Filmaufnahme "Ethik oder Etikettenschwindel" (Foto: SR/Sigrid Born)

Ethik oder Etikettenschwindel?

Biofleisch zwischen Tierwohl und Trittbrettfahrern

Ein Film von Sigrid Born  

Statistisch gesehen isst jeder Deutsche 60 kg Fleisch pro Jahr. Viele geben gerne mehr Geld für Bio-Fleisch aus, weil sie hoffen, dass diese Tiere eher artgerecht als konventionell gehalten werden. Doch unzulängliche EU-Verordnungen lassen den Bio-Fleischproduzenten so viele Spielräume, sodass Haltungsbedingungen und Schlachtung ihrer Tiere sich nur wenig vom Konventionellen unterscheiden.

Sendung: Montag 20.05.2019 23.45 Uhr, Das Erste

Umfragen zeigen: Viele geben gerne mehr Geld für Fleisch aus - erhoffen sie sich doch, dass es den Tieren zu Lebzeiten besser geht, als den konventionell gehaltenen. Ein frommer Wunsch, den die Bio-Branche zu erfüllen versucht: Entspannte Rinder auf grünen Wiesen, Schweine, die sich im Freien unter blauem Himmel im Gras wälzen dürfen und glückliche Hühner, die ihre Eier in riesige Strohnester legen - so werden die Tiere auf den Verpackungen inszeniert. Und die Verbraucher zahlen gerne mehr für diese Bio-Idylle.

Längst sind Trittbrettfahrer unterwegs

Doch wie sieht es in Wirklichkeit aus? Unzulängliche EU-Verordnungen lassen den Biofleischproduzenten so viele Spielräume, sodass die Haltungsbedingungen der angeblich glücklicheren Tiere sich nur wenig von der konventionellen Tierhaltung unterscheiden. Und bei der Schlachtung sieht es oft nicht besser aus: Am Ende ihres Lebens erleiden die meisten Biotiere - oft nach einem langen Transport - denselben Tod wie ihre Leidensgenossen aus konventioneller Haltung. Auf manchen Schlachthöfen wird der Tierschutz im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten. Aber weil man für das Label "Bio" höhere Preise verlangen kann, sind längst Trittbrettfahrer unterwegs, denen das Tierwohl viel weniger am Herzen liegt als eine hohe Rendite.

Dokumentation der Zustände

Öko-Produkte erobern den Massenmarkt, und das schadet vor allem den "echten" Biobauern, die sich ernsthaft um das Wohl ihrer Tiere bemühen. Denn beim Preiskampf um das billigste Biofleisch können sie nicht mithalten. Dazu kommen noch gesetzliche Hürden. Bauern, die sich zum Beispiel für eine sanfte Schlachtung am Hof ohne Transportwege einsetzen, bekommen bürokratische Steine in den Weg gelegt.

SR-Autorin Sigrid Born hat mit ihrem Kamerateam Biobauern und Funktionäre, Verbraucher und Politiker aufgesucht und befragt. Und sie hat zusammen mit Tierschützern die zum Teil erschütternden Zustände in Betrieben und Schlachthöfen dokumentiert, die trotzdem das Label "Bio" tragen. Was kann man als Kunde und Konsument tun, um echte Bio-Landwirte zu fördern und nicht auf die falschen Versprechungen der Trittbrettfahrer hereinzufallen?

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