Anton von Werner (Foto: SR)

Bilder der Macht - Der Saarbrücker Rathauszyklus von Anton von Werner

SAARTHEMA

 

Monumentale Gemälde, realitätsgetreu bis ins kleinste Detail: Wer den „Sturm auf den Spicherer Berg“ oder die „Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken“ im Anbau des damaligen Saarbrücker Rathauses betrachtete, der empfand spontan: Genauso hat es sich zugetragen im Kriegssommer 1870. Oder etwa doch nicht? Bei genauerem Hinsehen wird deutlich: Nichts hat der Künstler Anton von Werner hier dem Zufall überlassen. Jedes noch so kleine Detail folgt einer ausgeklügelten Inszenierung.

Sendung: Donnerstag 28.04.2022 20.15 Uhr

Anton von Werner: Der Sturm auf den Spicherer Berg (Foto: SR)

Von Werner gilt als bedeutendster Maler des Deutschen Kaiserreichs. Sein bekanntestes Werk, „Die Kaiserproklamation in Versailles“, ist in jedem Geschichtsbuch abgedruckt. Lange vergessen war hingegen sein monumentaler „Saarbrücker Rathauszyklus“; sieben großformatige, nahezu fotorealistisch wirkende Gemälde, die Preußen der Stadt als Dank für die Opferbereitschaft in der Schlacht am Spicherer Berg schenkte. Sie waren jahrzehntelang in einem eigens erbauten Saal ausgestellt und lockten viele Menschen an, die die Orte des Deutsch-Französischen Kriegs besuchten. In der Bombennacht im Oktober 1944 wurde der Rathaussaal zwar zerstört, die Bilder aber wurden gerettet. Fünf der sieben Gemälde konnten in den 1990er Jahren restauriert werden.

Die Restaurierung zum Jahrestag

Vor wenigen Jahren erwarb Simon Matzerath, Direktor des Historischen Museums Saar (HMS), die zusammengerollten Gemälde, um ihre politische Aussage und ihre Funktion für das Deutsche Kaiserreich nach heutigem Forschungsstand neu zu bewerten und sie in einer Ausstellung zum 150. Jahrestag des Deutsch-Französischen Krieges zu zeigen. Neben dem Porträt Otto von Bismarcks wurde die „Ankunft König Wilhelms I. in Saarbrücken“ sogar live in der Ausstellung restauriert. Restauratorin Katharina Deimel musste auf mehreren Quadratmetern Schimmel beseitigen, Löcher flicken und plötzlich auftretende Falten glätten, bis dieses Gemälde endlich wieder aufgehängt werden konnte.

Was ist Wahrheit?

Die Filmemacherin Annette Bak hat diese Arbeit begleitet und festgestellt, dass die Fragen, die der „Saarbrücker Rathauszyklus“ aufwirft, sich als erstaunlich aktuell erweisen: Was ist Wahrheit? Welche Botschaft können Bilder transportieren? Welche politische Absicht steckt dahinter? Um sie zu beantworten, hat sie die Historiker Paul Burgard (Saarländisches Landesarchiv), Simon Matzerath (HMS), Laurent Thurnherr (Musée de la Guerre de 1870 et de l’Annexion) und die Historikerin und Kunsthistorikerin Charlotte Schenique befragt.

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