Matera, da will ich hin!

Matera, da will ich hin!

 

Kulturhauptstadt Europas 2019, Weltkulturerbe, Filmkulisse für diverse Hollywood-Streifen, älteste Stadt Italiens, der am längsten dauerhaft besiedelte Ort der Welt - nämlich gute 9000 Jahre, länger hat es die Menschheit noch an keinem anderen Ort ausgehalten! Kurz: Moderator Michael Friemel hat eine Menge zu bestaunen in der süditalienischen Höhlenstadt Matera und ihrer Umgebung, der Basilikata.

Sendung: Samstag 13.04.2019 17.00 Uhr

Da gibt es die berühmten Felsenkirchen mit ihren zum Teil tausend Jahre alten Fresken - die "Sixtinische Kapelle der Basilikata" - und ihrer langen Tradition der Bienenzucht. Die übrigens bis heute anhält: vom allgemein verbreiteten Bienensterben hier keine Spur; ein Zeichen, dass die Natur ringsum nicht nur grandios, sondern auch noch relativ intakt ist. Darum gilt die Basilikata auch als "Kornkammer Italiens" und ist weit darüber hinaus für ihre gesunden Leckereien bekannt.

Impressionen aus Matera und Umgebung

Stichwort Slowfood. Natürlich kostet Friemel für Sie vor! Und wagt sich in Gefilde, die andere nur mit Zaubersprüchen und Amuletten bewaffnet betreten. Wir besuchen ein Dorf, dessen Namen man nicht aussprechen darf - denn das bringt Unglück...Und wir werden Zeugen einer der kuriosesten Madonnen-Prozessionen Italiens - kommen Sie mit!

Großes Kino - Moderator Michael Friemel in der Bar von Francis Ford Coppola (Foto: Sven Rech)

Touristische Informationen

Allgemeine Informationen:

http://www.italia.it/de/italien-entdecken/basilikata.html

http://www.basilicataturistica.it

http://www.italia.it/de/reisetipps/unesco-staetten/matera-die-sassi-und-die-felsenkirchen.html

Ins Gepäck:

Maria Carmen Morese: Gebrauchsanweisung für Apulien und die Basilikata. Piper Verlag, München 2015. 224 Seiten, 15 €.

Carlo Levi: Christus kam nur bis Eboli. Taschenbuchausgabe dtv, München 2003, 288 Seiten, 9,90 €.

Anreise:

Der nächste Flughafen ist Bari in Apulien. Um die Basilikata zu erreichen und zu erkunden, sollte man ein Auto mieten. Von Bari nach Matera braucht man ca. eine Stunde.

Übernachten:

In Matera natürlich in den Sassi, den berühmten Felsenwohnungen der Altstadt! „Die Schande Italiens“ nannte man die ärmlichen Behausungen, nachdem der Arzt und Schriftsteller Carlo Levi in seinem berühmten Roman „Christus kam nur bis Eboli“ darüber geschrieben hatte. Nicht wenige dieser Höhlen haben heute 4 oder 5 Sterne, Klimaanlagen und Wellnessbereiche.

Ein schönes Höhlen-Hotel, das behutsamer als viele andere mit dem vorgefundenen Erbe umgeht, ist das „Corte San Pietro“. (www.cortesanpietro.it) Die Zimmer sind um einen Innenhof – corte– gruppiert. Hier lebten früher mehrere Familien dicht an dicht nebeneinander, jede mit Kindern und Vieh in einer der Höhlen, die heute Hotelzimmer sind. Die Zimmer tragen auch noch die ehemaligen Hausnummern, und auf das Türschild wird mit Kreide der Name des Gastes unter den Namen des Vorbesitzers geschrieben: man wohnt also zum Beispiel bei Familie Valena in Nummer 16. Auch viele weitere Details im Innern zeugen von dem Respekt, den die Besitzer, Fernando und Marisa Ponte, für die Geschichte des Ortes empfinden.

Wer nicht in einer Höhle schlafen will, kann fürstlich im Hotel „Palazzo Gattini“ (www.palazzogattini.it) direkt gegenüber vom Dom residieren.

Preiswerter und auch sehr zentral gelegen übernachtet man im Hotel „San Domenico al Piano“ (www.hotelsandomenico.it) Hier hat auch unser Team logiert und war sehr zufrieden.

Essen & Trinken:

Die Basilikata ist - zu Recht - stolz auf ihre Spezialitäten. Ob im Nobelrestaurant in der frisch gekürten Kulturhauptstadt oder in der einfachen Landkneipe – gutes Essen aus lokalen Zutaten gibt es fast überall. Die italienische Slowfood-Bewegung „Chilometro Zero“ (Null-Kilometer) wird hier oft sogar als Null-Zentimeter-Philosophie gepflegt: Käseherstellerwie unser Gastgeber Alfonso Riccardihat die Kühe gleich nebenan stehen, deren Futter wächst auf seinen eigenen Wiesen und Feldern, deren Pflanzen wiederum von Riccardis eigenen Bienen bestäubt werden… (www.masseriariccardi.it)

Apropos Bienen: Die hatten in Matera und Umgebung einst sogar kultische Bedeutung. In zahlreichen Felsenkirchen kann man noch die aus dem Stein gehauenen Bienenstöcke der Eremiten erkennen, und der Heilige Ambrosius (geboren 339 in Trier!), Schutzheiliger der Imker, findet sich auf vielen Fresken an den Höhlenwänden. Die Bienen von Matera scheint er tatsächlich zu schützen, denn das vielbeklagte Bienensterben ist hier noch nicht angekommen. Wer Honig mag, findet viele Imkereien in der Umgebung. Wir haben „Il nettare degli dei“ (Der Nektar der Götter) ausgesucht, weil Alessandro Montemurro die Bienenzucht von Vater und Großvater übernommen hat und gerne auch Kindern die Sache mit den Bienen erklärt. Schutzkleidung für große und kleine Besucher ist ausreichend vorhanden! www.ilnettaredeglidei.it

Auch die Tenuta fortunato ist bestens für einen Besuch mit Kindern geeignet. Hier kann man nicht nur alle möglichen Tiere von der Katze bis zur Ziege streicheln, sondern auch selbst Peperoni Cruschi herstellen – DIE Spezialität der Basilikata. Die an Schnüren aufgereihten getrockneten Peperoni sind zudem ein hübsches Mitbringsel, und mit etwas Übung gelingt das kurze Fritieren zuhause bald so perfekt wie in den Restaurantküchen der Basilikata. www.tenutafortunato.it

Der bekannteste Wein der Basilikata ist der samtig-weiche Rotwein Aglianicoaus dem Vulture-Gebirge. Ihm hat der italienische Autor Gaetano Cappelli in seinem Roman „Beste Lage“ ein heiter-ironisches Denkmal gesetzt. (Bertelsmann 2012)

Ein schönes, auf deutsch erschienenes Kochbuch, das auch ein kulinarischer Reiseführer ist: Pino Bianco, Angela Matarrese: Basilikata. Umschau-Verlag, Neustadt an der Weinstraße, 2010. Pino Bianco und seine Mutter Angela Matarrese betreiben in Berlin ein „lukanisches“ Restaurant, die „Trattoria Muntagnola“. Lukanien ist der alte Name der Basilikata, er findet sich noch oft insbesondere auf Speisekarten.

Sehenswert:

Matera – natürlich!

Über das Kulturhaupstadt-Programm für 2019 informiert die offizielle Website auf italienisch und englisch. https://www.matera-basilicata2019.it/en/

Man sollte sich allein für die Sassi, die aus dem Fels gehauenen Altstadtteile, mindestens einen Tag Zeit nehmen. Einen guten Überblick über die Geschichte und die Highlights der Stadt bietet die Casa Noha – ein Multimedia-Informationscenter unweit des Doms, der Weg dahin ist gut ausgeschildert. http://www.isassidimatera.com/cosa-vedere/casa-noha/

Wer die Stadt nicht auf eigene Faust erkunden will, für den steht eine Vielzahl von Tourismusführern bereit, die ihre Gäste zu Fuß (gute, rutschfeste Schuhe anziehen!), mit der Ape oder in Kleinbussen durch die Stadt und auf die andere Seite der Schlucht begleiten. Auch die beiden Höhlenexperten aus unserem Film, Teresa Lupo und Enzo Viti, bieten demnächst Führungen zu den verborgenen Schätzen der Stadt an. Sobald ihre Website aktiv ist, wird sie hier verlinkt.

Einige der Felsenkirchen (chiese rupestre)aus dem Mittelalter sollte man sich unbedingt anschauen. Die Chiesa Santa Maria de Idris (auch di Idris, dell’Idris…) steht unübersehbar am Rand des Sasso Caveoso – ein riesiger Felsbrocken, dessen Inneres im 13. Jahrhundert zu einer Kirche ausgehöhlt wurde. „Idris“ hat mit „idraulico“ – italienisch für Hydraulik – zu tun und verweist auf die ausgeklügelte Wasserleitungstechnik, die die Felsenstadt schon in der Bronzezeit aufweisen konnte. Von der Eingangstür führte einst eine schmale Rinne auf dem Fußboden bis zum Altarbild, und die Gläubigen mussten sich auf Knien dem Altar nähern, indem sie mit der Zunge durch die Rinne leckten. Leider ist die Rinne bei der letzten Renovierung verschwunden…

Etwas außerhalb Materas befindet sich die vielleicht schönste Felsenkirche, die „cripta del peccato originale“ (Krypta der Erbsünde), die gern die „Sixtinische Kapelle der Basilikata“ genannt wird. www.criptadelpeccatooriginale.it

Empfehlenswert ist natürlich auch der Besuch im historischen Museum der Stadt, den diversen Kunstmuseen, der Kathedrale etc. Nähere Informationen dazu unter:  http://www.aptbasilicata.it

Casa di Ortega

Ein kleines Highlight ist das ehemalige Wohnhaus des spanischen Künstlers José Ortega (http://www.casaortega.it) , der vor dem Franco-Regime nach Matera geflohen war und dort neue Impulse für seine Bilder gefunden hat. Auch das Gebäude ist sehr sehenswert.

Festa della Bruna

Jedes Jahr am 2. Juli gibt es zu Ehren der Schutzheiligen von Matera, der Madonna della Bruna, ein großes Fest mit der wohl merkwürdigsten Prozession Italiens. Für die Madonna wird in monatelanger Arbeit und mit viel Geld eine prunkvolle Kutsche aus Pappmaché gebaut, die am Ende des Abends von Zehntausenden umringt und geplündert wird. Die Fetzen der Kutsche bringen angeblich Glück und Segen – oft erkämpft mit einer blutigen Nase oder einem gebrochenen Knochen…

Colobraro

Unter den vielen malerischen Bergdörfern der Basilikata sticht das Dorf Colobraro durch eine Besonderheit hervor: es bringt Unglück. Zumindest wenn man dem Aberglauben der Umgebung folgt, sollte man den Namen des Ortes nicht laut aussprechen. Man spricht dann nur von „quel paese“ von „diesem – ihrwisstschonwelchem – Dorf“. Was in den letzten Jahrzehnten zu einer gewissen Stigmatisierung der Bewohner Colobraros geführt hat. Daher hat der Bürgermeister vor einigen Jahren den Spieß umgedreht und hat aus dem Spuk einen Spaß gemacht. Jeden Dienstag und Freitag im August ist nunmehr Geisterstunde in Colobraro oder – wie die Veranstaltung offiziell heißt – „Un sogno di una notte a quel paese“ (Frei nach Shakespeare: Ein Sommernachtstraum in diesem … Dorf). Es wird viel gelacht, gegessen und getrunken und für die Ängstlichen gibt es am Dorfeingang handgenähte Amulette zu kaufen, die in Colobraro und anderswo die bösen Geister fernhalten…

http://www.basilicataturistica.it/territori/colobraro/?lang=it

An allen anderen Tagen kann man sich im örtlichen Heimatmuseum über Hexen, Schamanen und Wunderglauben der Basilikata informieren. Oder einfach in der Dorfkneipe. Viele der älteren Stammgäste dort sprechen sogar gut und gerne deutsch, weil sie lange in Deutschland gearbeitet haben.

Viel Spaß!