Blick in das Schloss Versailles (Foto: rbb)

Geheimnisvolle Orte: Schloss Versailles

Im Spiegelsaal der Geschichte

 

18. Januar 1871, vor 150 Jahren, wird im Spiegelsaal von Versailles Wilhelm I. als deutscher Kaiser proklamiert. Das Schloss, einst Regierungssitz von "Sonnenkönig" Ludwig XIV., war ein nationales Symbol – und die Proklamation somit eine Machtdemonstration gegenüber Frankreich, ein triumphaler Akt im Saal der 357 Spiegel. Die Doku erzählt Versailles auch als einen Ort deutscher Geschichte.

Sendung: Montag 18.01.2021 23.50 Uhr

Versailles ist ein Ort voller Geschichten und Geheimnisse. Vielen Deutschen ist es bekannt als das prächtige Schloss des „Sonnenkönigs“ Ludwigs XIV., von dem sich bereits Herrscher wie Friedrich der Große von Preußen oder Ludwig II. von Bayern beeindrucken und inspirieren ließen.

Blick in das Schloss Versailles (Foto: rbb)

Aber in Versailles wurde auch unmittelbar deutsche –  und speziell saarländische – Geschichte geschrieben.

Anfang August 1870 finden in und um Saarbrücken die ersten Kämpfe des Deutsch-Französischen Krieges statt. Ein halbes Jahr später, im Januar 1871, stehen die Armeen der deutschen Länder in Versailles. Bismarck nutzt den symbolgeladenen Ort der Macht, um am 18. Januar im Spiegelsaal, dem „Herzstück“  des Schlosses,  den preußischen König Wilhelm I. zum deutschen Kaiser proklamieren zu lassen. Der sträubt sich bis zuletzt und es spielen sich dramatische Szenen zwischen dem Herrscher, dem Kronprinzen und dem Strippen ziehenden Kanzler ab. Am Ende setzt sich Bismarck durch – das deutsche Kaiserreich wird in Versailles aus der Taufe gehoben. Eine Machtdemonstration und ein Akt der Demütigung gegenüber Frankreich, die nicht vergessen werden.

Millionen Besucher aus aller Welt

Im November 1918 kapituliert eben jenes Kaiserreich gegenüber den Alliierten Mächten und setzt damit einen Schlusspunkt unter die verheerenden Kämpfe des Ersten Weltkriegs. Die Friedensverhandlungen beginnen am 18. Januar 1919 im Schloss Versailles – Ort und Datum waren mit Bedacht gewählt. Die deutschen Vertreter sitzen nicht mit am Tisch. Am 18. Juni 1919 jedoch unterzeichnen sie im Spiegelsaal einen Vertrag, der Deutschland hohe Reparationen auferlegt. Und er stellt für 15 Jahre ein neu zusammengewürfeltes Gebiet im Südwesten des ehemaligen Kaiserreichs unter internationale Verwaltung: das sogenannte Saarbeckengebiet oder kurz Saargebiet.

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