Französische Soldaten verhöhnen deutsche Grenzschützer, Mars-La-Tour, 1913. (Foto: privat)

Der ferne nahe Krieg Teil 1

1871–1914: Mein Nachbar, der Spion

 

Wer beim Thema Erster Weltkrieg nur auf die Jahre 1914 bis 1918 schaut, greift entschieden zu kurz. „Der ferne nahe Krieg“ nimmt die gesamte Epoche, in der dieser Krieg tobte, in den Fokus. Der erste Teil des Dreiteilers beschäftigt sich mit den Jahren 1871 bis 1914.

Sendung: Mittwoch 31.10.2018 22.00 Uhr

Die dreiteilige Dokumentation verfolgt die Ursachen des Ersten Weltkriegs zurück bis zum Ende des deutsch-französischen Kriegs 1871 und zeigt seine Auswirkungen auf die Zeit danach auf bis hin zum Saar-Referendum von 1935.


Teil eins: 1871–1914: Mein Nachbar, der Spion

Der erste Weltkrieg – so sagen heute viele Historiker übereinstimmend – begann nicht 1914, sondern schon mit dem Ende des deutsch-französischen Krieges 1870-71. Kaum waren die letzten deutschen Besatzungstruppen aus Frankreich abgezogen, fing man auf beiden Seiten an, die Infrastruktur für den nächsten Krieg zu schaffen: Forts und Garnisonen, Straßen und Eisenbahnstrecken, Munitions- und Lebensmittellager. Damit begann auch eine Epoche der Spione, denn beide Länder glaubten, sich durch möglichst detailgenaue Informationen über den alten wie künftigen Feind einen wichtigen Vorteil für den nächsten Krieg verschaffen zu können. Ganz besonders blühte das Metier der geheimen Späher in den von Deutschland annektierten Gebieten: dem Elsass und dem heutigen Departement Moselle in Lothringen.

Im April 1887 löst die Verhaftung des französischen Grenz-Polizeikommissars Wilhelm Schnäbele (frz. Guillaume Schnaebelé) durch deutsche Beamte einen politischen Erdrutsch aus. Deutschland und Frankreich schlittern knapp an einem neuen Krieg vorbei. Durch diese Affäre wird ein ganzes Netzwerk von Spionage und Gegenspionage entlang der Grenze aufgedeckt. Der Film arbeitet erstmals die unglaubliche Geschichte dieser über 40 Jahre andauernden geheimen Informationsschlacht vor unserer Haustür auf, die in der französischen Geschichtsschreibung la guerre grise, „der graue Krieg“ genannt wird. Dabei verschmilzt er Archivbilder der Epoche mit aktuellen Aufnahmen und greift bewusst auf Stilmittel aus Abenteuer- und Spionageromanen zurück – einem Genre, das nicht von ungefähr genau in dieser Zeit neue Titelhelden wie Fantomas oder Arsène Lupin hervorbringt.


Der zweite Teil, „1914-1918: Am Rande der Hölle, beschäftigt sich mit dem Leben der „normalen Menschen“ auf beiden Seiten im unmittelbaren im Hinterland der Front und geht der Frage nach, warum heute die Urenkel der Opfer fordern, dass auch der „Mörder“ ihrer Vorfahren gedacht wird (Regie: Gaël Lachaux). [mehr]


Der dritte Teil, „1918-1935: Der zweifelhafte Frieden“, zeigt, dass das Kriegsende für die Bevölkerung entlang der Front noch lange keine Normalität brachte. Insbesondere in der von den Kämpfen regelrecht umgepflügten, nackten Landschaft um Lille und Verdun fangen die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes bei Null an. Die Sieger unterstellen das neugebildete Saargebiet dem Völkerbund, wobei es de facto von Frankreich abhängig ist. 1923 besetzen Frankreich und Belgien das Ruhrgebiet. Der Frieden hat bereits tiefe Risse. (Regie: Olivier Sarrazin).

„Der ferne nahe Krieg“ entstand als gemeinsame Auftragsproduktion von France Télévisions, Mirabelle TV, Vosges TV, WEO und dem Saarländischen Rundfunk und berücksichtigt die Perspektiven beider Länder in diesem Konflikt. Dabei verlässt die Erzählweise bewusst bewährte, aber ausgetretene Pfade, um auch jüngere Zuschauer für diese scheinbar so ferne Zeit zu interessieren. [mehr]

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