Entlang der Ill durchs Elsass – Von der Quelle bis zum Großen Ried

Entlang der Ill durchs Elsass – Von der Quelle bis zum Großen Ried

Aus der Reihe "fahr mal hin"

 

"Fahr mal hin" begibt sich auf den Weg der Ill durchs Elsass. Von der Illquelle im Süden des Elsass geht es bis nach Colmar und Straßburg.

Sendung: Pfingstmontag 24.05.2021 18.15 Uhr

Die Ill ist für das Elsass mindestens so wichtig wie der Rhein. Nach ihr sollen die Menschen einst Illsassen und später Elsässer genannt worden sein. Fischen an der Ill kann manchmal zur Meditation werden und Wandern entlang der Ufer zur Zeitreise in eine Geschichte, die sogar das Fürstentum Monaco mit dem Elsass verbindet. Die Illquelle liegt im Sundgau, nahe der Schweizer Grenze, ganz im Süden des Elsass. Die weite Landschaft lädt ein zum Träumen und Entschleunigen.

Bilder von einer Reise entlang der Ill

Doch selbst Autofahrer finden etwas weiter flussabwärts am Illufer von Mulhouse in einem der berühmtesten Automuseen der Welt fast alles, was ihr Herz begehrt. Gleich um die Ecke ist David Ambrosi Manager eines der schönsten Märkte Frankreichs. Menschen aus aller Welt begegnen sich hier. Und an manchem Sommerabend kann man sich in Mulhouse beim Tango unter freiem Himmel sogar wie in Buenos Aires fühlen.

Wenig weiter in Ungersheim wartet ein Freilichtmuseum besonderer Art: das Ecomusée d‘Alsace. Hier ist das Typischste aus dem ganzen Elsass an einem einzigen Ort versammelt. Das Elsass wie aus dem Bilderbuch wartet weiter nördlich auch in Colmar. Der Illkanal ist hier die Hauptschlagader eines der schönsten Stadtviertel des Elsass: La Petite Venise. Und einer kennt fast alle Geheimnisse des Flusses: Patrick Unterstock baut Boote nach alter Tradition und wird nicht müde, von seinem Fluss zu erzählen.

Entlang der Ill durchs Elsass: Bootstour auf der Ill mit Patrick Unterstock (Foto: SR)

Zuschauerinformationen

Über rund 220 km durchzieht die Ill das Elsass, von der Schweizer Grenze bis hinter Straßburg - und manche sagen, das Land habe von ihr seinen Namen. Denn diejenigen, die einst „an der Ill saßen“, die `Illsassen`, seien später Elsässer genannt worden. Auf alle Fälle ist die Ill, die oft parallel zum Rhein fließt, bevor sie in ihn mündet, eine Lebensader, an der sich das Elsass in all seinen Facetten spiegelt - traditionell, urban, fortschrittlich, still, amüsant, natürlich, kunstvoll. Dem Flusslauf und seiner nahen Umgebung zu folgen ist eine der lohnendsten Entdeckungsreisen, die man im Elsass machen kann.

Als Ausgangspunkt für den südlichen Teil dieser Entdeckungsreise eignet sich Mulhouse: Von hier aus lassen sich alle Ziele am und um den Fluss in maximal einer Stunde Fahrtzeit erreichen, dazu hat die von der Ill durchzogene Stadt selbst sehr viel zu bieten. Wer mag, kann natürlich auch in Etappen reisen und die Bleibe wechseln. Übernachtungsmöglichkeiten für jede Art von Ansprüchen sind entlang der Ill reichlich vorhanden.


TOURISTISCHE INFORMATIONEN:

Office de Tourisme du Sundgau

30 rue Charles de Gaulle
F-68130 Altkirch
Tel. 0033/389/40 02 90
info@sundgau-sudalsace.fr

Office de Tourisme Mulhouse

1 avenue Robert Schuman
F-68100 Mulhouse
Tel. 0033/389/35 48 48
info@tourisme-mulhouse.com
Office de Tourisme Colmar:

Place Unterlinden

F-68000 Colmar
Tel. 0033/389/20 68 92
info@tourisme-colmar.com

Office de Tourisme du Grand Ried

13 rue du Maréchal Foch
F-67390 Marckolsheim
Tel. 0033/388/92 56 98
marckolsheim@grandried.fr

SO KOMMT MAN HIN:

Auf der Autobahn und Schnellstraße A4 und E25 über Straßburg bis Mulhouse. Wer seine Reise an der Illquelle beginnen möchte, fährt von Mulhouse auf der D432 bis zum Dörchen Winkel an der Schweizer Grenze.

Entlang der Ill durchs Elsass: Alter Wachtturm im Ècomusée d' Alsace in Ungersheim (Foto: SR)

SEHENS- UND ERLEBENSWERTES

Von Süden nach Norden: Die Illquelle in Winkel wurde von einer Pariser Bildhauerin zu einem kleinen Kunstwerk gemacht - ein stilles Plätzchen, an dem man den Fluss per Hahn „aufdrehen“, dem Wasser beim Fließen über schön gestaltete Steine zusehen und zur Ruhe kommen kann. Einen Blick wert sind die schönen alten Mühlen hier im Sundgau, dem südlichsten Teil des Elsass. Zum Beispiel in Werentzhouse, direkt an der dortigen Illbrücke. Der Parcours Touristique de Peche à la Truite in Altkirch ist ein Paradies besonders für Forellenfischer - und das ganze Jahr über geöffnet. Hier hat man auf etwa zwei Kilometern Länge ein landschaftlich sehr schönes Stückchen Ill den Fischern gewidmet - und denen, die es werden wollen. Altkirch selbst ist die Hauptstadt des Sundgaus, mit sehenswerter Altstadt und allerlei Veranstaltungen. (www.sundgau-sudalsace.fr)

Mulhouse ist nicht nur die zweitgrößte Stadt des Elsass, es ist auch eine der interessantesten. Eine typische Stadt des zweiten Blicks: Wer hier mit offenen Augen herumspaziert, entdeckt eine großartige Bandbreite an Erlebenswertem: Der Marché Couvert ist nicht nur der größte Markt in Ostfrankreich - seine Farben, Waren, Geschmäcker und Gerüche aus aller Welt sind ein Erlebnis, für das man unbedingt genug Zeit (und eventuell auch ein bisschen Geld) mitbringen sollte. (Di., Do., Sa. von ca. 8-17h). Ein Mekka für Autofans aus aller Welt ist die Cité de l‘ Automobile - Collection Schlumpf, ebenfalls am Illkanal, knapp einen Kilometer nördlich des Markts. Was hier geboten ist, könnte sogar eingefleischte Autogegner milder stimmen: Das Museum bietet nicht nur die weltgrößte Sammlung europäischer Marken von den Anfängen bis zur Gegenwart, es ist auch ein ästhetisches Erlebnis (http://citedelautomobile.com). Natürlich gibt es in Mulhouse noch viel mehr zu sehen - vom alten Stadtzentrum über diverse Museen (vor allem die Cité du Train, das Eisenbahn-Pendant zur Cité de l‘ Automobile) bis hin zum Kulturzentrum La Filature, u.a. zweite Spielstätte der in Straßburg und Mulhouse beheimateten Opéra du Rhin. Alles aufzuzählen würde schlicht zu lange dauern, das Fremdenverkehrsamt hält alle Informationen aktualisiert bereit - auch zu den zahlreichen Festivals, die im Sommer in der Hauptstadt des Oberelsass stattfinden. (www.mulhouse-tourisme.fr)

Ein paar Kilometer nordwestlich von Mulhouse liegt das Ecomusée d‘ Alsace. Das Freilichtmuseum, eines der größten Frankreichs, bietet auf rund 35 Hektar Fläche einen genauso bezaubernden wie hochinteressanten Einblick ins Elsass von einst: Abbruchreife alte Häuser aus der gesamten Region, Bauernhöfe, Werkstätten und sogar ein Turm der mittelalterlichen Stadtmauer von Mulhouse wurden hier wieder aufgebaut und restauriert - ein ganzes Dorf samt Bahnhof, Friedhof und Kapelle entstand. Angestellte und Freiwillige zeigen altes Handwerk, man kann es sogar lernen und/oder mitarbeiten. Daneben gibt es Freiflächen, auf denen Landwirtschaft und Forschung betrieben werden, einen Naturlehrpfad, Gedanken zur Nachhaltigkeit und anderes mehr. Ein sehr gelungenes Beispiel dafür, wie man Museen echt, lebendig und fesselnd gestalten kann. Empfehlenswert sind hier auch die Nächte der „Songes et Lumières“ im August, wenn sich das Ecomusée in eine vielfarbige Bühne verwandelt, auf der Schauspieler, Erzähler und bildende Künstler allerlei zum Besten geben (www.ecomusee.alsace.fr), Chemin Grosswald, Ungersheim.

Entlang der Ill durchs Elsass: Bootstour auf der Ill mit Patrick Unterstock (Foto: SR)
Entlang der Ill durchs Elsass: Bootstour auf der Ill mit Patrick Unterstock

Zwischen Mulhouse und Colmar gibt es bei Ensisheim schöne Flußabschnitte, bevor die Ill erneut kanalisiert wird. Colmars„Klein-Venedig“ („La Petite Venise“) zählt sicherlich zu den schönsten Stadtvierteln des gesamten Elsass - und auch zu den meistbesuchten. Wer kann, sollte außerhalb der Hochsaison herkommen, um das Flair zu genießen, ohne sich durch die Gassen schieben zu müssen. Oder länger auf eine Bootsfahrt auf dem Illkanal zu warten, der das Viertel durchzieht: Die ist ein Muss.

Unterkünfte und Gastronomie gibt es entlang der Ill für nahezu jeden Geschmack und Geldbeutel - vom Gästezimmer über Frühstückspension und Campingplatz bis zum hochklassigen Hotel, vom einfachen Landgasthaus bis zum Sternelokal. Eines befindet sich in Illhäusern nördlich von Colmar, einem Ort, der aber nicht nur wegen der Auberge de l‘ Ill einen Besuch wert ist: Illhäusern, am Zusammenfluss von Ill und Fecht gelegen, geizt nicht mit idyllischen Orts- und Landschaftsbildern, die sich bei Spaziergängen an der Ill entdecken lassen. Und wer schon mal in Illhäusern ist, kann sich eine Matelote schmecken lassen - die elsässische Variante dieses exzellenten Fischgerichts wird von jedem Restaurant an der Route de la Matelote, die sich von Illhäusern bis hinter Straßburg zieht, nach einer eigenen Rezeptvariante zubereitet. In Illhäusern entweder im Restaurant à la Truite oder in der Auberge de l‘ Ill.

Etwa auf halbem Weg zwischen Colmar und Straßburg, auf der Höhe von Sélestat, beginnt die großartige Fluss- und Auenlandschaft des Grand Ried. Muttersholtzgehört zu den südlichsten Ortschaften des Ried. Dort lebt Patrick Unterstock, Bootsbauer und einer der besten Kenner der Ill. Von April bis Oktober unternimmt er für Besucher auf einem seiner selbstgebauten Illnachen Exkursionen im südlichen Grand Ried - viele der einst so typischen flachen Boote, die heute noch auf der Ill unterwegs sind, sind von Unterstock gebaut. Sein Bootstouren und seine charmante Art zu erzählen sind etwas, das sich niemand entgehen lassen sollte, der sich für die Ill und das Elsass interessiert. Außerdem vermietet er Gästezimmer und ein Tipi. (www.batelier-ried.com).

Natürlich lässt sich die Ill auch selbst per Kanu oder Kajak befahren. Es gibt mehrere Verleihe, Informationen dazu erteilen die jeweiligen Fremdenverkehrsämter. Generell gilt, dass man sich für eine Fahrt entlang der Ill ein bisschen Zeit nehmen darf und soll: es gibt so vieles zu sehen und zu entdecken, dass es schade wäre, wenn man nur „vorbeirauscht“.

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