Das weiße Gold des Südwestens - Porzellan aus Ottweiler

Das weiße Gold des Südwestens

Porzellan aus Ottweiler

Ein Film von Maria C. Schmitt  

1763 gründete Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken in der kleinen Residenzstadt Ottweiler eine Porzellanmanufaktur. Heute zählt Ottweiler Porzellan zu den seltensten der Welt.

Sendung: Donnerstag 06.08.2020 20.15 Uhr

Es geht um Liebe und Erotik, um Schuldenkrisen in Adelskreisen, verschwundene Schätze und um Leidenschaften, von denen man nicht mehr loskommt. Namhafte Künstler und die reichsten Männer Europas waren beteiligt. Auch im Fürstentum Nassau-Saarbrücken hinterließ die Sucht nach Porzellan ihre Spuren.

Im Barock des 18. Jahrhunderts war es ein Prestigeprodukt. Mit dem sogenannten "weißen Gold" versuchten die Fürsten sich bei Hofe zu profilieren und sich gegenseitig zu überbieten. Auch im Fürstentum Nassau-Saarbrücken hinterließ die Leidenschaft für Porzellan ihre Spuren.

In Ottweiler, rund 30 Kilometer von Saarbrücken entfernt, richteten Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken und seine Gemahlin Sophie Erdmuthe eine Porzellan-Werkstatt ein, eine "wahre Wunderkammer", wie es hieß. Für seine Porzellan-Manufaktur war dem Fürsten nichts zu teuer. Künstler aus Frankreich arbeiteten mit wertvollem Kaolin aus Passau, einem feinen weißen Tongestein. Die Investition trug Früchte: Ottweiler Porzellan war edler und härter als das anderer Manufakturen.

Das weiße Gold des Südwestens (Foto: SR)
Das weiße Gold des Südwestens

Porzellan aus Ottweiler in der ganzen Welt

Das Fürstenpaar von Nassau-Saarbrücken pflegte engen Kontakt mit dem französischen König Ludwig XV. und verkehrte in den höchsten Pariser Kreisen. Sophie Erdmuthe demonstrierte mit den edlen Stücken ihren guten Geschmack, Wilhelm-Heinrich hoffte mit dem Verkauf die klammen Kassen aufzufüllen. Porzellan aus der eigenen Manufaktur war ein wertvolles Gastgeschenk und Statussymbol. So entspannen sich um dessen Herstellung nicht selten Intrigen. Die Fürsten versuchten sich die besten Maler und Handwerker gegenseitig abzuwerben.

Das weiße Gold des Südwestens (Foto: SR)
Das weiße Gold des Südwestens

Nur wenige Jahre, von 1763 bis 1800, wurde in Ottweiler Porzellan hergestellt. Der Nachlass ist begrenzt, die verbliebenen Stücke in der ganzen Welt verteilt. Wenn heute außergewöhnlich kunstvoll bemalte Tassen, Teller oder Kannen aus dem deutschen Südwesten bei Auktionen auftauchen, so sind sie internationalen Sammlern Tausende von Euro wert.

In opulenten Bildern erzählt der Film nicht nur die spannende Geschichte der Manufaktur, die lange im Dornröschenschlaf lag, sondern auch vom Lebensgefühl der Barockzeit, von einer außergewöhnlichen Liebe zwischen Fürst und Gänsegretel - und von Leidenschaften, die immer noch lebendig sind. Die Suche nach dem "weißen Gold" aus Ottweiler führt nach Hamburg, Augsburg, Köln, Heidelberg und Weinheim. So dokumentiert der Film ein lebendiges Stück Heimatgeschichte, denn obwohl die Manufaktur in Ottweiler nur wenig mehr als 30 Jahre produziert hat, leben die Fürsten bis heute weiter durch ihr Porzellan.

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