Die Geschichte des Südwestens - Wie wir Krieg und NS-Herrschaft erlebten (Foto: swr)

Die Geschichte des Südwestens - Wie wir Krieg und NS-Herrschaft erlebten

 

Auch im Südwesten gewinnen die Nationalsozialisten ab den 1920er Jahren an Zulauf. Nachdem sie 1933 an die Macht gelangen, versprechen sie Urlaub für jedermann und beeindrucken mit Prestige-Projekten wie dem Bau der Autobahn von Frankfurt nach Heidelberg. Eine vielbejubelte "Großtat" ist die Wiedereingliederung des Saargebietes ins Deutsche Reich im Jahr 1935. Gegen die Ausgrenzung und Verfolgung von Andersdenkenden, politischen Gegnern, Juden, Sinti und Roma protestieren nur wenige.

Sendung: Sonntag 03.05.2020 12.15 Uhr

Die "Aktion T4", der tausendfache Mord an behinderten Menschen, beginnt 1940 im Südwesten, im Schloss Grafeneck auf der Schwäbischen Alb. Und auch die systematische Deportation der Juden beginnt mit der sogenannten "Wagner-Bürckel-Aktion" im Südwesten. Am 21. und 22. Oktober 1940 werden mehr als 6.500 Juden aus Baden und der Saarpfalz in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Die meisten von ihnen werden später in den Vernichtungslagern im Osten ermordet.

Opfer und Täter

Im Krieg werden viele Städte im Südwesten durch alliierte Bombenangriffe schwer zerstört, Tausende sterben. Zurück bleiben traumatisierte Überlebende, die nicht wissen, wie es weitergehen soll. Der Pfälzer Lehrer Josef Bürckel ist NSDAP-Anhänger der ersten Stunde und bald hoher NS-Funktionär. Der Gauleiter "erfindet" die "Deutsche Weinstraße", um die Winzer in der Pfalz zu unterstützen. Er ist beteiligt an der "Rückgliederung" des Saarlandes und an der "Wiedervereinigung Österreichs" mit dem Deutschen Reich. 1940 initiiert er zusammen mit dem badischen Gauleiter Robert Wagner die Deportation der Juden aus dem Elsass, dem Saarland, aus Lothringen, Baden und der Pfalz nach Gurs.

Szene aus "Die Geschichte des Südwestens"  (Foto: swr)
Szene aus "Die Geschichte des Südwestens"

Johannes Baptista Sproll, Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Er ist ein Gegner des NS-Regimes und wendet sich engagiert gegen Hitlers Ausgrenzungs- und Vernichtungspolitik.

Johanna Geissmar, Kinderärztin in Heidelberg und "Engel von Gurs". Weil sie Jüdin ist, wird ihr die Kassenzulassung entzogen. Sie muss ihre Praxis schließen. 1940 wird sie nach Gurs transportiert und von dort nach Auschwitz, wo sie ermordet wird. Der Südwesten der Bundesrepublik hat eine reiche Geschichte, überall finden sich noch heute Zeugnisse seiner wechselvollen Historie. Das multimediale Projekt "Die Geschichte des Südwestens" führt die Zuschauer an diese Schauplätze und erzählt die Erlebnisse bekannter und weniger bekannter Menschen, die in der jeweiligen Zeit gelebt und sie oft auch geprägt haben.

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