Marrakesch, da will ich hin!

Marrakesch, da will ich hin!

Peter M. Kruchten  

Marrakesch, die tausendjährige "rote Stadt" im Süden Marokkos, hat Moderator Michael Friemel in ihren Bann gezogen. Mit ihren prächtigen Palästen, abenteuerlich engen Gässchen, bunten Souks; und natürlich der Jemaa el Fna, dem berühmtesten Platz Afrikas. Begleiten Sie Michael Friemel auf eine besondere Reise.

Sendung: Samstag 31.07.2021 17.00 Uhr

Marrakesch ist ein Wort aus der Sprache der Berber oder Amazigh und bedeutet wahrscheinlich „Das Land Gottes“. Wegen der markanten und dominanten roten Farbe der meisten Gebäude einschließlich der 17 km langen Stadtmauer trägt Marrakesch auch den Namen „die rote Stadt“. Sie liegt nur 40 km von den Ausläufern des Hohen Atlas entfernt im Südwesten des Landes und zählt rund eine Million Einwohner. 1070 gegründet, war die Stadt immer schon ein wichtiges Kultur- und Verwaltungszentrum; heute ist sie mit ihren Baudenkmälern aus vielen Epochen, den Museen, Parks, Plätzen und Basaren ein beliebtes Ziel für Touristen aus der ganzen Welt.

Jemaa el Fna

Der Djemaa el Fna ist der zentrale Marktplatz und das Herz von Marrakesch. Die Bedeutung des Namens ist umstritten. Im Arabischen heißt Djemaa el Fna etwa Versammlung der Toten. Dieser Name rührt daher, dass die Sultane zur Zeit der Almohaden den Platz als Hinrichtungsstätte nutzten und aufgespießte Köpfe hier zu Schau stellten. Heute wird der Platz wegen seiner orientalischen Atmosphäre von Touristen und Einheimischen gleichermaßen geschätzt. So herrscht an den Abenden ein wildes Treiben mit Gauklern und Schlangenbeschwörern, Geschichtenerzählern, Wahrsagerinnen sowie Künstlern und Musikern. Ferner gibt es Dutzende Garküchen, die leckeres und preisgünstiges Essen anbieten, von der Tajine über Pastilla bis zu Couscous. Der Kulturraum des Djemaa el Fna wurde im Jahr 2001 als erster Ort in die neu geschaffene UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Tipp: Henna / Körperbemalung

Auf der Jemaa el Fna werden Touristen gerne von Henna-Malerinnen angesprochen; sie bieten für kleines Geld kunstvolle Bemalungen der Hände oder Füße an. Seit Stars wie Madonna in den späten 1990er Jahren Körperbemalungen in Mode brachten, hat sich im deutschen Sprachgebrauch für diese Art der Körperbemalung auch der Begriff Hennatattoo eingebürgert, da sie ähnlich wie Tätowierungen aussehen. Im Gegensatz zu echten Tätowierungen verblassen sie aber innerhalb von zwei bis drei Wochen. Vom ärztlichen Standpunkt aus gesehen gilt Henna für Körperbemalungen als unbedenklich. Aber Achtung: Henna färbt aber von Natur aus nur in rotbraunen Farbnuancen und benötigt eine lange Einwirkzeit. Für einen schwarzen Farbton und eine schnelle Färbung der Haut wird dem Henna oft das Haarfärbemittel PPD zugesetzt, das schwere allergische Reaktionen auslösen und zu irreparablen Haut- und Leberschäden führen kann. Wir empfehlen, Hennatattoos nicht „ambulant“, also am Straßenrand, machen zu lassen, sondern im Hotel / Riad nachzufragen und dann eine Verabredung mit einer Malerin zu treffen, die dem Hotel / Riad bekannt ist und die möglicherweise auch zu Ihnen kommt.

Rundgang durch die Medina / Maurische Architektur

Marrakesch gliedert sich in Altstadt (Medina) und Neustadt mit den Stadtteilen Guéliz und Hivernage. Die Medina ist ein grandioses, verzauberndes Gewirr enger und engster Gassen, Winkel und Höfe. Natürlich können Sie diese faszinierende Welt auf eigene Faust erkunden; ein Führer kann Ihnen aber in diesem Labyrinth sehr nützlich sein, zumal er versteckte architektonische Schätze gezielt ansteuern kann, während Sie wahrscheinlich eher zufällig darauf stoßen.

In der Vergangenheit wurde Marokkos Architektur maßgeblich von den Mauren geprägt. Dabei griffen diese auf die Grundlagen der andalusischen Baukunst zurück. So kam es, dass sich in der marokkanischen Bauart der religiöse Ursprung sowie die islamische Geschichte des Landes widerspiegeln. Drei Hauptornamente sind in der marokkanischen Architektur immer wieder anzutreffen. Dabei handelt es sich um die Arabeske, den Schriftzug mit Koranversen sowie das geometrische Motiv in oktogonaler Form. Diese typischen Ornamente und Stileelemente finden Sie u.a. an den beiden Bauwerken, die wir Ihnen als „Muss“ empfehlen möchten:

Bahia-Palast

Ende des 19. Jahrhundert ließ der Großwesir am Hof des Sultans, Ahmed Ben Musa, in Marrakesch einen Palast errichten, der auf achttausend Quadratmetern eine Moschee, einen Hamam, einen Garten und 160 Räume umfasst. Das altehrwürdige Anwesen ist ein architektonisches Labyrinth, und das aus gutem Grund. Der Großwesir wollte diesen Palast für seine bevorzugte Geliebte erbauen - daher auch der Name: La Bahia, „die Schöne“. Im gleichen Palast mussten seine 4 Ehefrauen, 24 Konkubinen und ihre unzähligen Kinder untergebracht werden, ohne dass die einen Damen je die Gärten der anderen bemerkten! Eine Herausforderung, deren Bau zehn Jahre in Anspruch nahm, für die die besten Handwerker des Königreichs mobilisiert und zahlreiche unmittelbare Nachbarn enteignet wurden.

Koutoubia-Moschee

Sie stammt aus der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts und ist damit eine der ältesten Moscheen Marokkos. Sie liegt − freistehend und von Palmengärten sowie Freiflächen umgeben − etwas abseits der Medina von Marrakesch unweit des Platzes Jemaa el Fna. Die Grundmaße des etwa 25.000 Gläubige fassenden Moscheebaus betragen ca. 90 × 60 Meter. Der Gebetsraum besteht aus einer Pfeilerhalle mit 17 parallelen Längsschiffen und 7 Querschiffen. Das Minarett ist quadratisch und ragt 77 Meter in den Himmel. Kein anderes Bauwerk in Marrakesch darf die Koutoubia überragen!

Souqs und Foundouks

Die Souqs (Märkte) Marrakeschs sind angeblich die größten des Landes. In jedem Fall dehnen sie sich über einige Quadratkilometer enger, meist überdachter Gassen und kleiner Plätze in der Medina aus. Auch wenn es auf den ersten Blick scheint, als sei dies das größte, bunteste allgemeine Durcheinander des Orients – die verschiedenen Gewerbe und Handwerke haben ihre festen Plätze und Zentren. So gibt es den Souq der Eisenschmiede, den der Kupferschmiede, der Wollfärber, der Lederverarbeiter, der Teppichhändler usw.

Ebenso sehenswert sind die alten Karawansereien oder Foundouk an der Peripherie der Märkte. In diesen Herbergen übernachteten die Händler, die Waren über oft lange Wege nach Marrakesch brachten, hier konnten sie ihre Kamele oder Lastmulis unterstellen und auch Waren lagern. Foundouks sind mehrstöckige Gebäude mit Innenhöfen. Heute haben sich Handwerker in diesen Höfen angesiedelt; sie werden von den Händlern mehr und mehr aus den Souqs verdrängt.

Das moderne Marrakesch / Guéliz und Hivernage

Gueliz und Hivernage bilden die „ville nouvelle“, die Neustadt aus der französischen Protektoratszeit. Das Viertel mit den breiten Avenuen und baumbestandenen Alleen schließ östlich an die Altstadt an. Die zentrale Achse, die Avenue Mohamed VI ist eine gut ausgebaute Promenade, die mit vielen Geschäften und Restaurants zum Flanieren und Einkaufen einlädt. Ein weiteres Highlight ist der 9 Kilometer lange Park. Nur etwa 3 Kilometer entfernt von Gueliz befindet sich das Wohnviertel Hivernage. Hivernage ist ein zentral und verkehrsgünstig gelegenes Wohnviertel mit einigen Hotels, das auch vom internationalen Flughafen schnell erreichbar ist.

Michael Friemel hatte einen besonders kenntnisreichen und hilfsbereiten Führer engagiert, Abdelhakim Mrabet. Wenn Sie für Ihren Besucht Kontakt zu Hakim oder einem seiner Kollegen aufnehmen möchten, hier die Daten:

Abdelhakim Mrabet

www.hakimerlebnis.com

contact@hakimerlebnis.com

Wenn Sie sich eine individuelle Führung, Ausflüge oder eine Rundreise von/bis Marrakesch vorbereiten lassen möchten, empfehlen wir Ihnen, die Hilfe einer Agentur vor Ort in Anspruch zu nehmen.

Künstler und Gärten

Nördlich schließt an das Stadtgebiet ein riesiger Palmenhain, die Palmeraie, an. Dort hat der aus Paris stammende Künstler Jean-Francois Fourtou auf einem parkartigen Grundstück zwei faszinierende Installationen errichtet: „das Haus, das vom Himmel gefallen ist“ und „das Haus des Riesen“. Beide Häuser haben mit Fourtous Kindheit und seinem verstorbenen Großvater zu tun und bieten ganz überraschende Perspektiven!

www.jffourtou.com

Jardin Majorelle

Nachdem sich der französische Maler Jacques Majorelle im Jahr 1919 im damals noch französisch besetzten Marokko niederließ, legte er 1923 auch einen Garten an. Majorelles Kunst ist heute weitgehend in Vergessenheit geraten - bis auf den von ihm erschaffenen Garten. Eine spezielle Abstufung des Kobaltblaus, die er im Garten sehr oft verwendete, nennt man nach ihm Majorelle-Blau. Im Garten findet man Pflanzen aller fünf Kontinente, hauptsächlich Kakteen und Bougainvillea. 1980 wurde der Garten von dem französischen Modedesigner Yves Saint Laurent gekauft. Hier holte sich Saint Laurent Inspiration für seine Kollektionen. Nach seinem Abschied vom Modegeschäft 2002 wurden die Villa und der Garten zu einem seiner Rückzugsorte. Nach seinem Tod im Jahr 2008 wurde seine Asche im Beisein von Mitarbeitern und Freunden im Rosengarten verstreut.

Der Garten beherbergt auch das Islamische Kunstmuseum von Marrakesch, dessen Sammlung nordafrikanische Textilien aus Saint-Laurents persönlicher Kollektion ebenso wie Keramiken, Schmuck und Gemälde von Majorelle umfasst.

www.jardinmajorelle.com

Übernachten

In Marrakesch herrscht wirklich kein Mangel an modernen Hotels mit internationalem Standard. Allein zwischen Flughafen und Stadtzentrum ist in den letzten Jahren ein ganzes Hotel-, Vergnügungs- und Gewerbegebiet entstanden mit Vier- und Fünf-Sterne-Häusern. Wirklich stilvoll wohnt man aber in einem der Riads in der Medina. Riads sind traditionelle landestypische Häuser oder Paläste mit integrierten Gärten. Übersetzt bedeutet das “Stadthaus mit Garten”. Marokkanische Riads sind bekannt für ihre gehobenen Ausstattungen. Sie sind geschmackvoll möbliert und häufig sogar luxuriös ausgestattet. Charakteristisch für Riad sind ihre begrünten Innenhöfe. Zu deren weiteren Merkmalen zählen ausgebaute Dachterrassen sowie Pools, die wie Oasen wirken. Besonders beeindruckt haben uns folgende Riads:

Riad Les Jardins de la Medina: www.lesjardinsdelamedina.com

Riad Kniza: www.riadkniza.com

La Maison Arabe: www.lamaisonarabe.com

Marokkanische Küche

Marokko mag in den Augen vieler Europäer als Wüstenstaat erscheinen, es ist aber ein Land mit landwirtschaftlicher Tradition; es wird mehr produziert als für den Eigenbedarf notwendig ist. Und auf den überwiegend fruchtbaren Böden gedeihen dank Bewässerung alle Arten von Gemüse und Obst. So ist der Speiseplan abwechslungsreich, Getreide, Gemüse und Fleisch sind Bestandteile der Hauptmahlzeiten. Und an Gewürzen sparen die Marokkaner nicht. Die Speisen sind nicht notwendigerweise scharf aber raffiniert gewürzt. Gelb ist eine vorherrschende Farbe; gelegentlich kommt sie vom teuren Safran, oft aber ist Kurkuma an dessen Stelle getreten. Typische Fleisch-Gemüse-Gerichte sind beispielsweise die Tajines. Eine Tajine ist ein Tontopf mit spitzem Deckel, in dem die Zutaten geschmort werden: Hühnchen mit Zitronen und Oliven oder einfach nur verschiedene Gemüse…

Kochkurse werden in verschiedenen Riads angeboten, so auch im La Maison Arabe (Internetadresse siehe oben).

Das Gericht, das Michael Friemel im Riad La Maison Arabe unter Anleitung zubereitet hat, ist eine „Tajine poulet citrons olives“. Für vier Personen benötigt man:
1 Zitrone,1 große Zwiebel fein gehackt, 1 Bund Petersilie, 1 Bund Koriander, 2 - 3 El Olivenöl, 3 gehackte Knoblauchzehen, Salz, gemahlener schwarzer Pfeffer, 1 Stück Ingwer, 1Tl gemahlener Zimt, 2 Safranfäden geröstet und zerrieben, ca. 800 Gramm Hühnerfleisch, 700 ml Hühnerbrühe, 20 Oliven.
Die Zwiebel in Öl anbraten bis sie weich ist. Knoblauch mit einer Prise Salz zerdrücken, dann Ingwer, Zimt, Safran und Pfeffer untermischen. Die Paste unter die Zwiebel rühren und weitergaren bis sie aromatisch duftet. Das Hühnerfleisch in einen entsprechend großen Tontopf (Tajine oder Römertopf) geben, mit der Zwiebelpaste bestreichen, Brühe zugießen und kurz aufkochen lassen. Deckel auflegen und ca 1 Stunde köcheln lassen. Zwischendurch das Hühnerfleisch ein paarmal wenden.
Oliven, Zitrone und die gehackten Kräuter zugeben und alles zugedeckt weitere 15 Minuten garen, die Sauce abschmecken – fertig.

Impressionen aus Marrakesch

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