Entlang der Ill durchs Elsass – Vom Großen Ried bis nach Straßburg

Entlang der Ill durchs Elsass – Vom Großen Ried bis nach Straßburg

Aus der Reihe Fahr mal hin

Ein Film von Nikolaus Wiesner  

Eine Reise entlang der Ill führt einen durch idyllische Auen, pittoreske Dörfer und natürlich die touristischen Hotspots Colmar und Straßburg.

Sendung: Donnerstag 11.06.2020 18.15 Uhr

Die Ill ist so etwas wie die Seele des Elsass und für die Einheimischen mindestens so wichtig wie der größere und bekanntere Rhein. Nach der Ill sollen die Menschen einst Illsassen und später Elsässer genannt worden sein.

Eine Entdeckungstour entlang der Ufer oder auch per Kanu ist eine spannende Zeitreise und führt auf die Spur so manch unbekannter Seite des Elsass. So kann man sich im geheimnisvollen Illwald mit seinen über 300 Jahre alten Bäumen auf Urwald-Wanderung begeben oder zusammen mit Naturführern dem mysteriös brodelnden "Bronnenwasser“ auf den Grund gehen.

Naturparadies und Wasserweg

Ein Stück weiter Richtung Straßburg versorgt die Ill mit ihrem Wasser ein See-Paradies für Segler und Vogelkundler. Und schließlich ist die Europastadt Straßburg ohne die Ill völlig undenkbar. Egal ob früher oder heute. Die Stadt wurde einst auf einer von der Ill umflossenen Insel angelegt. Vauban, der Militärbaumeister des französischen Sonnenkönigs hat später mit Hilfe der Ill eine ausgeklügelte Befestigungsanlage zum Schutz der Stadt entworfen. Und die schönste Artfür heutige Besucher, Straßburg zu entdecken, ist immer noch per Boot auf der Ill.

Im Ill-Wald gibt es über 300 Jahre alte Bäume. (Foto: SR)

ZUSCHAUERINFORMATIONEN

Manche sagen, das Elsass habe seinen Namen von der Ill: Diejenigen, die „an der Ill saßen“, seien eben die Elsässer. Auf alle Fälle ist eine Reise am Fluss entlang einer der besten Wege, das Elsass und seine Seele kennenzulernen, und zwar in allen Facetten: Traditionell, urban, mit atemberaubender Natur, still, sportlich, kunstvoll. Über rund 220 km durchzieht der Fluss das Elsass, von der Schweizer Grenze bis hinter Straßburg. Als „Homebase“ für den nördlichen Teil einer Entdeckungsreise entlang der Ill bieten sich Straßburg und Umgebung an, aber auch Sélestat. Von beiden Städten aus sind alle wichtigen Ziele an und um den Fluss in maximal gut einer Stunde Fahrtzeit zu erreichen. Noch ein grundsätzlicher Tipp: Wer der Ill folgen möchte, sollte die Karten des IGN (Institut national de l’ information géographique) et forestière) zu Rate ziehen (www.ign.fr) – im Großen Ried zum Beispiel gibt es so viele Wasserläufe, dass man schon einmal die Orientierung verlieren kann, und die Ill ist nicht immer ganz leicht zu finden. Die sehr genauen Karten mit Wanderwegen usw. helfen ausgezeichnet.

TOURISTISCHE INFORMATIONEN:

Office de Tourisme Sélestat-Haut-Koenigsbourg 10, Boulevard Leclerc, F-67604 Sélestat Cedex, Tel. 0033/388/ 58 85 20

acceuil@selestat-haut-koenigsbourg.com, www.selestat-haut-koenigsbourg.com

Office de Tourisme du Grand Ried,
Bureau d‘ Acceuil d‘ Erstein
16 Rue du Géneral de Gaulle
F-67142 Erstein
Tel. 0033/388/98 14 33

erstein@grandried.fr, www.grandried.fr

Office de Tourisme de Strasbourg et sa région (Fremdenverkehrsamt Straßburg und Umgebung): 17, Place de la Cathédrale, F-67082 Strasbourg Cedex, Tel. 0033/388/52 28 28

info@otstrasbourg.fr, www.otstrasbourg.fr

SO KOMMT MAN HIN:

Wer ins Große Ried möchte, gelangt von Norden aus Deutschland am besten über die A4 / A35 nach Straßburg. Von dort lässt sich das Ried von Norden nach Süden erkunden. Wer die umgekehrte Richtung bevorzugt, fährt auf der A35 weiter bis Sélestat und beginnt dort. Von Osten gelten die üblichen Anfahrtswege, z.B. von Freiburg über Breisach und Marckolsheim nach Sélestat, von Karlsruhe oder Offenburg über Kehl nach Straßburg. Mit dem Zug geht es ebenfalls nach Straßburg oder Sélestat.

SEHENS- UND ERLEBENSWERTES:

Das Große Ried (Grand Ried) beginnt bei Colmar und endet kurz vor Straßburg, begrenzt von der Ill im Westen und vom Rhein im Osten. Es ist eine oft urtümliche Mischung aus Schwemmland, Wald-, Fluss- und Wiesenlandschaft, die viele großartige Entdeckungs- und Erholungsgelegenheiten bietet.

Der Illwald ist der vielleicht beeindruckendste Teil des Grand Ried und zählt zu den größten Naturreservaten Frankreichs. Wald, Flussläufe, Wiesen und Schwemmlandschaften des Illwalds sind zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Auf den rund 2000 Hektar des Naturreservats gibt es eine großartige Flora und Fauna, und die Waldpartien kann man getrost als Urwald bezeichnen. Wer Glück hat, kann gegen Sonnenauf- oder besser noch Sonnenuntergang auch einen Blick auf die größte Damwildpopulation Frankreichs werfen. Der Illwald lässt sich zu Fuß, mit dem Rad, auf Pferderücken oder mit Kanu und Kajak entdecken. Dabei sollte man stets respektvoll mit der Natur umgehen, damit der Illwald auch in Zukunft zu den herausragenden Naturattraktionen Ostfrankreichs gehört.

Wer Illwald bzw. Großes Ried auf dem Wasser entdecken möchte, hat dazu viele Möglichkeiten: Allein oder zu mehreren, als Spazierfahrt oder sportlich, geführt oder auf eigene Faust - die Ill und ihre Seitenarme halten für jeden etwas bereit. Vor allem in Sélestat und Umgebung gibt es mehrere Anbieter: www.alsace-canoes.com bietet verschiedenste Mietmöglichkeiten, Ausfahrten und Führungen mit Kanu und Kajak samt Übernachtungsmöglichkeiten im Blockhaus, im festen oder eigenen Zelt, beheimatet in einer alten Mühle mit viel Flair; auch bei www.canoes-du-ried.com gibt es ein großes Angebot an Kanus, Kajaks und Ausfahrten, ebenfalls mit Übernachtungsmöglichkeit mit eigenem Zelt oder im Indianertipi; der Canoe et Kayak Club de l‘ Ill Sélestat, www.cakcis.com, ist vor allem für die Sportlicheren interessant: Er zählt zu den erfolgreichen Wassersportclubs Frankreichs und verfügt über einen eigenen kleinen Trainingsparcours auf der Ill direkt am Stadtrand von Sélestat, auf dem man sich auch einmal versuchen kann. Wer gern mit einem traditionellen Boot nach alter Bauart auf der Ill unterwegs sein möchte, ist bei Patrick Unterstock in Muttersholtz richtig, ca. 4 km von Sélestat – Unterstock baut und repariert Boote nach altem Vorbild, und seine Ausflugsfahrten bringen den Besuchern Natur und Geschichte des Flusses nahe: www.batelier-ried.com.

Sélestat selbst ist eine sehenswerte Stadt mit sehr alter und bewegter Geschichte. Schlettstadt, wie es auf Deutsch heißt, war z.B. während der Renaissance eine der Hauptbildungsstätten Europas. Einen Spaziergang durch die Altstadt sollte man auf jeden Fall machen – man kann sich wunderbar durch die Jahrhunderte treiben lassen. Oberhalb von Sélestat liegt die genauso berühmte wie geschichtsträchtige Haut-Koenigsbourg, eines der Wahrzeichen des Elsass. Auch sie ist einen Besuch wert, vor allem an klaren Tagen und unter der Woche, wenn der Andrang nicht zu groß und die Fernsicht bestechend ist. Außerdem gibt es in der Nähe der Koenigsbourg Adlerflüge zu bestaunen - und einen Park mit rund 200

Makaken. Näheres beim Fremdenverkehrsamt Sélestat-Haut-Koenigsbourg (siehe oben).

Faszinierend ist auch die Tatsache, dass im Grand Ried der Grundwasserspiegel sehr hoch liegt – das führt dazu, dass an vielen Stellen im Ried das Grundwasser die Oberfläche durchbricht und eigene kleine Wasserläufe bildet, so z.B. am Bronnwasser bei Erstein. Wer mehr über die Natur des Ried, vor allem am Rhein, wissen möchte, kann sich auch an den Conservatoire des Sites Alsaciens (CSA) wenden: 1, Rue des Écoles, F-67850 Offendorf, Tel. 0033/389/83 34 10, antenne.bas-rhin@conservatoire-sites-alsaciens.eu. Und wer sich für Energie, Wasserkraft oder die Geschichte der Elektrifizierung des Elsass interessiert, kann in Erstein bei der Zentrale der Gemeindewerke (Usines Municipales d‘ Erstein) nach den aktuellen Besuchsmöglichkeiten erkundigen: www.ume.fr, Tel. 0033/388/59 86 20. Das Große Ried bietet noch eine Menge weiterer Attraktionen, über die man sich am besten direkt beim Fremdenverkehrsamt des Grand Ried informiert (siehe oben).

Kurz vor Straßburg bietet der Plan d‘ Eau de Plobsheim für alle Segelsportbegeisterten eine schöne Gelegenheit, sich auszutoben: Die riesige, an den Rhein angrenzende Wasserfläche wurde vor bald 50 Jahren angelegt, um den Abfluss der Ill zu regulieren und genug Wasser für flussaufwärts an der Ill gelegenen Wasserkraftwerke zu haben. Die lokalen Segel- und Fischereiclubs sind in der UNAP (Union Nautique de Plobsheim, http://unap-plobsheim.clubeo.com, Tel. 0033/388/98 50 33) organisiert, sie heißt auch Ausländer als Mitglieder willkommen und hilft denen weiter, die hier Segeln (oder Fischen) möchten. Der Plan d‘ Eau ist nur rund einen Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Im Frühjahr und Herbst wird der Plan d’ Eau außerdem zum Paradies für Vogelfreunde, die hier unzählige Arten beobachten können.

Straßburg selbst ist ohne die Ill undenkbar: Die Altstadt (Grand‘ Île) wird von der Ill bzw. ihrem Kanal umschlossen. In Europas Hauptstadt dem Wasser zu folgen, macht viel Spaß und bietet sehr viel Abwechslung, die Spazierwege an den Quais sind oft gut besucht, von den Attraktionen wie der Vauban-Sperre (Barrage Vauban), der Petite France oder dem Palais Rohan mit seinen Museen ganz zu schweigen (www.musees-strasbourg.eu, dann zu „Musée Archeologique“, „Musée des Arts Décoratifs“ oder „Musée des Beaux-Arts“). Direkt vom Wasser aus lässt sich Straßburg z.B. günstig von den berühmten Touristenbooten, den Bateaux Mouche erleben (www.batorama.com) – mit Aperitif, Buffet, Mehrgänge-Menü oder individuell maßgeschneidert bei den Bateaux de l‘ Ill (www.bateauxdelill.com). Kanu- und Kajaktouren bzw. -vermietung gibt es in Straßburg natürlich auch, z.B. bei Strasbourg Eaux Vives (www.strasbourgeauxvives.org). Wer mit dem eigenen Boot nach Straßburg möchte, sollte sich über die Modalitäten bei der Stadt erkundigen (www.de.strasbourg.eu/de, Tel. 0033/368/98 50 00).

Im Sommer 2017 sind mehrere Teile der so genannten Straßburger Neustadt aus der wilhelminischen Zeit Ende des 19. Und Anfang des 20. Jahrhunderts neben der Altstadt zum zweiten UNESCO-Welterbe der Stadt erklärt worden: Die Place de la République, fast direkt am Illkanal, ist ein beeindruckendes architektonisches Ensemble und ein guter Ausgangspunkt, um sich in der Neustadt umzusehen. Ebenfalls sehenswert und direkt am südlichen Illufer gelegen ist das Künstler- und Studentenviertel Krutenau, das neben der Grand‘ Île zu den ältesten Vierteln Straßburgs zählt. Bevor die Ill nördlich von Straßburg bei Gambsheim in den Rhein mündet, durchfließt sie unter anderem noch La Wantzenau – wer in hochstehend-dörflicher Atmosphäre in einer idyllischen Parklandschaft am Fluss ausspannen und hinterher eventuell noch mondän essen möchte, sollte von Straßburg aus einen Abstecher in die Wantzenau einplanen. Es sind nur wenige Kilometer - die Straßburger selbst kommen auch gern, wenn sie dem Trubel der Stadt entfliehen möchten.

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