Eingang Porte Vauban von Toul (Foto: Maria M. Schmitt/SR)

Sehens- und Erlebenswertes

Bussang

Bussang ist ein kleiner Touristenort, im Winter kommt man zum Skifahren, im Sommer zum Wandern. Das war vor 150 Jahren anders: wohlhabende Kurgäste reisten an, um hier Wasser zu trinken – Heilwasser. Es gab Trinkhallen, Hotels und weitläufige Kuranlagen. Heute ist davon nur noch der Turm der Marien-Quelle übrig geblieben. Entdeckt hatte man das „Trinkblut“ schon 1620. Mit der Mosel haben die Heilquellen allerdings nichts zu tun, ihr Wasser stammt aus anderen Gesteinschichten.

Mitten im Ort ist die Mosel bereits zu einem ansehnlichen Bach geworden.

Theatre du Peuple

Im Sommer kommen besonders viele Franzosen nach Bussang. Kurz vor dem 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag, steht ein Ereignis bevor, das in ganz Frankreich bekannt ist. Theatermacher aus Paris, Südfrankreich oder gar aus Belgien studieren über Wochen gemeinsam mit Laien aus der Gegend Stücke ein, um sie in einem der ungewöhnlichsten Theater Frankreichs aufzuführen - ganz im Sinne des Theatergründers Maurice Pottecher.

Pottecher war der Sohn eines wohlhabenden Textilfabrikanten aus Bussang, er war ein Schöngeist und machte in Paris als Schriftsteller Karriere. Mit dem Theatre du Peuple, dem Volkstheater wollte er die Kunst auch in seine Heimat bringen. Er ließ ein Theater ganz aus Holz bauen, schrieb selbst Stücke und holte Theaterleute aus Paris in die Vogesen.

Seit 120 Jahren hat das Theater nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Am 14. Juli kommen die Besucher mit Sack und Pack zur Premiere. Viele kennen sich, treffen sich jedes Jahr hier. Zum Auftakt gibt’s immer etwas zur Unterhaltung, deftige Komödien mit Musik und Gesang sind die Attraktionen des Programms. Der eigentliche Höhepunkt kommt immer im 2. Akt, auf ihn warten die Zuschauer in jeder Aufführung besonders gespannt. Der Wald hinter dem Theater wird zur Bühne und spielt mit. Denn die Bühnenwand lässt sich öffnen und gibt den Blick frei hinaus in die Natur. Eine grandiose Idee von Maurice Pottecher. Sie machte das Theater schon zu Lebzeiten seines Gründers in ganz Frankreich bekannt.

Kajak- und Kanufahrten

Vor allem im Frühling, wenn in den Vogesen der Schnee schmilzt, wird die Mosel zwischen Remiremont und Epinal zur Herausforderung für Kajak-Fahrer und Kanuten. Beim Kajak-Club Epinal kann man geführte Touren buchen. Aus diesem Club stammen sogar Weltmeister und Goldmedaillengewinner.

Canoe Cayak Club Golbey Epinal St. Nabord

Base Nautique Epinal

Epinal

Die Stadt nennt sich „Tor zu den Vogesen“, hier ist die Mosel schon zu einem richtigen Fluss geworden. Dessen Kraft haben die Einwohner schon früh genutzt, um Wassermühlen aller Art anzutreiben. Epinal war bekannt für seine Stoff- und Papierproduktion. Von Macht und Wohlstand erzählen noch heute die stattlichen Häuser rund um den zentralen Platz, die Place des Vosges. Sehenswert ist auch die Basilika Saint Maurice mit ihren unterschiedlichen Stilen. Wuchtig überragt der Kirchturm, der früher Wach- und Wehrturm war, die Altstadt. Wie die Kirche, erinnern auch Überreste der Stadtmauer daran, dass sich die Einwohner von Epinal immer wieder gegen Angriffe schützen mussten. Reichtum rief Neider auf den Plan. Dass Epinal auch „Stadt der hundert Türme“ genannt wird, ist ein weiteres Zeichen für den einstigen Wohlstand – allerdings sind nur etwa 30 Türme verbürgt.

Das Moselufer war früher nicht befestigt. Es gab viel Platz zwischen dem Fluss und einer Straße, an der Papiermühlen und Stofffabriken standen. Das Ufer wurde „Wäscherei“ genannt, denn die Wäscherinnen wuschen hier die gefärbten Stoffe, trockneten und bleichten sie in der Sonne. Die Industriellen brachten es zu beachtlichem Reichtum. Madame Leclerc, die Erbin einer Mühlendynastie, konnte sich sogar den Nachbau einer antiken römischen Villa leisten. Das protzige Gebäude samt riesiger Steinlöwen ist eingebettet in einen parkähnlichen Garten. Hinter dem Haus frönte Madame ihrer Leidenschaft für seltene Rosenarten. 500  Sorten soll sie von überall mitgebracht und hier angepflanzt haben.

Hafen von Epinal

Der Chef im Hafen ist Gérard Aubert, vor seinem Restaurant „ La Capitainerie“ treffen sich an sonnigen Tagen Schiffsgäste genauso wie junge Leute aus Epinal und Umgebung auf einen Cocktail oder Aperitif. Monsieur Aubert ist zuständig für Gäste aller Art. Er verleiht Boote für kleinere Rundfahrten und schaut nach dem Rechten bei den Bootsgästen. Sie kommen von weither, sogar aus Australien, Neuseeland, Amerika. Viele von ihnen kaufen oder mieten hier ein Boot und machen dann eine Rundfahrt durch Frankreich.

Châtel-sur Moselle

Schon die Römer hatten in Châtel-sur-Moselle, wo Straßen und Flusswege sich kreuzten, eine Siedlung gegründet. Im  11. Jahrhundert bauten die Grafen von Vaudémont eine Burg, von der aus sie die Wege überwachen konnten.  Mächtige Adelsgeschlechter folgten ihnen und jeder Herrscher vergrößerte die Anlage. Schließlich gehörte die Festung von Châtel zu den bedeutendsten Militärbauwerken in Ostfrankreich. Oberirdisch sind heute nur noch Grundmauern zu sehen. Die Truppen des Sonnenkönigs zerstörten die Burg über der Mosel. Unter der Erde wartet allerdings noch so manche Überraschung.

René Elter ist Archäologe und Burgdirektor. Ihn fasziniert vor allem die Versorgung der Burg mit Wasser. Sie machte es möglich, dass Militärs und Bewohner Belagerungen lange standhalten konnten. Von den Sammelbecken wurde das Wasser in verschiedene Teile der Burg geleitet, zum Beispiel in die Küche. Bei Grabungen hat man zahlreiche ausgehöhlte Holzstämme gefunden, die einst als Wasserleitungen dienten.

Nach ihrer Zerstörung geriet die mächtige Burg von Châtel-sur-Moselle in Vergessenheit. Erst vor etwa 40 Jahren haben die Archäologen mit Ausgrabungen und Restaurierungen begonnen.

Charmes

In Charmes zweigte man einige Kanäle von der Mosel ab, um daran Sägewerke und kleinere Fabriken zu erbauen.

Im Ecomusée du Battant, einem Heimatmuseum, wird diese Welt wieder lebendig. Man kann eine Sägerei besichtigen, in der dicke Holzstämme aus den Vogesen zu Brettern zersägt wurden. Gleich nebenan kann man die Räder sogar noch zum Laufen bringen. Es funktioniert wie bei einer Mühle. Die Kraft des Wassers wird genutzt, um Zahnräder, Getriebe, Riemen, Maschinen und sogar Turbinen anzutreiben. Paul Dazey, einem cleveren Erfinder aus Charmes, gelang es schon früh, in seiner Fabrik mit dem Wasser Strom für den gesamten Ort zu erzeugen und damit sogar die Straßen zu beleuchten. Außerdem beschäftigte der fortschrittliche Industrielle etwa 40 Arbeiter, die an Drehbänken Schrauben und Gewinde herstellten – natürlich ebenfalls mit Wasserkraft.

Die wilde Mosel

Damien Aumaître arbeitet für das Naturreservat „Wilde Mosel“. Damit ist er zuständig für den schönsten Teil der jungen Mosel, der gleich hinter Charmes beginnt. Regelmäßig macht er Beobachtungsfahrten auf dem „Fluss voller Überraschungen“. So nennen er und seine Kollegen „ihre“ Mosel. Das ist der einzige Teil der gesamten Mosel, in den nie groß eingegriffen wurde, es gab keine Begradigungen, keine Staudämme, keinen Kiesabbau. Hier hat man den Fluss so wild wie möglich gelassen. Auf 15 Kilometern Länge gibt es keine Bebauung, das macht den Reichtum dieses Naturreservates aus. Zu Aumaîtres Aufgaben gehört es auch, in den  Sandhängen am Ufer die Nistlöcher der Fluss-Schwalben zu zählen. Sie sind nicht nur in Lothringen selten geworden, weil sie kaum noch naturbelassene Ufer finden. An der wilden Mosel gibt es jedoch noch 6–8 Kolonien der flinken kleinen Vögel.

Die Höhlen von Pierre-La Treiche

Die Höhlen von Pierre-la-Treiche sind eine fantastische Unterwelt, die das Wasser vor 170 Millionen Jahren geschaffen hat. Ein weit verzweigtes Höhlensystem liegt  kurz vor Toul im mächtigen Kalksteinmassiv versteckt. Die Höhlen waren lange unentdeckt, weil die Mosel im Lauf der Zeit dicke Gesteinsbrocken davor abgelagert hatte. Das Höhlensystem von Pierre-la-Treiche gehört zu den größten in Ostfrankreich und ist noch immer nicht ganz erforscht.

Toul

Toul war schon in der Antike ein Kreuzungspunkt wichtiger Handelsstraßen. Schon bei den Leukern, einem keltischen Volksstamm, war Tullum ein bedeutender Ort.  Auch die Römer hatten an der Moselschleife einen wichtigen Handelsplatz. An solchen Orten hat man später große Kirchen gebaut, und Toul wurde die Hauptstadt des Bistums Toul, einem der größten im westlichen Europa. Von der günstigen Lage am Moselbogen profitierten vor allem die Bischöfe. Sie waren auch die weltlichen Herrscher der Stadt und konnten Zölle und Steuern erheben. Ihre Macht demonstrierten sie mit der prachtvoll verzierten Kirchenfassade der Kathedrale St. Etienne - im Stil des Flamboyant. Er war um 1350 in Lothringen besonders beliebt und modern.

Die Altstadt von Toul ist von Erdwällen, Wassergräben und Mauern umgeben – ein gigantisches System von Befestigungsanlagen. Toul war auch für den französischen Sonnenkönig strategisch von großer Bedeutung. Er beauftrage um 1700 seinen Militärbaumeister Marschall Vauban mit der Befestigung der Stadt. Das Genie Vaubans bestand darin, die Bauwerke an die unterschiedlichen Orte anzupassen, indem er Wasser nutzte. In Toul hat er die Nähe der Mosel genutzt und das Wasser des Nebenflusses Ingressin, um die Gräben zu fluten und so die Festungsstadt zu schützen.

Heute ist Toul ein lebhaftes Städtchen mit etwa 16.000 Einwohnern. Stattliche Bürgerhäuser, kleine Plätze und das Theater zeugen vom einstigen Wohlstand. Jahrhunderte lang war Toul größer und bedeutender als das benachbarte Nancy. Ein großer Kreisel ist der zentrale Platz von Toul. Seine Mitte wird von Gartenarchitekten je nach Jahreszeiten unterschiedlich gestaltet und bepflanzt. In den Cafés ringsum fühlt man sich bei schönem Wetter fast wie im Süden.

Liverdun

Auf einem Felsvorsprung hoch über der Mosel thront das Städtchen Liverdun. Von hier hat man einen sehr schönen Blick auf die Moselschleife. Im 12. Jahrhundert ließ der Bischof von Toul, Pierre de Brixey, eine verfallene Burg  wieder aufbauen, um hier oben - fern vom Trubel in der Stadt - die Sommer zu verbringen. Auch seine Nachfolger schätzten Liverdun als luftige Sommerresidenz.

In dem Gebäude ist heute das Tourismusbüro untergebracht. Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch reiche Bürger aus Toul und dem nahen Nancy nach Liverdun, um hier ein paar unbeschwerte Tage zu verbringen. Für die Einheimischen war das Leben in den steilen Gassen allerdings nicht so einfach. So mussten die Frauen zum Wäschewaschen hinunter ans Moselufer. Der Bau eines Waschhauses war für sie der pure Luxus. Dieses Waschhaus ist noch zu besichtigen. Beinahe jedes Gemäuer in Liverdun erzählt eine spannende Geschichte. Sogar das schwedische Königspaar und die Queen sollen den Ort schon besichtigt haben.

Tipps

Theatre du Peuple

40 Rue du Théatre du Peuple,
88540 Bussang, Frankreich
Telefon:+33 3 29 61 50 48
www.theatredupeuple.com

Ecomusée du Battant
48 Rue du Moulin,
88130 Charmes, Frankreich
Telefon: +33 3 29 66 01 86
www.ecomuseedubattant.blogspot.com

Forteresse de Chatel-sur-Moselle
8 Rue des Capucins,
88330 Châtel-sur-Moselle, Frankreich
Telefon:+33 3 29 67 14 18
www.chatel-medieval.com

Conservatoire d’espaces naturels de Lorraine
La Moselle Sauvage
Antenne Meuse et Meurthe-et-Moselle
Chambley Planet'Air - Hangar 610
Tour de Contrôle
54470 Hageville
Tél. : 03 82 20 88 00
centhiaucourt@cren-lorraine.fr

Freizeithafen Toul
2-4 Avenue du Colonel Pechot,
54200 Toul, Frankreich
www.tourisme-meurtheetmoselle.fr

Freizeithafen Epinal/ Port d’Epinal
Tel: 0033 3 29 81 33 45
www.tourisme-epinal.com

Restaurant La Capitainerie
Port d'Epinal
88000 Epinal
www.petitfute.com 

Campingplatz Liverdun/ Les Boucles de la Moselle
Avenue Eugène Lerebourg
54460 Liverdun, Frankreich
Tel: +33 3 83 24 43 78
www.lesbouclesdelamoselle.com

Museen

Musée de L’Image Epinal
42 quai de Dogneville
88000  Épinal
Tel: +33 3 29 81 48 30 / 29 34 21 87
www.museedelimage.fr 

L’imagerie
42 bis Quai de Dogneville,
88000 Épinal, Frankreich
www.imagerie-epinal.com

Tel: 0033 3 29 34 21 87

Museum für zeitgenössische Kunst

1 Place Lagarde,
88000 Épinal, Frankreich
Tel: 0033 3 29 82 20 33

Museum für Stadtgeschichte

14 Rue du Chapitre
88000 Épinal

Museum für Kunst und Geschichte von Toul

25 Rue Gouvion Saint-Cyr,
54200 Toul, Frankreich

Hotels

 Mercure Hotel Epinal
13 Place Emile Stein,
88000 Épinal, Frankreich
Telefon:+33 3 29 29 12 91
www.accorhotels.com

 Hotel La Villa Lorraine/ Toul
15 Rue Gambetta
54200 Toul, Frankreich
Telefon:+33 3 83 43 08 95
www.hotel-villa-lorraine.com

Novotel Suites Nancy Centre
2 Allée du Chanoine Drioton,
54000 Nancy, Frankreich
Telefon:+33 3 83 32 28 80
www.accorhotels.com

Campingplatz Liverdun/ Les Boucles de la Moselle
Avenue Eugène Lerebourg
54460 Liverdun, Frankreich
Tel: +33 3 83 24 43 78 / www.lesbouclesdelamoselle.com

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