschichte aus weiblicher Perspektive, auf überraschende, ungewöhnliche und berührende Art und Weise.

Lore, eine Frau, die ihr Leben nach dem Verlust neu denken musste, steht stellvertretend für eine ganze Generation von Frauen, die ihre Männer im Krieg verlor. Sie studierte als einzige Frau ihres Studiengangs – mitten im Kriegsgeschehen – und wurde Architektin der ersten Stunde der Nachkriegszeit. Entschlossen, Deutschland als demokratische Gesellschaft mit aufzubauen und mit einer Fülle an Talenten ausgestattet – und doch gefangen in ihrer Zeit.

Rollenbild der Frau im 20. Jahrhundert

Sie heiratet einen Witwer mit drei Söhnen. Als er Baudirektor wird – zunächst in Leverkusen, später in Saarbrücken – muss sie ihr Architekturbüro aufgeben. Er baut Saarbrücken wieder auf, sie zieht drei halbwaise Kinder auf. Was wäre aus ihr geworden, wenn sie ihre berufliche Karriere nicht für ihren Ehemann geopfert hätte?

Über privates Archivmaterial, Fotos, Briefauszüge, Tagebucheinträge und Zwiegespräche der Autorin und ihrer Großmutter öffnet der bewegende Dokumentarfilm den Blick auf das weibliche Rollenbild eines ganzen Jahrhunderts. Die Auseinandersetzung zwischen Enkelinnen- und Großmutter-Generation beinhaltet viele unbequeme Fragen und erzählt doch von tiefer Zuneigung.

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